Die Phasen der Planeten

Das Geburtshoroskop ist auf einen bestimmten Zeitpunkt fixiert: den Moment der Geburt des Horoskopeigners. Es zeigt gleichsam die Struktur des Samens eines Baumes, in dem in konzentrierter Form alles enthalten ist, was sich als Wachstum und Leben des Baumes entfalten wird.

Jyotish enthält aber auch Methoden, um aufzuzeigen, in welchem zeitlichen Verlauf die Entfaltung der im Geburtshoroskop enthaltenen Strukturen sich vollzieht und was die Entwicklungen und Ereignisse im Verlauf des Lebens sind, die sich daraus ergeben. Die wichtigsten zwei dieser Methoden sind:

- Das Dasha-System

- Die Transite

Die Dashas

Dasha bedeutet Phase. Jedem der 9 Planeten wird ein Zeitraum im Leben zugewiesen, in dem er voll aktiviert ist und das Geschehen bestimmt. Alles, was dieser Planet im Geburtshoroskop anzeigt, wird sich in seiner Phase entfalten.

Dem gesamten Leben eines Menschen wird ein Zeitraum von 120 Jahren zugewiesen. Dieses System heißt deshalb "Vimshottari-Dasha-System", d.h. "120-Jahre-Dasha-System". In diesem System folgen unterschiedlich lange Phasen der Planeten innerhalb der 120 Jahre einander in einer festgelegten Reihenfolge:

Planet Graha
Jahre
Drachenschwanz Ketu
7
Venus Shukra
20
Sonne Surya
6
Mond Chandra
10
Mars Mangal
7
Drachenkopf Rahu
18
Jupiter Guru
16
Saturn Shani
19
Merkur Buddha
17

Tabelle: Die Mahadashas der Planeten

Auf 7 Jahre Ketu folgen also stets 20 Jahre Venus, danach 6 Jahre Sonne, dann 10 Jahre Mond usw. Die Phase welches Planeten bei Geburt wirksam ist, ist allerdings individuell verschieden und hängt davon ab, in welchem der 27 Mondhäuser oder Nakshatras der Mond sich im Moment der Geburt befindet.

Jedes der 27 Mondhäuser ist 13°20' groß. Von 0° bis 13°20' Widder erstreckt sich das Mondhaus Ashvini, ein Ketu-Mondhaus, danach das Mondhaus Bharani , ein Venus-Mondhaus, von 13°20' - 26°40' Widder, danach das Mondhaus Krittika, ein Surya-Mondhaus, von 26°40' Widder bis 10°00' Stier usw. - d.h. die Mondhäuser der Planeten folgen einander entsprechend der in der obigen Tabelle aufgeführten Reihenfolge. Bei 0° Löwe beginnt wieder ein Ketu-Mondhaus, ebenso bei 0° Schütze, d.h. es gibt 3 Sets der Mondhäuser der 9 Planeten im 360°-Kreis.

Steht nun z.B. bei Geburt der Mond in einem Mars-Mondhaus, dann beginnt das Leben mit der Mars-Hauptphase oder Mahadasha (maha bedeutet groß), gefolgt von 18 Jahren Rahu-Mahadasha, danach 16 Jahre Guru-Mahadasha usw.

Wie viel von dem Gesamt-Zeitraum von 7 Jahren der Anfangs-Mahadasha des Mars noch abläuft, bevor danach 18 Jahre Rahu-Mahadasha folgen, hängt davon ab, wie weit der Mond bei Geburt bereits im Mondhaus des Mars fortgeschritten ist. Steht z.B. der Mond ganz am Anfang des Mars-Mondhauses, dann beginnt das Leben mit vollen 7 Jahren Mars-Mahadasha. Steht er in der Mitte des Mondhauses, so beginnt das Leben mit 1/2 von 7 = 3.5 Jahren Mars-Mahadasha, gefolgt von 18 Jahren Rahu-Mahadasha. Hat der Mond bei Geburt das Mars-Mondhaus schon fast vollständig durchlaufen und steht fast ganz am Ende des Mondhauses, dann beginnt das Leben mit einer ganz kurzen Mars-Phase, gefolgt von 18 Jahren Rahu-Mahadasha, danach 16 Jahre Guru-Phase usw.

Dasha-Wechsel

Ein Mahadasha-Phasenwechsel ist meist ein einschneidendes Ereignis im Leben - das ist, wie wenn in einer Firma der oberste Chef wechselt. Diese Veränderung ist nicht immer sofort spürbar, aber nach einer Weile wird deutlich, dass ein neues Hauptprinzip das Leben bestimmt. Oft kommt es in der Anfangsphase einer neuen Mahadasha zu Irritationen, weil die alten Prinzipien des Denkens und Handelns nicht mehr funktionieren und noch nicht klar ist, was die neuen Prinzipien sind und welche Richtung das Leben nehmen wird. Da ist dann eine Jyotish-Beratung besonders hilfreich.

Unterphasen

Innerhalb jeder Mahadasha gibt es Unterphasen aller 9 Planeten, die Antardashas oder Bhuktis genannt werden. Die erste Antardasha ist immer die des Mahadasha-Planeten. Die Venus-Mahadasha beginnt z.B. mit der Venus-Antardasha, geht weiter mit der Sonnen-Antardasha, dann Mond-Antardasha usw. - die Planeten in den Antardashas folgen einander also in derselben Sequenz wie die Mahadashas.

Die Dauer einer Antardasha entspricht dem Anteil von 120 Jahren der Dauer der Planetenphase in der Dasha, nur diesmal auf die Dauer der Mahadasha statt auf 120 Jahre bezogen. Das hört sich kompliziert an, aber ein Beispiel klärt das recht einfache Prinzip:

Beispiel Venus Mahadasha. Wie lange dauert die Unterphase der Venus in der Venus-Mahadasha? Die Venus Mahadasha dauert 20 von den insgesamt 120 Jahren, das ist 1/6 von 120. Die Venus-Antardasha dauert nun entsprechend 1/6 von den 20 Jahren der Venus-Mahadasha, das sind 3 Jahre und vier Monate. Und wie lange dauert die folgende Sonnen-Antardasha in der Venus-Mahadasha? Die Sonnendasha dauert 6 von 120 Jahren, das ist 1/20. Die Sonnen-Antardasha in der Venus-Mahadasha dauert entsprechend 1/20 der Gesamtdauer von 20 Jahren der Venus-Mahadasha, das ist genau 1 Jahr. Wie der Anteil der Mahadasha an der Dauer von 120 Jahren, so der Anteil der Antardasha an der Dauer der Mahadasha.

Auch die Antardashas haben wieder alle 9 Planeten als Unterphasen. Diese Unter-Unter-Phasen heißen Pratyantardashas oder Anthras. Berechnung und Abfolge erfolgt nach demselben Prinzip wie oben für die Antardashas beschrieben.

Prinzipiell könnte man dieses Prinzip bis hinunter in winzigste Unterteilungen fortsetzen. In der Praxis verwenden die guten Astrologen aber nur die Antardashas und höchstens noch die Pratyantardashas. Schon die Auswirkungen des Zusammenwirkens von zwei Planeten, in Haupt- und Unterphase, in der Gesamtheit des Horoskops richtig einzuschätzen, erfordert großes Können, bei drei Planeten in drei Phasen wird es schon extrem schwierig. Nur Anfänger oder Bluffer erliegen der Versuchung, eine enorme professionelle Präzision vorzugaukeln, indem sie Planetenphasen bis in die 7. Unterphase hinein auflisten und detailliert erklären, wie sich das auf das Leben des Horoskopeigners auswirkt.

Für die Bewertung kleinerer Zeitfenster als die der Antar- oder Pratyantar-Dashas werden die Transite (Gochara) verwendet.

Der Planet der lange dauernden Dasha-Phase ist der "Big Boss", der in diesem Zeitraum das Sagen hat und die "Firmen-Philosophie" bestimmt, d.h. mit Autorität die generellen Anweisungen dafür gibt, was in der Zeit seiner Herrschaft zu geschehen hat.

Der Planet der jeweiligen Antardasha-Phase ist damit beauftragt, diese Anweisungen umzusetzen. Dabei wird dann wichtig, in welchen Häusern der Dasha- und der Antardasha-Planet als Bewohner, Herr, Karaka oder Aspektator zusammenwirken - um die Themen dieser Häuser geht es dann vornehmlich in ihrer gemeinsamen Phase. Und es ist von großer Bedeutung, ob der Dasha- und der Antardasha Planet beste Freunde, Freunde, Feinde, ärgste Feinde für einander sind oder sich neutral zueinander verhalten - "kosmische Politik" - dies prägt die Dynamik ihres Zusammenwirkens.

Transite - Gochara

Transit heißt im Sanskrit Gochara - das wird Gohtschaara gesprochen (ch wie im englischen Charles) - das heißt es werden die Planetenstände für einen bestimmten Zeitpunkt berechnet und geschlussfolgert, wie dieser aktuelle Stand der Planeten sich auf das Geburtshoroskop auswirkt. Für das Basis-Horoskop, auf das die Transite bezogen werden, wird das Chandra-Chart des Geborenen benutzt, d.h. das Tierkreiszeichen des Mondes wird als Aszendent oder erstes Haus verwendet.

Steht zum Beispiel der Mond des Geborenen im Zeichen Fische so gilt Fische als 1. Haus, Widder als 2. usw. Wenn nun z.B. Mars sich im Transit durch das Zeichen Jungfrau bewegt, welches in das dem Mond gegenüberliegende 7. Haus fällt, so ist z.B. kleinlicher (Jungfrau) Streit (Mars) mit dem Ehepartner (7. Haus) in dieser Zeit zu erwarten.

Einige Astrologen wenden die Transite auch auf das Rashi- statt nur auf das Chandra-Chart an, d.h. sie beziehen die Transite auch auf den Aszendenten. Ich habe mich entschieden, hier traditionell zu sein und das nicht zu tun.

Besonders bedeutungsvoll sind die Transite der langsamer sich bewegenden Planeten wie Jupiter (1 Jahr in 1 Zeichen), Saturn (2.5 Jahre in 1 Zeichen) oder auch die der recht langsamen Mondknoten Rahu und Ketu, denn sie prägen das Leben für längere Zeit auf bestimmte Weise.

Zusammenwirken von Dasha und Transiten

Des weiteren sind natürlich die Transite derjenigen Planeten sehr einflussreich, deren Mahadasha oder Antardasha gerade aktiv ist. Wichtig in diesem Zusammenhang ist insbesondere, wo sich ein Planet zum Beginn seiner Dasha, Antardasha usw. im Transit (Chandra-Chart) befindet.

Die in einer Dasha- und Antardasha-Phase aktiven Planeten "versprechen" oder planen, vor allem aufgrund ihrer Stellung im Rashi-Chart, bestimmte Prozesse, Erfahrungen und Ereignisse im Leben. Diese verwirklichen sich dann in dem engeren Zeitraum, wo diese aktiven Planeten in ihrem Transit, ersichtlich im Chandra-Chart, diese Prozesse, Erfahrungen und Ereignisse bestätigen und bekräftigen.

So wirken Dasha und Transite zusammen.