Grundlagen der Horoskop-Interpretation

Geburtshoroskop

Das für einen Menschen erstellte Geburtshoroskop heißt im Sanskrit "Janma Kundali" - gesprochen "Dschanma Kundahli". Der Jyotishi, der vedische Astrologe, benötigt für die Erstellung dieses Horoskops als Daten den Namen, den Geburtstag, die möglichst genaue und möglichst sicher verbürgte Geburtszeit und schließlich den Geburtsort des Horoskopeigners. Der Geburtsort geht mit seinen Ortskoordinaten in die Berechnungen mit ein; Frankfurt am Main z.B. hat die Koordinaten 50 Grad und 7 Bogenminuten nördliche Breite sowie 8 Grad, 41 Minuten östliche Länge.

Diese Daten gibt der moderne Jyotishi in ein Jyotish-Computerprogramm seiner Wahl ein, dass dann den Stand der Planeten im Geburtsmoment berechnet und in einem Diagramm oder Chart aufgezeichnet. Dieses Chart wird Janma Kundali (gesprochen: Dschanma Kundahli) - Geburtshoroskop - genannt. Die Stellung der Planeten im Geburtsmoment am Ort der Geburt spiegelt wider, wie sich die kosmische Zeitqualität an diesem Punkt in Zeit und Raum manifestiert. Der Zustand des Menschen, der geboren wird, entspricht exakt dieser Zeitqualität und sein Leben entfaltet das Potential, das diesem Zustand inne wohnt.

Zeitqualität, Naturgesetze und Planeten

Jyotish interpretiert das Leben eines Menschen als Ausdruck der kosmischen Zeitqualität, die sich aus der Art und Weise ergibt, in der die universalen Naturgesetze in einem bestimmten Punkt von Raum und Zeit zusammenwirken. Die Planeten repräsentieren hierbei die grundlegendsten Naturgesetze, die Gesetze des Lebens und der Evolution, die von der Basis der Schöpfung aus wirken.

Die Stärke und Schwäche der Planeten - zu einem bestimmten Zeitpunkt in Bezug auf auf einen spezifischen Ort - drückt dabei aus, in welchem Grade jedes dieser Naturgesetze sich in dem Aktivitätsmuster, das jetzt und hier entsteht, zu manifestieren und auszudrücken vermag.

Die Stellung der Planeten in den Tierkreiszeichen lässt erkennen, mit welcher Bewusstseinsdynamik die Naturgesetze aktiv werden und die Position der Planeten in den Häusern gibt Aufschluss darüber, in welchen konkreten irdischen Lebensbereichen welche Naturgesetze zum tragen kommen. Die Beziehungen der Planeten in Freundschaft und Feindschaft zueinander gibt Einblick in die kosmische Politik und lässt erkennen, ob die entsprechenden Naturgesetze harmonisch miteinander oder sich schwächend gegeneinander funktionieren.

"Stärke und Schwäche" der Planeten, ihre "Freundschaft und Feindschaft" zueinander usw. beziehen sich dabei ausschließlich auf die Manifestation der ihnen entsprechenden Naturgesetze im Bereich von Raum und Zeit. Auf ihrer eigenen Ebene von Akshara - der absoluten, unvergänglichen Wirklichkeit des Lebens - bleiben alle Naturgesetze in ihrer Fülle in perfekter Harmonie vereint.

Wichtiger Hinweis zu den Texten auf meiner Seite

Auf meiner Seite finden Sie eine Sammlung von kurzen Texten mit Aussagen zum Stand der Planeten in den Tierkreiszeichen/Häusern usw. Diese Texte sind als Lehrbeispiele für astrologisches Denken gedacht. Stellen sie bitte nicht diese Texte für ein bestimmtes Horoskop zusammen und meinen dann, dies wäre dann so etwas wie eine Interpretation des Horoskops!

Der Grund dafür ist, dass es sich bei diesen Textbausteinen um isolierte Faktoren im Horoskop handelt, es aber in einer Jyotish-Interpretation keine isolierten Faktoren gibt. Die Arbeit der Interpretation besteht gerade darin, aus den isolierten Faktoren eine sinnmachende Gesamtschau des Charts aufzubauen.

Beispiel: Sie lesen den Text zu Mond im 9. Haus. Der Text verrät Ihnen, wie im Jyotish diese Stellung des Mondes im 9. Haus zu bewerten ist. Es macht aber einen gewaltigen Unterschied, ob der Mond hierbei im 9. Haus im Zeichen Stier, Skorpion oder Widder steht, ob ihn Jupiter oder Saturn aspektiert, ob er allein oder mit anderen Planeten zusammensteht usw. Den Text zu "Mond im 9. Haus" zu lesen und ihn für sich allein als angemessene Beschreibung der Persönlichkeit eines Horoskopeigners anzusehen, wäre vollkommen irreführend.

Positiv und negativ ...

Und gleich noch ein Hinweis. Der eine oder andere Leser der Interpretationsbaustein-Texte hat mir geschrieben, dass er die Aussagen dieser Texte teilweise "erschreckend negativ" findet. Dazu zwei Erläuterungen:

1. Wenn Jyotish angemessen das Leben von allen Arten von Menschen beschreiben soll, dann muss es auch die ganze Bandbreite menschlicher Erfahrungen abdecken können - von göttlich positiv bis dämonisch negativ mitsamt allen Zwischenstufen. Die Textbausteine spiegeln das wider.

2. Auch hierfür gilt, dass solche einzelnen Aussagen niemals für sich allein genommen werden dürfen. Wenn Parashara z.B. über die Stellung des Herrn des 7. Hauses im 12. Haus sagt: "Lebt in Armut und Schulden, ist ein Geizhals, sein Lebensunterhalt hat mit Kleidung zu tun und seine Frau ist eine Verschwenderin", dann heißt dies keineswegs, dass z.B. der Horoskopeigner tatsächlich sein Geld mit Kleidung verdient, sondern nur, dass dieser eine Faktor im Horoskop dahingehend wirkt, dass er seinen Lebensunterhalt mit Kleidung verdient. Ob dieser Impuls sich durchsetzt oder nicht, hängt davon ab, wie er von anderen einflussreichen Faktoren im Horoskop unterstützt, behindert oder variiert wird.

Man kann aus diesen Texten also etwas über individuelle Faktoren im Horoskop lernen, nur dazu sind sie da, sollte aber nicht meinen, dass man eine Jyotish-Interpretation vor sich hätte, indem man diese Texte aneinander reiht. Ein Aufstapeln der Baumaterialien auf einem Grundstück ist noch kein Haus. Daher bitte solch einen Text für sich allein niemals wörtlich nehmen, im positiven wie im negativen!