Große Konjunktionen in der Mundanastrologie

Es gibt auch eine englische Version dieses Artikels.

In der großartigen Lektion 12 des Maharishi Jyotish Kurses führt Raja Luis unter anderem aus, dass im Mundan-Jyotish die Konjunktionen der langsam laufenden Grahas als Auslöser für langfristige globale Entwicklungszyklen angesehen werden. Diesen Gedanken habe ich aufgenommen und will hier einige Schlussfolgerungen vorstellen, die ich daraus ableiten konnte.

Die langsam laufenden Grahas sind Shani, Rahu und Ketu sowie Guru. Shani umrundet den gesamten Tierkreis in ca. 29,5 Jahren, Rahu und Ketu brauchen dafür etwas mehr als 18,5 Jahre und Guru ca. 12 Jahre.

Aus der Länge der Umlaufzeiten dieser vier Grahas ergeben sich die Längen ihrer Konjunktions-Zyklen. Man könnte zunächst annehmen, dass Konjunktionen von Shani mit Rahu und Ketu in den größten Zeitabständen auftreten, aber das ist nicht der Fall. Der Grund dafür ist die permanente Rückläufigkeit von Rahu und Ketu; diese hat zur Folge, dass Shani und Ketu zumeist aufeinander zulaufen, was die Zeit bis zur nächsten Konjunktion verkürzt. Das hat zur Folge, dass die Konjunktionen von Shani mit Rahu oder Ketu ca. alle 11 Jahre stattfinden. Konjunktionen von Guru mit Rahu oder Ketu treten ca. alle 7 Jahre auf und der längste Zyklus der wiederkehrenden Konjunktionen ist infolgedessen der von Shani und Guru: Shani-Guru-Konjunktionen finden etwa alle 20 Jahre statt.

Zu beachten ist: im Jyotish bedeutet Konjunktion nicht das gradgenaue Zusammenstehen der Grahas im Tierkreis; eine Konjunktion tritt vielmehr ein, sobald 2 Grahas sich in demselben Tierkreiszeichen befinden, ganz unabhängig von ihrem Abstand in Graden, Minuten usw.

Die Bedeutung der großen Konjunktionen

Eine Konjunktion markiert den Beginn eines Entwicklungszyklus, dessen Natur von der Natur der beiden beteiligten Grahas und von der Natur des Tierkreiszeichens (Rashi) festgelegt wird. Die Stärke der beiden Grahas in dem Rashi, in dem die Konjunktion stattfindet, spielt dabei eine entscheidende Rolle.

Die Konjunktion steht für den Anfangsimpuls des Entwicklungszyklus und der Anfang ist bekanntlich in der Astrologie der bedeutendste Zeitpunkt, da er in Samenform die gesamte zukünftige Entwicklung festlegt. Dieser Anfangsimpuls entfaltet sich dann in der Zeit bis zur nächsten Konjunktion in 12 Phasen, die den 12 Häusern (Bhavas) entsprechen. Das deutete Raja Luis in seinem Vortrag nur kurz an und er veranschaulichte das in einem Diagramm, das ich übersetzt und leicht modifiziert habe:

Hier meine Gedanken dazu: Die Konjunktion selbst stellt den Anfangsimpuls dar und nimmt das 1. Haus ein. Wenn der schnellere Planet sich dann vom langsameren entfernt und sich schließlich ein Zeichen weiter befindet, nimmt er das 2. Haus ein, das für eine Phase des Wachstums steht. In Phase 3 setzt der Entwicklungsimpuls sich mit konkurrierenden Projekten auseinander und gewinnt dadurch (im günstigen Fall) an Kraft, ganz wie es dem 3. Haus im Horoskop entspricht. Dadurch wird ihm seine eigene innere Natur klarer (Phase und Haus 4) und er gewinnt dadurch an Selbstbewusstsein und Kraft usw. ... In Phase 10 etabliert der Impuls sich endgültig in der Welt, in Phase 11 entfaltet er global seinen Nutzen und in Phase 12 klingt er aus und macht Platz für einen anschließenden neuen Impuls.

Für jede Phase kann man grob gerechnet 1/12 der Zyklusdauer ansetzen, was im Fall des Shani-Guru-Zyklus dann 1/12 von 20 Jahren wäre, d. h. etwa 1 Jahr und 8 Monate.

Der Konjunktionszyklus von Shani und Guru

Betrachten wir einmal den Konjunktionszyklus von Shani und Guru, der mit 20 Jahren den größten Zeitraum abdeckt und daher für sehr langfristige Entwicklungen steht.

Bevor man die Konjunktionen von Shani und Guru über einen längeren Zeitraum berechnet, könnte man mutmaßen, dass diese Konjunktionen wahrscheinlich recht breit gestreut in den unterschiedlichsten Tierkreiszeichen auftreten. Das ist jedoch nicht der Fall. Noch einmal wiederholt und zu beachten: im Jyotish bedeutet Konjunktion nicht das gradgenaue Zusammenstehen der Grahas im Tierkreis; eine Konjunktion tritt vielmehr ein, sobald 2 Grahas sich in demselben Tierkreiszeichen befinden, ganz unabhängig von ihrem Abstand in Graden, Minuten usw.

Die folgende Tabelle zeigt die Shani-Guru-Konjunktionen in den 12 Rashis im Zeitraum von 1800 bis 2100; diese weisen ein markantes Muster auf, das sicher für manchen überraschend sein dürfte:

Den Ausdruck "Erstkonjunktionen", man könnte auch "primäre Konjunktionen" sagen, verwende ich hier, weil infolge der Langsamkeit von Shani und Guru jeweils noch eine spätere "Zweitkonjunktion" oder "sekundäre Konjunktion" der beiden Grahas im nächstfolgenden Rashi stattfindet und in seltenen Fällen sogar noch eine dritte im übernächsten Zeichen. Diese Folge-Konjunktionen sind in der Tabelle nicht aufgeführt.

1900 - 2100: Das Zeitalter des Feuers

Bemerkenswert ist, dass von 1900 bis ca. 2100, also grob gesagt über einen Zeitraum von etwa 200 Jahren, sämtliche Erstkonjunktionen von Shani und Guru in den 3 Feuerzeichen Widder, Löwe und Schütze stattfinden. Wir haben es hier also nicht nur mit 20-Jahre-Zyklen, sondern auch mit einem größeren 200-Jahre-Zyklus zu tun. Man könnte somit den Zeitraum von etwa 1900 bis 2100 als "Zeitalter des Feuers" bezeichnen, dem ein "Zeitalter des Wassers" (Brahmanas, Wissen, Entdeckung, Seefahrt usw.) vorausging und dem dann ein "Zeitalter der Erde" (Vaishyas, Wirtschaft, Rohstoffe usw.) folgen wird.

Guru und Shani in den Feuerzeichen

In der Mundanastrologie steht der natürliche Wohltäter Guru für Gedeihen, Entwicklung und Expansion, der natürliche Übeltäter Shani für Konkretisierung und Stabilisierung, im negativen Fall auch für Erstarrung, Unterdrückung und Stagnation. In der Konjunktion gehen diese Prinzipien eine Verbindung miteinander ein und bringen eine Entwicklung in Gang, welche beide Prinzipien – Expansion und Stabilisierung usw. – in sich vereinigt.

Bei Konjunktionen in den Feuerzeichen ist Guru sowohl der positivere als auch der dominierende, Shani der negativere und untergeordnete Faktor. Der Grund dafür ist die natürliche Beziehung von Guru und Shani zu den Herren der Feuerzeichen, das sind Mangal, Surya und Guru selbst. Die Herren der Feuerzeichen sind Guru weitaus freundlicher gesonnen und unterstützen ihn; in Schütze steht Guru sogar in seinem eigenen Rashi. Gegenüber Shani sind die Herren der Feuerzeichen eher feindlich eingestellt, in Widder steht Shani sogar im Fall. In den Feuerzeichen werden die positiven Bestrebungen von Guru gefördert, während Shani in ihnen seiner eigenen Natur entfremdet wird, schwach steht und vorwiegend negative Auswirkungen hervorbringt.

Dem Feuerelement ist im Jyotish die Berufsgruppe (varna) der Kshatriyas zugeordnet, das sind die Krieger (Widder), Herrscher (Löwe) und Gesetzgeber (Schütze). Feuer steht auch für Macht, Willenskraft und Transformation. Im dynamischen Zeichen Widder geht es um Eroberung und Durchsetzung der Macht, im fixen Zeichen Löwe um Stabilisierung und Aufrechterhaltung von Macht und im dualen Zeichen Schütze um Legitimierung, Rechtsschöpfung und auch weitere Ausbreitung der Macht als gesetzgebende Kraft (dharma).

"Der Krieg ist der Vater aller Dinge und der König aller. Die einen macht er zu Göttern, die andern zu Menschen, die einen zu Sklaven, die andern zu Freien" – diese bemerkenswerte Aussage des antiken griechischen Philosophen Heraklit (ca. 550 - 460 v. Chr.) zum Thema Krieg sei hier noch einmal angeführt. Bereits in den beiden frühesten Phasen des Zeitalters des Feuers und der Kshatriyas ist es bekanntlich zu zwei Weltkriegen gekommen, durch welche die globalen Machtverhältnisse stark und dauerhaft transformiert wurden.

Ausblick

Bereits diese ersten Gedanken zum Thema "Große Konjunktionen in der Mundanastrologie" am Beispiel der Shani-Guru-Konjunktionen zeigen m. E., dass es sich lohnt, diesem Thema Beachtung zu schenken.

In der Folge könnte man z.B. jede einzelne Shani-Guru-Konjunktion in ihren zwölf Entfaltungsphasen untersuchen und historischen Entwicklungen und Ereignissen zuordnen. Auch die anderen längeren Zyklen – Sa-Ra, Sa-Ke, Gu-Ra und Gu-Ke – und ihre Entfaltung in 12 Phasen könnte man analysieren und dann untersuchen, wie sie mit den Phasen des Sa-Gu-Zyklus ineinandergreifen.

Noch komplexer wird es, wenn man mit einbezieht, welche anderen Grahas zum Zeitpunkt der Erstkonjunktion durch Zeichen-Herrschaft, Aspekt und weitere Konjunktion mit einbezogen sind. Auch Konjunktionen von 3 oder mehr Grahas wären sicherlich eine eingehende Untersuchung wert.