Mundanastrologie

Die Mundanastrologie beschäftigt sich nicht mit einzelnen Personen, sondern mit Ländern, Staaten, Organisationen, besonderen Ereignissen oder dem gesamten Planeten. Die Interpretation des Jyotish-Charts passt sich diesen Besonderheiten an, aber die systematische Vorgehensweise bei der Analyse des Kundali (Horoskops) ist die gleiche wie der bei der Untersuchung des Kundali von individuellen Menschen.

Einige schöne Einsichten in die Besonderheiten der Mundan-Astrologie verdanke ich Hinweisen von Raja Luis Alvarez, die er in Lektion 12 des Maharishi Jyotish Kurses gibt.

Besondere Bedeutung in der Mundan-Astrologie haben Konjunktionen der langsam laufenden Planeten, d. h. von Guru, Shani, Rahu und Ketu.

Anmerkung: Da es sich hier um ein Fortgeschrittenen-Thema handelt, werde ich vermehrt die Sanskrit-Namen der Grahas, Rashis und Bhavas verwenden; diese sind als Codewörter für den Zugang zum kosmischen Computer (jyotish mati pragya) besser geeignet als die deutschen oder römischen Namen.

Staats-Horoskope

Besonders interessant ist die Analyse des Horoskopes von Staaten. Dabei gibt es hauptsächlich zwei verschiedene Vorgehensweisen:

1. Geburtshoroskop

Der Zeitpunkt der Staatsgründung wird hier als Geburtsdatum verwendet.

2. Jährliches Horoskop

Hierfür wird der Anfang des Jahres gewählt. Dies ist natürlich nicht der 1. Januar, der astrologisch völlig irrelevant ist, sondern der Beginn des vedischen Jahres.

Im Jyotish gibt es dafür zwei Alternativen. Einmal gibt es den Beginn des "solaren Jahres"; dieses beginnt exakt mit dem Eintritt von Surya in das Tierkreiszeichen Mesha (Widder). Diesen Moment als Jahresbeginn zu nehmen ist unmittelbar einleuchtend. Die Alternative ist der Beginn des "solar-lunaren Jahres"; dieses beginnt mit dem exakten Neumond im Tierkreiszeichen Mina (Fische), d. h. der exakten Konjunktion von Sonne und Mond in Mina. Das ist eine sehr traditionelles Konzept des Jahresanfangs, das nicht unmittelbar einleuchtend ist. Vielleicht kann man es so sehen, dass der Neumond immer den Beginn eines Monats markiert und der Mondumlauf, der mit dem Neumond in Fische beginnt, den Moment des Eintritts der Sonne in Widder mit einschließt. Dieser Erklärungsversuch ist etwas spekulativ. Ebenfalls spekulativ wäre die Deutung, dass ein neuer Zyklus immer auf der Erinnerung (Smriti) an die letzte Phase des vorherigen Zyklus beruht, wie es z. B. nach der Auflösung des Universums mit der neuen Schöpfung geschieht, in der die Wesen in dem Zustand hervortreten, den sie im Moment der Auflösung (mahapralaya) hatten. Beim Neumond in Fische wird die Erinnerung der letzten Phase Fische aktiviert, die den Beginn der neuen Phase gestaltet.

Als Ort wählt man entweder die Stadt etc., für die das Horoskop erstellt werden soll oder, bei einem Land, den Brahmasthan des Landes. Der Brahmasthan ist der Mittelpunkt eines Landes oder - im Sthapathya-Veda, der vedischen Architektur - eines Gebäudes. Den Brahmasthan von Deutschland kann man Eisenach in Thüringen zuordnen - 10°19' Ost, 50°59' Nord. Die zentrale Position Eisenachs auf der Deutschlandkarte wird gut auf der deutschen Wikipedia-Seite der Stadt angezeigt.

3. Konjunktionen

Besondere Bedeutung in der Mundan-Astrologie haben Konjunktionen der langsam laufenden Planeten, d. h. von Guru, Shani, Rahu und Ketu.

Spezielle Deutung der Grahas und Bhavas im mundanstrologischen Chart

Die Interpretationsprinzipien eines mundanen Horoskops sind zwar prinzipiell die gleichen wie die des Geburtshoroskopes eines Menschen, aber es gibt naturgemäß einige Besonderheiten. Die folgende Tabelle zeigt auf, wofür die neun Grahas in einem Mundanhoroskop stehen:

Die Tabelle ist keineswegs vollständig, gibt aber einen guten Eindruck der Interpretationsprinzipien.

Hier die Tabelle zur mundanastrologischen Interpretation der Häuser:

Das Kurma-Chart

Das Kurma-Chart habe ich in meinen beiden Artikeln über die Mondfinsternis am 16. Mai 2022 und über das Welt-Chart 2022 vorgestellt. Es erlaubt die Zuordnung der Stellung der Planeten in einem Mundanhoroskop zu bestimmten geographischen Gebieten.