Der Göttliche Plan

Den folgenden Vortrag hielt Maharishi Mahesh Yogi etwa 1960 in Bremen. Er wurde auf Deutsch in einer kleinen Broschüre unter dem Titel "Der Göttliche Plan" veröffentlicht.

Auszüge:

"Das gesamte Weltall ist so ersonnen, dass sich alles weiterentwickeln muss - Engel, Menschen, Tiere, Vögel, Insekten. Dies alles muss weiter auf der Straße der Entwicklung vordringen und muss schließlich die letzte Bestimmung in der Bewusstwerdung Gottes erreichen. Aber wenn der Mensch in negativer Weise, die ihn in Leiden und Elend im Leben führen würde, zu handeln beginnt - dann ist der Göttliche Plan gestört. In seinem reinen Zustand soll der Göttliche Plan jedes Wesen auf eine höhere Stufe heben. Der Göttliche Plan soll jedem helfen, sich zu entfalten. Die Naturgesetze sind so angelegt, dass sie beständig den Gang der Entwicklung vorantreiben ...

Wenn die negativen Einflüsse im Leben übermächtig werden, wird die Menschheit von kollektivem Elend heimgesucht. Erdbeben, Überschwemmungen, Kriege und Katastrophen aller Art entstehen, um die Erzeuger der negativen Einflüsse zu vernichten und dadurch das reibungslose Arbeiten der Naturgesetze wieder in Gang zu bringen. Frieden und Glück kommen im Gottesbewusstsein wieder zum Vorschein. Das Kind Gottes genießt die Gnade des Allmächtigen Vaters. Aber wenn es wieder boshaft wird, wiederholt sich derselbe Kreislauf.

Unsere Zeit ist nicht gleich der, die vergangene Generationen erlebt haben. Heute unterliegen wir einem äußerst feinen Druck der Vernichtung. Heute geht es nicht um Kampf zwischen Religionen, nicht um Kampf zwischen Rassen, nicht um Kampf zwischen verschiedenen Lebensweisen. Heute geht es um den Kampf zwischen Geist und Materie.

Die Materie scheint derartig an Zauber und Blendwerk gewonnen zu haben, dass sie die Gültigkeit der Seele bestreitet. Es ist nun Sache des Göttlichen Planes, die Harmonie zwischen materiellem und geistigem Sein wiederherzustellen, damit wirklicher Fortschritt möglich ist.

Materie und Geist sind die beiden Seiten eines ganzheitlichen, gesunden Lebens - sie sind nicht getrennt. Der negative und der positive Pol eines Magneten machen beide den Magneten aus. Der eine ist unvollständig ohne den anderen. Wenn der positive Pol die Gültigkeit des negativen zu bedrohen und der negative Pol den positiven unwirksam zu machen beginnt, ist der Göttliche Plan darauf bedacht, einen neutralen Punkt zwischen die beiden zu setzen. Der neutrale Punkt, der die Positivität des positiven Pols und die Negativität des negativen Pols aufrechterhält, dient, indem er beide Pole stützt, dazu, einen guten, leistungsfähigen Magneten zu schaffen.

Heute, da der Zauber des materiellen Lebens die Gültigkeit der Seele in den Schatten stellt, muss der Göttliche Plan einen neutralen Punkt zwischen die beiden setzen - einen starken neutralen Punkt, der die Gültigkeit beider aufrechterhalten kann, damit das Leben behauptet und zu Stärke, Kraft und Vollkommenheit entwickelt werden kann.

Was hat sich heute in der Atmosphäre ereignet? Der neutrale Punkt, die Zentralgewalt, die prüfende, beherrschende und steuernde Kraft, ist schwach geworden, so dass der negative Pol die Gelegenheit bekam, den positiven Pol bis zu einem furchterregenden Ausmaße unwirksam zu machen. Die positive Ausrichtung des Lebens, die Freiheit und die selige Geborgenheit im Gottesbewusstsein, ist verloren gegangen, und Furcht und Spannungen haben ihren Platz eingenommen.

Der positive Pol ist die Seele im Inneren des Menschen, die göttliche Natur des inwendigen Menschen. Das geistige Feld des Innenlebens ist der Einflussbereich des positiven Pols. Der negative Pol des Lebens ist das materielle Wesen der äußeren Aspekte des Menschen. Der materielle Aspekt des Lebens ist der negative Pol. Der geistige Aspekt des Lebens ist der positive Pol. Beide zusammen schaffen einen kraftvollen Lebensmagneten.

In der Welt von heute ist der Glanz des materiellen Lebens so groß geworden, dass man unbedingt versuchen muss, einen Weg zu finden, um die materiellen und geistigen Werte des Lebens miteinander in Einklang zu bringen.

Deshalb kommt jetzt dem Göttlichen Plan gemäß die Geistige Erneuerungsbewegung. Es ist so, als ob der Wert des Geistigen geschmälert wird - und nicht nur in den Hintergrund gedrängt, sondern ganz und gar bestritten wird und dass die materiellen Werte den ganzen Vordergrund des Lebens beherrschen. Es ist so, als ob das inwendige Königreich des Himmels aus der Sicht ausgeschaltet worden ist und das Reich der Materie vor dem inwendigen Königreich des Himmels den Vorrang hat. Jetzt ist die Zeit gekommen, dieses Himmelreich wieder hervorzubringen und es auf solche Weise zu tun, dass der Glanz des stofflichen Reiches durch das Licht des inwendigen erhellt werden kann ...

Was meinen wir damit, wenn wir sagen, dass es einen Kampf zwischen Materie und Geist gibt? Wir wollen etwas tiefer in die Sache eindringen. Wir wollen ein Beispiel nehmen: Wir sehen eine Blume, vor uns ist die Schönheit der Blume. Wenn sich der prüfende Betrachter vollständig in dem Erlebnis der Blume verloren hat, wenn das Subjekt vollständig vom Erfahren des Objekts in Anspruch genommen wird, dann ist es so, als hätte das Objekt die ganze Existenz des Subjektes besiegt. Das Subjekt hat die Herrlichkeit seiner eigenen Wesensnatur durch den sie überschattenden Einfluss vom Eindruck des Objektes verloren. Man sieht die Schönheit der Blume; allein die Blume ist da, und die Existenz des Subjektes ist nicht ausfindig zu machen; das Subjekt ist weg, und nur das Objekt bleibt im Bewusstsein.

Dieses ist der Sieg der Materie über den Geist, ihr Sieg über das geistige Innere. Die Materie hat den Erfahrenden in den Hintergrund geworfen, den Geist in den Hintergrund gedrängt. Nur die Materie bleibt, und in dem Gefühl "Ach, diese Blume ist so schön" gelingt es dem Geist nicht, sich zu vergegenwärtigen, dass gleichzeitig damit sein eigenes glückseliges Wesen vernichtet worden ist. Der Erfahrende selbst ist nicht vorhanden, wenn nur die Blume übrig bleibt.

Was ist zu tun? Der Erfahrende sollte sich an der Blume erfreuen, jedoch nicht seine eigene Identität verlieren. Dann genießt man die Schönheit der Blume und das Dasein des Erfahrenden geht trotzdem nicht verloren. Dies ist der Zweck der Geistigen Erneuerungsbewegung. Im heutigen Leben scheint das glückselige Wesen des Geistes in den Hintergrund gedrängt worden zu sein. Der Geist ist natürlich da als der Betrachtende, aber er ist sich seiner eigenen Natur nicht bewusst. Er nimmt nur das Wesen des Objektes wahr. Die freudenreiche Wesensnatur des Geistes befindet sich nicht mehr auf der Bewusstseinsebene. Die Not des materiellen Lebens scheint die Oberhand im allgemeinen Leben von heute gewonnen zu haben. Überall findet man wachsende Spannungen. Deshalb ist eine geistige Erneuerung des modernen Lebens nötig. Dies ist ein dringendes Bedürfnis der Jetztzeit ...

Bei der Ausübung der tiefen Meditation tritt die Seele in Berührung mit dem Glückseligkeitsbewusstsein des Geistes und wird friedvoller, glücklicher, schöpferischer und machtvoller. Dieser Seelenzustand bereichert alle Werte des materiellen Lebens ...

Dies ist alles schon da gewesen; es ist nichts Neues. Es geschieht von Zeit zu Zeit. Es ist sehr wichtig, zu verstehen, dass das gegenwärtige Zeitalter die Zeit des Kampfes der Materie gegen den Geist ist. Jetzt ist es an der Zeit, dass starke Geistigkeit die Oberhand gewinnt, und wenn das Geistige im Leben die Oberhand gewinnt, dann wird das materielle Leben viel kraftvoller und herrlicher; es wird wesentlicher und lebenswerter. Aber ohne dieses innere Wesen des Lebens wird das äußere Leben inhaltslos, genauso wie der Baum dürr und nutzlos wird, wenn er die Verbindung zur Wurzel verliert. Im inneren Menschen liegt der Bereich aller Fülle ...

Die große innere Kraft ist da, und unbewusst trägt sie den Baum des Lebens. Notwendig ist, bewusste Kenntnis von diesen Möglichkeiten zu bekommen. Die Sache selbst ist vorhanden, man muss sie nur kennen. Die Verbindung zwischen dem inneren und dem äußeren Leben ist schon da, nur fehlt sie auf der Bewusstseinsebene. Wenn sie auf der Bewusstseinsebene fehlt, dann tappen wir im Dunklen in Bezug auf unsere eigenen Möglichkeiten, unsere eigene Kraft, unsere eigene Macht und Weisheit, unser eigenes Glück, unseren eigenen Frieden. Wir fühlen uns auf der Bewusstseinsebene allein deshalb unglücklich, weil der bewusste Geist des Ozeans an Glückseligkeit da unten in den tieferen Bewusstseinsschichten nicht gewahr wird.

Man braucht nur die Aufmerksamkeit von außen nach innen zu wenden und sie glücklicher wieder herauskommen zu lassen. Dies tut die Meditation; sie richtet die Aufmerksamkeit vom äußeren Erfahrungsbereich weg und hin zu dem inneren Erfahrungsbereich absoluten Glückes, das das große Reservoir an Frieden, Glück, Kraft, Weisheit, Kreativität und aller Wissenszweige ist."