Himmelswelten

Es folgen ein paar generelle Erläuterungen zu den verschiedenen Himmelswelten - den Welten oberhalb von Bhumi, der Welt der Menschen, bis hin zu Svarga, der Welt der Devas. Hier noch einmal die Grafik zur Weltenstruktur in den Puranas:

Welten der Wunscherfüllung

Je höher die Himmelswelt, umso mehr nimmt das Sattva zu und die Anteile von Rajas oder erst recht Tamas nehmen ab. Die Himmelswelten sind Welten zunehmender Freude, Weite, Klarheit, Reinheit, Schönheit und verfeinerter Sinneswahrnehmung. Die ganze Welt erstrahlt in einem zauberhaften Glanz. Je höher die Himmelswelt, umso leichter lassen sich die Bewusstseinsimpulse ihrer Bewohner in die Realität umsetzen. In Svarga reicht ein zarter Wunschimpuls und das Gewünschte steht in kurzer Zeit vor einem und man kann sich daran erfreuen - kein Vergleich zu den Mühen (Rajas), die man auf sich nehmen muss und den Widrigkeiten (Tamas), denen man begegnet, wenn man auf der Erde seine Wünsche erfüllen will. Die Himmelswelten sind freudevolle Welten der Wunscherfüllung.

Punyam und der Aufstieg in die Himmelswelten

Es ist möglich, sich als Mensch dafür zu qualifizieren, nach dem Tode in einer der Himmelswelten einen verfeinerten Körper anzunehmen und sich dort lange Zeit seines Lebens zu erfreuen. Das ist ja auch das, was die Religionen als Lohn für ein gutes Leben versprechen. Was benötigt wird, um dieses Ziel zu erreichen, ist, eine ausreichende Menge an Punyam anzusammeln. Punyam ist der Sanskrit-Ausdruck für den Schatz an gutem Karma, den man durch gute Taten ansammeln kann. Durch jede gute Tat auf der Erde nimmt Punyam zu. Das Gegenteil von Punyam ist Papam (das erste a ist lang), das ist die Ansammlung von schlechtem Karma, die einen Menschen für längere Aufenthalte in den Unterwelten "qualifiziert".

Je höher die Himmelswelt, die man anstrebt, umso mehr Punyam ist notwendig, um sich für den Aufenthalt in dieser Himmelswelt zu qualifizieren. Die Puranas berichten, dass man beträchtlichen Aufwand betreiben muss, um in Svarga, die Welt der Devas, aufzusteigen. Die vedischen Technologien anzuwenden - zum Beispiel Yagyas oder Yoga-Meditation - ist im Grunde unerlässlich, um das hohe Ziel zu erreichen, in die Welt der Devas aufgenommen zu werden; einfach nur anständig zu leben, reicht da nicht aus.

Urlaubswelten - der Haken an der Sache

Die Erde ist die Arbeitswelt, die Himmelswelten sind Urlaubswelten. Diese Analogie ist äußerst zutreffend - und sie zeigt ein Problem auf:

Man kann sich hunderte oder tausende von Jahren des Lebens in einer Himmelswelt erfreuen, aber in jedem Moment des Aufenthaltes dort wird etwas von dem Punyam verbraucht, das man angesammelt hat. In der Bhagavad Gita sagt Shri Krishna zu Arjuna:

"Die Kenner der drei Veden, die von allen Sünden befreiten Trinker des Unsterblichkeitstrankes (Soma), verehren Mich durch ihre Opfer (Yagyas) und erbitten den Weg zum Himmel (Svarga). Wenn sie die heilige Welt des Götterkönigs Indra erreicht haben, genießen sie in der Himmelswelt die himmlischen Freuden der Götter (Devas). Nachdem sie sich der Weite der Himmelswelt (Svargaloka) erfreut haben und der Schatz der Früchte ihrer guten Handlungen (Punyam) sich erschöpft hat, treten sie erneut in die Welt der Sterblichen ein. Auf diese Weise dem Gesetz der drei Veden (Trayidharma) folgend, nach Sinnenfreuden begehrend, erlangen sie das Fortgehen und das Wiederkommen. Aber diejenigen, die, in ihrem Denken auf nichts anderes ausgerichtet, Mich verehren, diesen immer hingebungsvoll mit Mir Verbundenen gebe ich die Sicherheit des Yoga." - BG 9.20-22

Solange man Geld hat, werden der Hotelmanager und andere Bedienstete am Urlaubsort einen äußerst zuvorkommend behandeln und einem jeden Wunsch von den Augen ablesen, aber wenn das Geld aufgebraucht ist, muss man den schönen Urlaubsort verlassen und wieder "im Schweiße seines Angesichts" durch harte Arbeit Geld verdienen und diszipliniert für den nächsten genussvollen Urlaub sparen.

Die Himmelswelt erlangen zu wollen ist sicherlich ein edles Ziel, aber für jemanden, der die dauerhafte Freude im unveränderlichen Seligkeitsbewusstsein (sat-chit-ananda) des Zustands der Erleuchtung als Ziel hat, ist das unvermeidbare Auf und Ab von Aufenthalten in Himmelswelten und erneutem Leben auf der Erde nicht attraktiv. Auch schwingt selbst während des Aufenthaltes in der Urlaubswelt immer eine gewisse Bitterkeit mit, weil man im Grunde weiß, dass diese wunderbaren Freuden nicht von Dauer sein können.

Um Erleuchtung zu erlangen, muss man eine große Menge an Punyam ansammeln, die man dann als Opfer darbringt bzw. investiert, um Erleuchtung zu erlangen. Immer wieder das Punyam für vorübergehende Aufenthalte in den Himmelswelten zu verschwenden, ist für die Erlangung des höchsten Ziels nicht förderlich.

In den Yoga Sutras beschreibt Maharishi Patanjali, dass einen an einem bestimmten Punkt des Fortschritts auf dem Weg des Yoga die Devas aufsuchen und einem einen Platz in ihrer Himmelswelt anbieten. Patanjali warnt, dass man dieser Versuchung weder nachgeben noch stolz darauf sein soll, dass einem dieses Angebot unterbreitet wird, weil das sonst unerwünschte Folgen hat (YS 3.51, in einigen Ausgaben auch 3.52). Wenn man das Angebot annimmt, wäre man lange Zeit an eine Existenzform nahe des Zustands der Erleuchtung gebunden, ohne das Ziel erreichen zu können; Stolz oder Arroganz zu empfinden stellt immer eine große Gefahr dar.

Die Entscheidung, ob man in diesem Leben den Aufenthalt in einer Himmelswelt anstrebt oder sich ganz auf Erleuchtung ausrichtet, hängt vom eigenen Bewusstseins- und Gemütszustand ab und wird von jedem Menschen tief im eigenen Inneren getroffen.