Die zwölf Häuser

Ein vollständiger Zyklus der Lebens auf der Erde

Die 12 Häuser repräsentieren im Jyotish die 12 Stadien eines vollständigen Lebenszyklus auf der materiellen Ebene dar, von der Geburt (1. Haus) über die Phase des Wachsens durch Nahrung (2.Haus) usw. bis hin zum Genuss des Ergebnisses dieses Zyklus (11. Haus) und zum Erlöschen der Individualität im Tode (12. Haus). Diese 12 Stadien sollen nun detailliert beschrieben werden.

Für ein tieferes Verständnis von Jyotish ist es wichtig, die Häuser nicht einfach statisch als Behälter anzusehen, die bestimmte Dinge des Lebens enthalten, sondern als dynamische Entwicklungsphasen. Aus dieser Dynamik lassen sich dann die Inhalte der Häuser systematisch ableiten.

1. Haus - die Geburt des Körpers

Das erste Haus wird auch Aszendent, im Sanskrit Lagna genannt. "Ascendere" bedeutet aufsteigen und dem 1. Haus ist dasjenige Tierkreiszeichen zugeordnet, das im Augenblick der Geburt gerade am Osthorizont aufsteigt.

Das 1. Haus kennzeichnet den Zeitraum des Beginns des Lebens, beginnend mit der Geburt. Es ist der Moment, in dem der Pfeil abgeschossen wird und entsprechend seinem Abschusswinkel und seiner Kraft oder Geschwindigkeit seinem Ziel zustrebt. So, wie im winzigen Samen eines Baumes alles enthalten ist, was später den großen Baum ausmacht, einschließlich aller sequentiellen Stadien seiner Entwicklung, so ist im ersten Haus alles enthalten, was das Leben des Geborenen später konkret entfalten wird.

Das 1. Haus, die Stelle des Aufgangs im Osten, verbindet sich mit der Bewusstseinsdynamik desjenigen Tierkreiszeichens, das gerade im Osten aufsteigt. Das 2. Haus wird dann dem nächstfolgenden Tierkreiszeichen zugeordnet usw. So wird das erste Haus zum Ursprung aller anderen Häuser und baut das gesamte Horoskop auf. Entsprechend ist es der Körper, der gerade geboren wird, der zum Zentrum des Erlebens wird und damit eine ganze Welt von Erfahrungen hervorbringt.

In der Dynamik der Stadien des Lebens stellt das erste Haus also den Anfang des Lebens dar, die Geburt. Der Körper wird geboren und ein Mensch tritt damit der Welt gegenüber als Ich in Erscheinung. Der Karaka oder Organisator des ersten Hauses ist folgerichtiger Weise Surya, die Sonne, die das Ego repräsentiert und zugleich auch die Intelligenz, die den physischen Körper aufbaut und die Grundvoraussetzungen für die Aktivität des Menschen in der Welt schafft, indem sie die persönlichen Eigenarten des Körpers, die Konstitution und die Gesundheit des Organismus bestimmt. Unter allen Häusern im Horoskop ist das erste das wichtigste, denn es zeigt das grundlegende Aktivitätsmuster an, das die Individualität eines Menschen ausmacht und seine Möglichkeiten des Handelns in der Welt festlegt.

Angelegenheiten des 1. Hauses sind: Das Ich. Ego. Die Persönlichkeit. Der Grundimpuls, mit dem ein Mensch in der Welt in Erscheinung tritt. Die Gesundheit. Körper, Körperbau, Konstitution, Stoffwechsel, Aussehen, Erscheinungsbild, erster Eindruck. Start ins Leben, Geburt, frühe Kindheit. Die Erbmasse, Gene, DNA, das Erbe der Ahnen. Selbstbewusstsein, Selbständigkeit, Souveränität. Macht, Ausstrahlung. Kommandozentrale. Identität. Individualität. Persönliche Eigenart. Lebenskraft, Aura. Die innere Intelligenz. Ordnungsgebende Kraft. Das "Gesetz, nach dem man angetreten". Das Leben selbst. Evolutionskraft. Der Kopf, das Gehirn. Die ganz persönliche Art, in die eigene Welt hinein zu handeln.

2. Haus - Nahrung und Wachstum

Diese 2. Phase ist eine Phase des Wachstums, in welcher der Geborene seine Welt in Besitz nimmt. Dieses In-Besitz-Nehmen der Umgebung, um zu wachsen und zu gedeihen, geschieht hauptsächlich mittels Nahrungsaufnahme und vermittels der Sprache, welche den Erwerb von Wissen ermöglicht - und Wissen ist Macht. Da in dieser Phase ein Wesen noch klein und hilflos ist, ist es auf Unterstützung seitens seiner unmittelbaren Umgebung angewiesen und wird von seinen Angehörigen gefördert - und tut alles, um diese Förderung auf sich zu ziehen.

Der im ersten Haus ins Leben getretene Grundimpuls der individuellen Aktivität wird im 2. Haus genährt, damit er wächst und gedeiht. Weiterhin gibt die Analyse des zweiten Hauses Auskunft darüber, wie das Zusammensein mit den Menschen sich gestaltet, die man als seine Angehörigen ansieht, also das Familienleben und das Zusammenleben mit dem eigenen Partner. Guru ist der Karaka oder Organisator dieses Hauses, d.h. es ist die Aufgabe des expansiven Planeten Jupiter, günstige Voraussetzungen dafür zu schaffen, dass ein Mensch erfolgreich all die Dinge ansammelt, die er für seine Entwicklung braucht. das 2. haus gilt als ein Todeshaus, denn durch das Ansammeln von Fremdem aus der Umgebung kann der ursprüngliche Lebensimpuls (1. Haus) verfremdet und überlagert werden - z.B. bilden sich durch die Nahrungsaufnahme Schlacken im Körper an, welche die Gesundheit bedrohen.

Angelegenheiten des 2. Hauses: Besitz, Erwerb von Besitz. Essen und Trinken und damit zusammenhängende Gewohnheiten (viel oder wenig essen/trinken, reine oder unreine Nahrungsmittel, Alkohol, Drogen usw.). Wissenserwerb, Hören, Lernen, Gedächtnisfähigkeit. Alles, was man sich aneignet. Das Ehe- und Familienleben sowie das Zusammensein mit Menschen, die einem nahe stehen und damit zu einem gehören - die Angehörigen. Gier, Geiz, Besitz- und Sammeltrieb, Hunger und Durst. Genuss und Begierde. Worte, Sprechen, Singen, Musik, Rezitation. Das Gesicht, Gesichtszüge eines Menschen. Der Mund, die Zunge, die Zähne. Stimmbänder. Kehle und Hals. Die Art zu sprechen: wenig oder viel, freundlich oder harsch usw.

3. Haus - Antrieb zur Aktivität

Die 3. Phase ist durch eine Ausweitung der Aktivität in Konkurrenz zu anderen gekennzeichnet. Das noch junge Wesen erprobt neue Möglichkeiten des Handelns und übt sich darin, seine Ziele in einer Umgebung zu verwirklichen, die andere Ziel als es selbst hat.

Das dritte Haus kennzeichnet somit in der Reihenfolge der Entwicklung der materiellen Dynamik die Entfaltung von Aktivität, mit der das Ich-Bewusstsein sich in der Welt durchsetzen will. Die im zweiten Haus angesammelte körperliche, geistige und soziale Nahrung wird hier in Handlung umgesetzt. In welchem Grade und auf welche Weise ein Mensch fähig ist, tätig zu werden und im Wettstreit mit allen anderen seine Ziele zu verwirklichen, all dies ist im dritten Haus zu erkennen - die dem dritten Haus zugeordneten jüngeren Geschwister bieten die Gelegenheit, sich in diesen Fähigkeiten zu üben. Der kämpferische, überaus aktive und starke Mangal, der Planet Mars, ist der natürliche Karaka oder Organisator dieses Hauses.

Angelegenheiten des 3. Hauses: Aktivität, Tatkraft, Durchsetzungsvermögen, Energie, Power, Ansporn, Ehrgeiz. Rastlosigkeit, Unruhe, Hektik, Veränderung, Umwandlung. Ortswechsel, (kleinere) Reisen,Umzüge, Wohnungswechsel. Konkurrenz- und Hackordnungs-Kämpfe, Nebenbuhler, jüngere Geschwister, Sparringspartner. Mitreißende Dynamik. Arbeit. Fleiß. Anstrengung. Bemühung. Antrieb. Herausforderung. Stachel, Peitsche. Erregung. Neid. Aufregungen.

4. Haus - Geborgenheit als Grundlage für die Aktivität

In der Phase, welche dem 4. Haus entspricht, wird ein Zylus von Ruhe und Aktivität etabliert, über den die weitere Entwicklung fortschreiten soll. Nur, wenn das Handeln (1. und 3. Haus) den wahren Wünschen und Impulsen im eigenen Inneren Ausdruck verleiht, kann es dauerhaft kraftvoll und zielgerichtet sein. Dazu muss die eigene innere Motivation erst einmal klar erkannt werden und dies wiederum erfordert - zumindest phasenweise - einen Rückzug aus der äußeren Aktivität und eine Erforschung des eigenen Inneren. Aus der Rückkehr zu den eigenen Wurzeln schöpft man Einsicht und Kraft für erfolgreichere Aktivität.

Angelegenheiten des 4. Hauses: Seelenleben, Denken und Fühlen, Psyche, innere Motive. Heim, Heimat, Wurzeln, Herkunft, Tradition. Mutter, Elternhaus, Kindheit. Erziehung und Bildung in der Kindheit und frühen Jugend, Allgemeinbildung. Athmosphäre im Elternhaus. Erinnerungen, Vergangenheit. Mantras und andere Fahrzeuge. Kultur, Brauchtum, Mundart, Tradition, Überliefertes. Geborgenheit. Das Grundgefühl "Mutter ist zuhause, mir kann nichts passieren". Ort des Rückzugs und der Regeneration. Wohnung, Haus, Zuhause. Zugang zum eigenen Inneren. Psychologie. Vorfahren, Ahnen, Ahnenforschung. Naturverbundenheit. Wälder und Höhlen. Vergrabene Schätze. Bodenschätze, Edelsteine. Verborgene Vorgänge.

Man kann nicht immer nur aktiv sein. Nach der großen Unruhe und nach außen gerichteten Aktivität, die im dritten Haus vorherrscht, bietet die dem vierten Haus zugeordnete Phase der materiellen Dynamik die Gelegenheit, sich im Auf und Ab des Lebens auf seine inneren Ziele zu besinnen. Im eigenen Zuhause, im Privatleben und in den geistigen und seelischen Bewegungen im eigenen Inneren findet man den inneren Frieden, den man braucht, um sich nicht in der Hektik des Handelns in der äußeren Welt zu verlieren. Die Mutter verkörpert dieses Gefühl des Zuhause-Seins. Unter den Planeten ist naturgemäß Chandra, der Mond, der das Denken und Fühlen, das Fließen des eigenen Bewusstseins sowie, in seinem Zu- und Abnehmen, den Zyklus von Ruhe und Aktivität repräsentiert, der Organisator (Karaka) des vierten Hauses.

5. Haus - Wissen ist Macht

In dieser Phase der Entwicklung erwacht die Erinnerung an Fähigkeiten, die man sich in früheren Leben durch positives, evolutionäres Handeln erworben hat. Die Nutzung dieser Fähigkeiten führt einen weit über die Begrenzungen dessen hinaus, was man in diesem Leben durch Eltern, Erziehung (4. Haus) usw. an Möglichkeiten zur Verfügung gestellt bekam.

Angelegenheiten des 5. Hauses: Kinder, Freude an oder Probleme mit der eigenen Nachkommenschaft. Kreativität, Macht, Einfluss. Erfolgreiche akademische Karriere, spirituelles Wissen, Siddhis oder höhere geistige Kräfte. Wissen, das organisierende Kraft besitzt. Gottes Segen, Punyam - gutes Karma aus der Vergangenheit, Unterstützung durch die kosmischen Naturgesetze (Devas). Brillianz, Genie, hohe Intelligenz. Außerordentliche Talente (Genie) durch Einfließen der Erfahrungen aus früheren Leben. Glück bei Spekulationen, Investitionen und im Spiel. Intuition. Untrügbarer Sinn für Wahrheit und Realität.

Der im vierten Haus erlangte innere Frieden, die Besinnung auf sich selbst, hat die Grundlage geschaffen für die im fünften Haus sich entfaltenden Qualitäten von höherem Wissen und Kreativität. Ein starkes und positiv besetztes fünftes Haus stellt ein subtiles Potential für sehr großen Einfluss und Erfolg im Leben dar. Die eigenen Kinder, die eine Manifestation des in den Genen vorhandenen Wissens darstellen, sind ebenfalls dem fünften Haus zugeordnet. Die guten oder weniger guten Vorraussetzungen für eine Entfaltung der Möglichkeiten dieses Hauses lassen sich aus der Stellung von Guru, des Planeten Jupiter, ableiten, denn er ist der Karaka, der Organisator des fünften Hauses und Signifikator für höheres Wissen..

6. Haus - Widrigkeiten überwinden

Nachdem die Phase der Ausbildung abgeschlossen ist, betritt man das "Schlachtfeld des Lebens", um sich dort zu bewähren, die eigenen Fähigkeiten zu erproben und sich weiter zu entwickeln. Dies ist ein wichtiger Bestandteil des "Trainingsprogramms Leben".

Angelegenheiten des 6. Hauses: Feinde, Auseinandersetzung, Streit, Krieg, Ärger, Prozesse vor Gericht, Widrigkeiten, Hindernisse, Probleme, Schwierigkeiten, Stress. Das Immunsystem in Aktion, weiße Blutkörperchen, Allergien, Krankheiten, Entzündungen, Fieber. Konflikte, Kämpfe, Aggressionen. Gereiztheit. Feindbild. Wut, Zorn, Hass. Kuren, medizinische Behandlungen, Psychotherapie, Ayurveda und ganz allgemein Aktivitäten, welche den eigenen Zustand verbessern sollen, um künftige Probleme zu vermeiden. Vorbeugung. Das Yoga-Prinzip "heyam dukham anagatam" - "Wende die Gefahr ab, die noch nicht herbeigekommen ist". Anstrengendes Training, um fit zu sein. Krisensitzungen. Niedere Arbeiten. Diener und Untergebene. Haustiere.

Wenn man - in der Entfaltung der Dynamik des fünften Hauses - kreativ und erfolgreich zu sein und an Einfluss in der Welt zu gewinnen beginnt, treten alsbald die Neider auf den Plan. Das sechste Haus zeigt die Feinde an, die Probleme, Widrigkeiten, Prüfungen und Streit, denen sich jeder Mensch stellen muss, wenn er seine Ziele im Leben konkret verwirklichen will. Mangal, der kriegerische Planet Mars, ist der Karaka oder Organisator dieses Hauses und seine Stellung im Horoskop zeigt an, welcher Art die Konflikte sind, die einem vorzugsweise begegnen. Das sechste Haus ist ein Dushthana, ein problematisches Haus, aber auch ein sogenanntes verbesserndes Haus: die Auseinandersetzung mit den Feinden ist oft ein großer Ansporn, die eigenen Fähigkeiten zu vervollkommnen und über sich hinaus zu wachsen.

7. Haus - Austausch und Ergänzung

Wenn man mit Feinden konfrontiert wird (6. Haus), muss man Verbündete suchen, die einen unterstützen und einen mit dem versorgen, was man aufgrund der Einseitigkeit des eigenen Grundimpulses (gegenüberliegendes 1. Haus) nicht einbringen kann. Der Wunsch nach Ergänzung, um ganz zu werden, prägt die dem 7. Haus entsprechende Phase der Entwicklung.

Angelegenheiten des 7. Hauses: Ehe, Ehepartner, Geschäftspartner, Gesprächspartner. Begegnung, Austausch, Liebe, Harmonie, Ergänzung. Verlangen, Begierde, Wunsch, Sehnsucht, Erotik, Anziehung. Abhängigkeit, Verbindung, Bindung. Partnerschaft, Vertrag, Geben und Nehmen, Ausgleich, Gerechtigkeit. Reaktion der Welt auf die eigenen Handlungen, Antwort, zurückkehrendes Karma. Erfahrungen, Erlebnisse, Ereignisse allgemein. Die Welt der Objekte insgesamt. Wahrnehmung, insbesondere Sinneswahrnehmung. Die Haut. Tastsinn. Reisen, bei denen man andere Länder und Menschen kennenlernt. Tourismus. Begegnungsstätten. Actio = reactio, das Gesetz des Lebens.

Das siebte Haus kennzeichnet einen Wendepunkt im Zyklus der Dynamik des Lebens von der Geburt bis zum Tod, wie er von den zwölf Häusern im Jyotish-Horoskop repräsentiert wird. Im siebten Haus begegnet man den Folgen dessen, was man getan hat und unterlassen hat. Der Partner oder Ehepartner verkörpert für den Ich-Impuls des ersten Hauses die ganze Welt, das große Du, das empfängt, was man der eigenen Natur entsprechend zu geben hat und einem das gibt, was man benötigt, weil man es selbst nicht hat. Hier begegnet man den Folgen der eigenen Handlungen, für die man dem Gesetz des Lebens zufolge sehr empfänglich ist - gerade weil man in diesem Lebensbereich Ergänzung in Harmonie und Lust erwartet, ist man sehr offen für positive und negative Echos von dem, was man dereinst selbst in die Welt gesetzt hat. Shukra, Venus, der Planet der Sensibilität und Empfänglichkeit ist der Karaka (Organisator) dieses Hauses. Die vedische Astrologie beschreibt das siebte Haus als ein Todeshaus, ein Feld sehr dynamischer und nicht ungefährlicher Prozesse.

8. Haus - Opfer bringen, um zu überleben

"Alles was geboren ist, muss sterben. Alles, was stirbt, muss wieder geboren werden" - dies ist das Gesetz des Lebens. Der begrenzte individuelle Impuls (1. Haus), der in der Welt lebt (7. Haus) wird in der dem 8. Haus entsprechenden Phase seiner Entwicklung mit dem unlösbarsten aller Probleme konfrontiert: dem Problem des Überlebens in einer Welt der Vergänglichkeit.

Angelegenheiten des 8. Hauses: Lebensenergie, Überleben, Überdauern, Überlebenskampf, lange existieren. Tod und Unsterblichkeit. Opfer, Yagya. Forderung, Überforderung, Ausnahmezustand, Dauerstress. Loch, Katastrophe, drohende Vernichtung. Festung, Bunker, das Schlachtfeld des Lebens, Friedhof. Verlust. Ausscheidung und Ausscheidungsorgane. Sexualität und sexuelle Enthaltsamkeit. Askese, Disziplin, Entsagung, Verzicht, Härte, Yoga, Hatha-Yoga. Die völlige Ruhigstellung des Körpers im Samadhi. Verborgenes, schwer zu erlangendes Wissen um die Grundlagen der materiellen Existenz wie Atomphysik, Genetik, Astrologie, Veda usw. Erbschaften und Versicherungen. Operationen, schwere Unfälle. Atomenergie, Atomwaffen. Panzer. Rüstungen. Schützengraben. Die Walküre. Raben, Geier, Hyänen, Schakale. Äußerste Konsequenz. Durchhalten. Tapas - die durch Askese angestaute Energie der Yogis. Gift und Medizin. Chirurgie.

Dadurch, dass die Individualität sich im siebten Haus für das geöffnet hat, was sie selbst nicht ist, gerät sie in große Gefahr. Was wird bleiben, nachdem der Ich-Impuls (1. Haus) mit den positiven und den negativen Folgen seiner Einseitigkeit (7. Haus) konfrontiert wurde? Im achten Haus wird die Individualität mit ihrer Sterblichkeit konfrontiert und sieht sich mit der extremen Herausforderung konfrontiert, in einer Welt der Vergänglichkeit ihr Überleben zu organisieren. Shani, der Planet Saturn, der strengste aller Lehrmeister, ist der Organisator (Karaka) dieses Hauses. Das achte Haus ist das härteste und bedrohlichste der drei Problem-Häuser (Dushthanas) im Horoskop, aber es ist dennoch ein Haus des Lebens, nicht des Todes. Alle Planeten, die in ihm stehen oder mit ihm verbunden sind, entfalten eine destruktive Wirkung in Bezug auf ein Bewusstsein, das auf Annehmlichkeiten und mühelosen Erfolg im Leben ausgerichtet ist, eröffnen aber mitunter sehr positive Perspektiven für schwer zu erlangendes Wissen, substantielle innere Erfahrungen (Yoga) und spirituelle Entwicklung.

9. Haus - Den Sinn des Ganzen verstehen und leben

Im 8. Haus musste die Individualität die schwere Lektion lernen, dass sie ihre eigene Begrenztheit transzendieren muss, um als Bewusst-Sein zu überleben und unsterblich zu sein. Das Ergebnis der bestandenen Prüfung wird nun im 9. Haus als die unermessliche Freude erfahren, in der man lebt, wenn man sich der höheren Wirklichkeit öffnet und sich ihr hingibt.

Angelegenheiten, die das 9. Haus beinhaltet: Glück im Leben, allgemeine Lebensfreude, Sinngefühl, Unterstützung durch höhere Kräfte auf allen Ebenen. Religion, Weltanschauung, Prinzipien, Werte, Philosophie, Spiritualität. Meditation, Yoga, Gebet. Der Guru oder spirituelle Meister und die Beziehung zu ihm. Sat-Chit-Ananda - unveränderliches Seligkeitsbewusstsein, Erleuchtung, Samadhi, reines Bewusstsein, Transzendenz, Turiya, die Devas und der höchste Gott. Die Einheit und Ganzheit des Lebens. Der Kosmos. Der Sinn des Lebens. Erfolg und gutes Gelingen in allem, was man tut. Gnade und Segen Gottes und des spirituellen Meisters. Der Vater. Ältere und Respektspersonen.

Nachdem im Zyklus der Dynamik des Lebens im achten Haus die schlimmste Krise gemeistert und die schwerste Prüfung bestanden wurde, eröffnen sich der geläuterten Individualität im neunten Haus nun jenseits einer beschränkten Ich-Perspektive ganz neue Möglichkeiten von Freude und Erfolg im Leben. Mit dem neunten Haus verbundene Planeten bringen die Ich-Aktivität des Geborenen in Einklang mit der kosmischen Kraft der Evolution, mit dem Willen Gottes, so dass er umgekehrt die Unterstützung der im Universum wirkenden höheren Kräfte für seine persönlichen Bestrebungen erhält. Der spirituelle Meister, der Guru sowie das Wissen und die Erfahrung höherer Zustände des Bewusstseins, die er vermittelt und die innere Führung durch die höchste Wirklichkeit sind Hauptthemen des segensreichsten aller zwölf Häuser. Auch der eigene Vater und die Beziehung zu ihm ist aus dem neunten Haus ersichtlich. Guru, der Planet Jupiter, ist natürlicherweise der Organisator (Karaka) des neunten Hauses.

10. Haus - Der Welt das Ergebnis präsentieren

Ein Mensch ist zum Herrschen berufen, wenn er sich in seiner persönlichen Entwicklung über die Begrenzungen seiner Individualität erhoben hat (8. Haus) und sein Bewusstsein in Einklang mit der allmächtigen, allwissenden kosmischen Intelligenz gebracht hat (9. Haus), die das Universum von Beginn an regiert - dies ist das vedische Ideal des erleuchteten Herrschers, das in der Geschichte in Perfektion von König Rama verkörpert wurde. Dies ist das Grundprinzip der vedischen Verwaltung auf allen Ebenen, d.h. es gilt für die Verwaltung einer Galaxie, eines Sonnensystems, eines Planeten, eines Staates, einer Provinz, einer Stadt, einer Firma usw. Das 10. Haus repräsentiert das Prinzip kosmischen Handelns auf der Grundlage von persönlicher Erfüllung.

Angelegenheiten des 10. Hauses: Wirken in Öffentlichkeit und Beruf. Der Mensch als Repräsentant von etwas Größerem. Berufserfolg, Karriere, gesellschaftliche Stellung. Pflicht, pflichtgemäßes Handeln, Dharma. Staat, Öffentlichkeit, für alle verbindliche Gesetze. Das Kollektivbewusstsein und die eigene Beziehung zu ihm. Chefs, Machthaber. Leute, die das Sagen haben, deren Stimme, Ansichten und Anweisungen von vielen gehört werden (Karaka Buddha!). Journalisten. Medien. Mikrophone, Radio, Fernsehen, Zeitungen. Öffentliche Verlautbarungen. Reden. Politiker. Schriftsteller, Regisseure. Prominente, berühmte und erfolgreiche Persönlichkeiten. Schauspieler und Sänger. Öffentliche Auftritte. Versammlungen. Das Parlament (von franz. parler = sprechen). Wallfahrten an heilige Stätten. Megaphone. Demonstrationen, Aufmärsche, Paraden. Öffentliche Auftritte, Sehen und gesehen werden. Deklarationen. Massenveranstaltungen. Ruhm und Ruf eines Menschen. Die Macht des Wortes und der Sprache, durch die Wirklichkeit interpretiert, geordnet und beherrscht wird. Werbung, Propaganda. Der Zustand der Welt insgesamt im Wechsel der Zeitalter.

Indem der Geborene sich im neunten Haus in Einklang mit den höheren geistigen Kräften gebracht hat, die für die Evolution des gesamten Universums zuständig sind, kann er nun erfolgreich Verantwortung in der Gesellschaft übernehmen und seine Rolle im göttlichen Plan spielen. Das zehnte Haus ist das Haus des Berufs, der Öffentlichkeit und vor allem auch des Ruhms und des Rufes, dessen man sich in der Welt erfreut. Buddha, der Planet Merkur, der Organisation und Sprache repräsentiert und festlegt, wer das Sagen hat, ist der Karaka oder Organisator dieses Hauses. Jeder Planet, der im zehnten Haus steht, erlangt große Macht. Das zehnte Haus ist auch ein verbesserndes Haus (Upachaya), denn indem man als Repräsentativ-Person handelt, muss man Vorbild sein und seine besten Eigenschaften kultivieren.

11. Haus - Gemeinsam die Früchte genießen

Wenn man darin gegründet ist, im Einklang mit den Naturgesetzen (Dharma) zu handeln und seine Pflicht im Leben erfüllt (10. Haus), erfährt man umgekehrt auch die Unterstützung der mächtigen Naturgesetze und die Erfüllung der eigenen Wünsche wird dadurch gefördert. Man ist von Nutzen für andere und andere sind von Nutzen für einen selbst. Das 11. Haus ist das Haus des sozialen Handelns in gegenseitiger Förderung.

Angelegenheiten und Themen des 11. Hauses: Freunde, Gönner, Förderer, Mäzene, Sponsoren. Regelmäßiges Einkommen durch die berufliche Tätigkeit. Wunscherfüllung, insbesondere auf der materiellen Ebene. Ältere Geschwister. Vorteile, die man durch Mitgliedschaft in Gruppen, Vereinen, Parteien, Freundeskreisen, Interessengemeinschaften usw. genießt. Soziales Engagement.

Durch die im zehnten Haus ausgeübte Berufstätigkeit und den Ruf, den man sich erwirbt, erlangt man im Zusammenhang mit dem elften Haus ein Einkommen und erfährt Förderung durch Freunde sowie durch Menschen und Organisationen, die gleiche Ziele wie man selbst haben. Das elfte Haus ist das Haus der Erfüllung der eigenen Wünsche. Es ist Guru, der Planet Jupiter, der als Karaka (Organisator) des elften Hauses einem Menschen die Förderung zukommen lässt, die er sich in der Vergangenheit dadurch verdient hat, dass er für andere Menschen etwas tat.

12. Zeit, zu gehen - Vergänglichkeit und Tod

Wenn der individuelle Aktivitätsimpuls kosmisch geworden ist (10. Haus) und alle persönlichen Wünsche erfüllt wurden (11. Haus), ist der Zweck dieses Lebens als Mensch erfüllt und es ist Zeit, zu gehen. Aus der vedischen Sicht der Dinge - d.h. aus einer klaren, unverfälschten, realistischen Sichtweise - ist es so, dass niemand der Körper ist, sondern der Körper als Instrument dient, um bestimmte Erfahrungen zu machen, die für den "Bewohner des Körpers", das persönliche Bewusstsein, auf seinem Entwicklungsweg zur Vollendung und Erfüllung, hilfreich sind. Was immer geboren wird (1. Haus), muss auch sterben (12. Haus), und was immer stirbt (12. Haus), ersteht neu (1. Haus) - dies ist das Gesetz des Lebens und es gibt keinen Grund, darüber zu jammern. Was in einer isolierten Sichtweise, die nur den Körper sieht, wie Niederlage, Scheitern und Verlust aussieht, ist aus ganzheitlicher Perspektive nur das natürliche Ende eines Aktivitätszyklus, das Raum schafft für einen neuen Zyklus auf höherer Ebene, der auf den Errungenschaften des nun abgeschlossenen Zyklus aufbauen wird.

Angelegenheiten des 12. Hauses: Schulden, Verluste, Fehlinvestitionen, Pleiten, Pech. Enttäuschte Erwartungen, Niederlagen, Fehlschläge, Flops. Samen, der sich in dürrem Boden nicht entfaltet. Unfruchtbarkeit, Vergeblichkeit. Zugrundegehen, verderben, vergammeln, verfallen, verfaulen, sich auflösen. Vor sich hin vegetieren, Tatenlosigkeit, Passivität, Dumpfheit, Schlaf, Tamas, Traum. Isolation, Fremde, Eingesperrtsein, Blockaden, Mauern, Verstecke, Klöster, Gefängnisse, Einsiedeleien, Höhlen, Exil, Verbannung, Asyl, Krankenhaus, geschlossene Anstalt, Zelle, Fessel. Lähmung, Stagnation. Abschied. Meditation. Samadhi. Einheitsbewusstsein. Vedanta. Rückkehr zur Ganzheit. Buße. Sterbevorgang. Verschollene, verschwundene, vergessene Personen oder Dinge. Weite Ferne. Die Fremde. Exil. Verbannung. Unbekanntes und Unerforschtes. Die ungewisse Zukunft. Geheime Sinnesfreuden, Erotik, Sex.

Durch die Wunscherfüllung, die ein Mensch im elften Haus erfährt, erschöpft sich sein Schatz von angesammeltem gutem Karma. Im zwölften Haus wird die Schuld des Lebens zurückbezahlt. Hier schließt sich der Kreis der weltlichen Existenz. Der im ersten Haus ins Leben getretene individuelle Aktivitäts-Impuls tut am Ende des Zyklus gleichsam Buße für die Einseitigkeit, die das Kennzeichen jeder Ego-Struktur ist. Das zwölfte Haus ist das Haus des Aufgebens, des Verlierens, der Vergeblichkeit, des Endes, der Einsamkeit und Isolation. Es ist ein Dushthana, ein Problemhaus - denn es vermittelt Erfahrungen, die von einem weltlichen Standpunkt aus destruktiv und belastend sind, bietet aber große Chancen für Spiritualität und die Rückkehr der Seele zu Gott. Naturgemäß ist Shani, der Planet des Nein, der Strenge und des Verzichts, der Karaka oder Organisator des zwölften Hauses.