Die Hymnen des Veda

Die vier Veden

Der ursprüngliche Veda liegt heute in vier Teilen, d.h. in vier Gruppen von Hymnen vor:

- Rig-Veda

- Sama-Veda

- Yajur-Veda

- Atharva-Veda

Diese Unterteilung wurde für unser Zeitalter von dem berühmten Weisen Veda Vyasa vorgenommen, der auch unter den Namen Krishna Dvaipayana und Badarayana bekannt ist.

Die "Verfasser" der vedischen Hymnen sind die Rishis, d.h. die "Seher" des Veda. Diese Rishis nahmen im Zustand des Einheitsbewusstseins die Grundstruktur der Wirklichkeit, die Impulse der kosmischen Intelligenz, die das Universum konstituieren und verwalten, als Impulse ihres eigenen Bewusstseins wahr und verliehen dieser Realität in Form der Hymnen des Veda Ausdruck.

Das Wissen ist im Klang enthalten

Veda bedeutet Wissen, vollständiges Wissen. Das Wissen des Veda ist hierbei in der Klangstruktur der vedischen Hymnen enthalten - nicht etwa in der Bedeutung, die in irgend einer Übersetzung zum Ausdruck kommen könnte! Die Grundimpulse der Schöpfung sind von den Rishis überaus präzise in der Klangstruktur der vedischen Hymnen ausgedrückt worden.

Der Rig-Veda beinhaltet die in Klangstrukturen - in Sequenzen von Buchstaben und Silben und den Pausen zwischen ihnen - umgesetzten Formeln, die das Universum aufbauen, in ihrer reinsten Form.

Nur in demjenigen, der in reinem Bewusstsein, im Selbst, gegründet ist, während er eine vedische Hymne hört, entfaltet sich die Realität der Hymne in voller Klarheit. Wer reines Bewusstsein nicht hat, hört die vedischen Hymnen nur als seltsamen Singsang. So schützt sich das höchste Wissen selbst. Es gibt eine Stelle im Rig-Veda an, wo es heisst:

Richo akshare parame vyoman

Dies bedeutet: Die Hymnen der Veden (Richas) haben ihren Wohnsitz im transzendentalen Bereich reinen Bewusstseins (Akshara), im Selbst. Reines Bewusstsein ist die Heimstätte allen Wissens, das vereinheitlichte Feld aller Naturgesetze, das Licht Gottes, der Wohnsitz des Veda. In der Fortsetzung dieses Verses wird gesagt:

"Wer reines Bewusstsein nicht hat, was können die Veden für ihn tun? Wer reines Bewusstsein hat, den sucht der Veda von sich aus auf."

Maharishi Mahesh Yogi bezeichnet den Rig-Veda als "die Konstitution des Universums". Aus dem Veda entsteht die Schöpfung. Die Ordnung des Universums, die evolutionäre Richtung allen Lebens (Dharma), wird durch den Veda aufrechterhalten. Im Veda sind alle Naturgesetze in ihrem ganzheitlichen Wert - Samhita - enthalten. Das höchste Wissen und die ihm innewohnende unendliche organisierende Kraft ist perfekt geschützt: nur wer reines Bewusstsein hat, erlangt Zugang zu diesem Wissen und wer reines Bewusstsein hat, ist notwendigerweise im Einklang mit dem Naturgesetz. Nur der Veda erkennt den Veda, nur das Selbst erkennt sich selbst.

Das Wissen, das ein begrenztes Bewußtsein haben kann, ist begrenzt und auch die Möglichkeiten der Entfaltung dieses Wissens ("Wissen ist Macht") ist in Raum und Zeit begrenzt. Wer die Begrenzungen teilt, mag von solch einem beschränkten Wissen und den Möglichkeiten, die es eröffnet, eine Weile fasziniert sein, aber im Vergleich mit der Fülle des Wissens - Veda - und seiner organisierenden Kraft ist es bloße Beschränktheit, Unwissenheit: ein Nichts.

Der Veda ist nicht in Indien oder an einem bestimmten Ort zuhause sondern er ist eine kosmische Realität, aus der alle Formen, Wesen, Zeiten und Orte des Universums hervorgehen. Der Veda ist auch nicht einige tausend Jahre alt, sondern älter als das Universum selbst. Der Veda ist derjenige Aspekt des ewigen Kontinuums der absoluten Wirklichkeit, der als organisierende Kraft die Vielfalt des Kosmos hervorbringt und die Evolution allen Lebens - vom Grashalm bis zum Gott - überall und jederzeit aufrechterhält.

Die auf der Erde manifestierte Form des Veda in Form der auf die Rishis zurückgehenden vedischen Hymnen wurde Generation für Generation in der vedischen Tradition der Meister in voller Lebendigkeit bewahrt und in den vergangenen Jahrtausenden innerhalb der Brahmanen-Familien Indiens getreulich weitergegeben - in einer akribisch genauen mündlichen Überlieferung.

Der ungeheure Wert der vedischen Tradition der Meister für die Menschheit besteht darin, dass sie seit dem Anfang des Universums in ununterbrochener Folge Generation für Generation erleuchtete Persönlichkeiten hervorgebracht hat, die das vedische Wissen in der Fülle ihres eigenen Bewusstseins gelebt haben.

So, wie ein Baum solange lebendig bleibt, wie er mit seinen Wurzeln das Wasser aus den verborgenen Tiefen der Erde zu ziehen vermag, so existiert die Menschheit weiter, solange es Persönlichkeiten auf der Erde gibt, die über ihr erleuchtetes Bewusstsein der gesamten Menschheit einen lebendigen Zugang zum Veda vermitteln.