Interpretation des Jyotish-Charts von Hermann Hesse

Zu Teil 2 Zu Teil 3

Teil 1: Analyse der zentralen persönlichen Faktoren

Warum Hermann Hesse?

Natürlich möchte ich auf meiner Jyotish-Seite auch an Beispielen vorführen, wie man ein Jyotish-Chart interpretiert. Den Anfang mache ich mit der Interpretation des Charts des deutschen Dichters und Schriftstellers Hermann Hesse. Meine Gründe, Hermann Hesse auszuwählen, waren so etwa folgende:

In meiner Jugend habe ich einige Werke von Hermann Hesse gelesen, u.a. "Der Steppenwolf", "Unterm Rad", "Siddharta", "Das Glasperlenspiel". Seine Bücher haben mir etwas bedeutet. Auch Biografien über Hesses Leben habe ich damals gelesen. Ich mag ihn und seine Bücher.

Seine Geburtszeit ist bekannt und kann als gesichert angesehen werden.

Man weiß viel über ihn und sein Leben. Er hat zwar keine Autobiografie geschrieben, aber er selbst und alle seine Biografen äußern zurecht, dass sein Werk seine Autobiografie ist. "Alle Werke Hesses enthalten eine stark autobiografische Komponente" heißt es auf der Wikipedia-Seite (Link weiter unten).

Er ist offen und ehrlich in der Beschreibung dessen, was ihn bewegt und was seine Stärken und Schwächen sind. Das Bild von ihm ist authentisch, d.h. er hat nicht versucht (wie etwa Goethe) ein idealisiertes Denkmal seiner selbst zu propagieren, sondern lässt andere an seinen inneren Kämpfen und Problemen teilhaben. Dies macht ihn und sein Werk so anziehend.

Hesses Chart ist in seiner Kombination von Talenten und Problemen interessant, die seine unverwechselbare Persönlichkeit ausmachen. Es ist sehr lehrreich, es zu untersuchen.

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Rashi-Chart Hermann Hesse * 02.07.1877 18:55 h MEZ Calw (8E45 48N43), nordindische Chartform - Mouseover zeigt südindisches Chart

Arbeitsblatt 1: Tabellen und Textbausteine hier aufrufen. Arbeitsblatt 2: Dashas und Antardashas hier aufrufen.

"Gott wohnt in den Herzen aller Wesen, o Arjuna. Er lässt durch seine wunderbare schöpferische Energie alle Wesen herumwirbeln, als wären sie auf eine Maschine gesetzt." - Bhagavad Gita 18.61

Vorbemerkungen zur Interpretation eines Horoskops

Ein Jyotish Horoskop enthält eine Fülle von Informationen über das Leben eines Menschen. Es zeigt den Menschen selbst, seinen Charakter, seine Persönlichkeit, seine Stärken und Schwächen usw., aber das ist längst noch nicht alles! Das Jyotish Horoskop zeigt die ganze Welt, das gesamte Leben eines Menschen: ihn selbst, aber auch seine Eltern, Freunde, Feinde, Lehrer, den Ehepartner, die Finanzen, Religion usw.

Das Jyotish Horoskop ist quasi das Regiebuch des Lebens eines Menschen. Es beinhaltet sämtliche Akteure, Szenen, Gegenstände, Erlebnisse, Handlungen, Gespräche, Ereignisse, Wahrnehmungen, Gedanken und Gefühle, einfach Alles. Das bedeutet allerdings nicht, dass es leicht ist, die konkreten Details eines Lebens aus einem Horoskop herauszulesen.

Der Geborene, d.h. der Mensch, für den das Jyotish Horoskop erstellt wurde, steht dabei im Mittelpunkt der Betrachtung. Alles wird aus seiner Perspektive, von seinem Erleben als Zentrum her, dargestellt. Seine Wahrnehmung, seine Perspektive, sein Ich, seine Persönlichkeit ist daher der Schlüsselfaktor für alles, was sein Leben ausmacht.

Die Wichtigkeit des systematischen Vorgehens

Wenn die Jyotish-Analyse nicht nur an der Oberfläche bleiben soll, ist es wichtig, nicht einfach irgendwo mit der Interpretation zu beginnen, sondern mit denjenigen Faktoren des Horoskops, die sich ganz unmittelbar auf die eigene Persönlichkeit des Geborenen beziehen:

Der Mond: Das persönliche Zentrum des Erlebens

Der Aszendent: Das Grundmuster des eigenen Verhaltens

Der Aszendenten-Herr: Die konkrete Verwirklichung dieses Grundmusters

Die Sonne: Die im Körper wirkende Intelligenz

Das vierte Haus: Das innere Erleben

Dies sind, prinzipiell in der Reihenfolge ihrer Bedeutung für das Leben, die fünf wichtigsten Faktoren des Jyotish Horoskops. Sie sind der Schlüssel zum Verständnis des Horoskops und des Lebens eines Menschen.

Die Interpretation des Jyotish Horoskops beginnt daher mit der Analyse jedes dieser fünf Faktoren. Im nächsten Schritt entwirft man als Synthese dieser fünf Faktoren ein Gesamtbild der Persönlichkeit eines Menschen. Dieses Gesamtbild muss man stets im Bewusstsein behalten, wenn man danach die übrigen Faktoren des Horoskops - die anderen Planeten, Häuser usw. untersucht.

Beim Lesen des Interpretationstextes kann es nützlich sein, in einem gesonderten Fenster das Jyotish-Datenblatt geöffnet zu haben, um das Gesagte nachvollziehen zu können.

Anmerkung: In den folgenden Texten gebrauche ich mit voller Absicht abwechselnd die deutschen- und die Sanskrit-Namen für Planeten, Tierkreiszeichen usw.

Wikipedia-Artikel über Herrmann Hesse Hier ist der Link zu der deutschen Wikipedia-Seite über Hermann Hesse , dort finden sich auch Fotos von ihm.
Vorbemerkung

In dieser ersten Jyotish-Interpretation auf meiner Seite werde ich noch intensiv die Textbausteine mit einbeziehen, die auf meiner Seite unter "Planeten" und "Häuser" zu finden sind. Dies soll insbesondere Jyotish-Anfängern zeigen, wie man mit solchen Textbausteinen umgeht.

Der Text der Textbausteine ist immer an dieser Farbe hier zu erkennen.

Formel mit 5 Grundqualitäten Die Textbausteine beginnen immer mit einer Formel, in der die 5 Grundqualitäten des Planeten und die 5 Grundqualitäten des Tierkreiszeichens oder Hauses, in dem der Planet steht, zusammengebracht werden. Diese Formeln sollen helfen, systematisches Jyotish-Denken einzuüben.
Schlussfolgerungen aus der Formel In den nächsten Zeilen folgen Schlussfolgerungen, die aus der der Formel mit systematischer Konsequenz abgeleitet wurden.
Klassische Beschreibungen Im letzten Absatz eines Textbausteins, werden traditionelle Aussagen von Jyotish-Texten zu der jeweiligen Kombination von Planet und Tierkreiszeichen/Haus aufgeführt. Diese Aussagen können teilweise aus der Formel zu der Stellung des Planeten abgeleitet werden; teilweise ist die astrologische Logik, die hinter der Aussage steht, auch nicht ohne weiteres ersichtlich (hin und wieder jedoch durchaus vorhanden).
Externe Zitate Textzitate aus externen Quellen (Biografien über Hesse, Textstellen aus seinen Werken usw.) erscheinen in dieser blauen Farbe hier und in kursiver Schrift.

CHART-FAKTOR JYOTISH-INTERPRETATION
Chandra allgemein

Chandra in Meena

Der Mond ist, neben der Sonne, von unsrer Erde ausgesehen der größte und auffälligste Himmelkörper. Sanskrit-Namen sind Chandra - das wird "Tschandra" ausgesprochen, das "ch" also in englischer Sprechweise wie in "Charles" - oder Soma. Chandra bewegt sich mit großer Geschwindigkeit durch die Tierkreiszeichen und wechselt von Neumond zu Vollmond und wieder zum Neumond unablässig seine Gestalt. Chandra ist der Fluss des Bewusstseins, das Denken, Fühlen und Wahrnehmen - die gerichtete Aufmerksamkeit, die alles intensiv nährt, gedeihen und wachsen lässt, worauf sie sich richtet.

Parashara beschreibt Chandra so: Chandra ist der Geist (Manas) von allen, die Königin im Regierungskabinett der Planeten, von lohfarbener Farbe, weiblichen Geschlechts, gehört zur Berufsgruppe der Kaufleute und das zugehörige Guna ist Sattva (Reinheit).

Im Horoskop gibt die Stellung von Chandra Auskunft über die Mentalität, den Charakter, die Psyche, die Grundstimmung, das Temperament, der Grad der Wachheit, die Art und Weise, wie der Geist sich bewegt und welche Gefühle vorherrschen.

Davon abgeleitet: die Mutter, weil deren Haltung und Gefühle gegenüber ihrem Kind dessen inneren Gemütszustand für viele Jahre maßgeblich prägen.

Das linke Auge ist auf besondere Weise Chandra zugeordnet, vor allem aber das Gehirn. Auch Schiffe und Fahrzeuge aller Art - auch ein Mantra als geistiges Fahrzeug, mit dem man in der Meditation nach Innen reist - und die Erlebnisse mit ihnen sind aus der Stellung von Chandra abzuleiten.

Chandra, das ist der Mensch selbst als bewusster Erlebender. Deshalb ist Chandra im Jyotish der wichtigste Planet von allen.

Jedes Tierkreiszeichen beinhaltet eine bestimmte Form von Dynamik des Bewusstseins. Das vom Mond verkörperte Denken und Fühlen eines Menschen nimmt die Bewusstseinsdynamik an, die das Tierkreiszeichen anzeigt, in dem er steht. Der Geist eines Menschen ist das "innere Organ", das sein Denken und Fühlen organisiert. Es ist die Grundnatur des Geistes, sehr dynamisch und zugleich sehr flexibel zu sein und dadurch die unterschiedlichsten Erfahrungen im Leben widerzuspiegeln - vor allem aber ist es seine Natur, sich in Zyklen von Ruhe und Aktivität weiter zu entwickeln und zu Ebenenen höherer Freude voranzuschreiten; Evolution ist die Natur des Geistes.

Die innere Dynamik, die der Mond dadurch annimmt, dass er in einem bestimmten Tierkreiszeichen steht, verleiht dem individuellen Geist (Sanskritwort für den Geist: Manas) eine spezifische Prägung, die der flexiblen und dynamischen Grundnatur des Geistes mehr oder auch weniger zuträglich sein kann. Der Textbaustein zu Mond in Fische sagt:

[Formel:] Das, was der Planet Mond verkörpert: [1]Geist, [2]Denken, [3]Fühlen, [4]Aufmerksamkeit, [5]Wachheit - ist geprägt durch die Eigenschaften des Tierkreiszeichens Fische: [1]Hingabe, [2]Auflösung, [3]Intuition, [4]Rückkehr zur Einheit, [5]Erlösungswissen.

[Schlussfolgerungen aus der Formel:] Der Geist eines Menschen mit Mond im Tierkreiszeichen Fische ist zwar sehr flexibel, aber nicht besonders dynamisch. Er ist wenig an den konkreten Einzelheiten des praktischen Lebens interessiert. Das Gefühl besitzt eine große Tiefe und das Denken ist mehr von Intuition und von Ahnungen geprägt, als von logischen Schlussfolgerungen.

[Schlussfolgerungen aus der Formel:] Der Geist hat die Tendenz, sich in seinen eigenen Tiefen zu verlieren - im günstigeren Fall geschieht dies in der Beschäftigung mit Meditation, einer gefühlsbetonten Religiosität oder Mystik, im ungünstigeren Fall durch Genuss von Alkohol oder Drogen. Menschen mit Mond in Fische sind sich oft selbst ein Rätsel und neigen dazu, eher Träumer als Tatmenschen zu sein. Sie sind Meister im Vergessen und meist sehr sensibel.

[Klassische Beschreibungen:] Der Geborene ist gelehrt und musikalisch. Religiöse Gesinnung. Angenehmes Leben. Glücklich. Liebt Seereisen sowie überseeische Länder und Produkte. Freigebig. Angenehme Art. Gebildet. Einfach. Guter Ruf. Lose Sitten. Im fortgeschrittenen Alter spirituelles Interesse. Vermag selbst zunächst gegen ihn eingenommene Menschen zu überzeugen. Hat Wissen von den heiligen Schriften. Ist sehr religiös. Wird dem König bzw. Staat dienen. Ist glücklich und wohlhabend, wird von Frauen besiegt. Ist tugendhaft und großzügig.

Chandra im Zeichen des Freundes Der erste Filter, was die Bewertung der Aussagen des Textbausteines "Chandra in Meena" anbetrifft, ergibt sich aus der Frage, ob der Mond in Fische sich darin im Zeichen des Freundes oder im Zeichen des Feindes befindet. Die natürliche Haltung von Jupiter gegenüber dem Mond ist neutral; seine temporäre Haltung in Hermann Hesses Horoskop ist freundlich, daher befindet sich der Mond in Fische im Zeichen des Freundes Jupiter.

Dies bedeutet, dass im obigen Textbaustein vornehmlich die Formulierungen "im günstigeren Fall" zu berücksichtigen sind, also die positiven Seiten von "Mond in Fische" gegenüber den negativen Seiten überwiegen; z.B. ist somit im Textbaustein generell eher "Beschäftigung mit Meditation, einer gefühlsbetonten Religiosität oder Mystik" zu berücksichtigen als "Genuss von Alkohol oder Drogen".

Allerdings zeigt Hesses Biografie, dass er zeitweilig durchaus Alkoholprobleme hatte. In Zeiten, wo der Mond - der ja dem Geist des Geborenen entspricht - unter Druck steht, können sich auch die negativen Aspekte seiner Stellung in Fische , z.B. "Trinken, um zu vergessen", manifestieren. Allgemein betrachtet dominieren aber die positiven Seiten.

Guru fördert die Bestrebungen von Chandra. Der Mond steht daher stark in Fische.

12. Meena - Fische - Das Zurücksinken der Welle in den Ozean

[Hier als zusätzliche Information noch der Textbaustein zum Zeichen Fische:]

Der schon in Wassermann ausgeprägte Rückzug des Bewusstseins aus der Objektbezogenheit vollendet sich in Meena - dies wird übrigens "Miena" ausgesprochen, mit langem "i", entsprechend der englischen Aussprache von "ee" wie z.B. in "to flee". Fische kennzeichnet das Zurücksinken der individuellen Wellen in die Ganzheit des Ozeans, d.h. die Wellen versinken im Ozean oder, positiv ausgedrückt: jede zuvor isolierte Welle erlangt den Status des Ozeans.

Fische ist ein flexibles, anregbares Wasserzeichen und steht für das vollkommen geläuterte Bewusstsein der Einheit aller Dinge, das vereinheitlichte Feld, in der vedischen Sprache Brahman genannt. Guru (Jupiter), der Planet der Weisheit und Erkenntnis, ist der Herr des Zeichens. Venus steht hier erhöht und Merkur im Fall. Die fünf Hauptqualitäten sind: Hingabe, Auflösung, Intuition, Rückkehr zur Einheit, Erlösungswissen. das Symbol ist ein Paar Fische im Wasser - dies stellt die Einheit von Stille und Dynamik in der Ganzheit von Brahman dar.

Das Zeichen Fische steht für die Füße des Kalapurusha.

Shukra (Venus) ist hier erhöht, d.h. im verfeinertsten, edelsten Zustand und repräsentiert in Fische die vollkommene liebevolle Hingabe an Gott, der die Ganzheit und Einheit des Lebens verkörpert. Merkur, der Repräsentant des trennenden Intellekts und der Sprache, ist hier fehlplaziert - wenn die Einheit verwirklicht ist, gibt es nichts mehr zu unterscheiden, nichts mehr zu sagen; dies ist das Ende der Worte, das Ende aller Dualität, das Ende des Wissens, Vedanta, vollkommene Erfüllung.

Mond im 5. Haus

Der Textbaustein zu Mond im 5. Haus besagt:

Das, was der MOND verkörpert: Geist, Denken, Fühlen, Aufmerksamkeit, Wachheit - entfaltet sich in der Beschäftigung mit den Themen des 5. HAUSES: KREATIVITÄT, Kinder, höheres Wissen, gutes Karma, Gottes Segen.

Diese Stellung des Mondes kennzeichnet einen kreativen Geist, der großen Einfluss auf seine Welt hat. Das Denken und Fühlen werden von höherer Einsicht und von Intuition geleitet und führen mühelos zum Erfolg.

Intelligenter, sehr gebildeter Mensch. Vertritt leidenschaftlich seine Ideen und Überzeugungen. Zahlreiche Kinder von gutem Charakter, die Talente haben und es im Leben zu etwas bringen. Sorgt gut für die Kinder und ist ihnen sehr verbunden. Förderung durch Frauen und die eigene Mutter infolge von gutem Karma aus dem vorigen Leben.

Liebt Kunst, Sport, Politik, Spekulation oder Glücksspiele und macht in einem dieser Bereiche Karriere. Reichtum durch erfolgreiche Investitionen, z.B. als Börsenmakler. Vollbringt gute Handlungen. Wahrheitsliebend, offen, guter Charakter. Erfreuliche Liebesbeziehungen. Glückliches, freudenreiches Leben. Oft mehr weibliche als männliche Kinder. Im ungünstigeren Fall ein unruhiger Geist und eine gute Intelligenz, aber Mangel an gesundem Menschenverstand. Das Denken ist lebendig und gefühlsbetont. Klarheit des Geistes. Gottesfürchtig und frei von Feinden.

Auch hier können wir wieder überlegen, welche Seiten des Textbausteins besonders zu berücksichtigen sind und welche weniger.

Da der Mond im Zeichen Fische im 5. Haus steht - wovon der Textbaustein "Mond im 5. Haus" nichts weiß - und sich dort im Zeichen seines Freundes Jupiter befindet, werden die insgesamt sehr positiven Aussagen zu "Mond im 5. Haus" noch bestärkt und nicht etwa gemindert.

Das dem 5. Haus und dem Mond darin zugeordnete Zeichen Fische ist ein Wasserzeichen, d.h. die seelische Ebene ist hier angesprochen. Aussagen des Textbausteins wie "Reichtum durch erfolgreiche Investitionen, z.B. als Börsenmakler" würden Bedeutung erlangen, wenn der Mond sich in einem Erdzeichen (materielle Ebene) befände, Formulierungen wie "Erfreuliche Liebesbeziehungen" träten in den Vordergrund, wenn ein Venus-Zeichen das 5. Haus beherrschen würde oder der Mond als Herr des 7. Hauses im 5. Haus stände; beides ist hier nicht der Fall.

"Im ungünstigeren Fall ein unruhiger Geist und eine gute Intelligenz, aber Mangel an gesundem Menschenverstand" wäre verstärkt zu berücksichtigen, wenn der Mond sich im 5. Haus im Zeichen eines Feindes und in einem Luftzeichen befände. "Vertritt leidenschaftlich seine Ideen" wäre besonders hervorzuheben, wenn ein dynamisches Zeichen wie Widder oder Waage mit dem 5. Haus verbunden wäre, ist allerdings auch hier durchaus zu berücksichtigen, weil Jupiter, der den Mond prägt, sich im Feuerzeichen Schütze befindet.

"Das Denken ist lebendig und gefühlsbetont. Klarheit des Geistes" - dies ist in der Tat bei Mond in Fische im Zeichen des Freundes Jupiter sehr bedeutungsvoll, ebenso "wahrheitsliebend, offen, guter Charakter" und "intelligenter, sehr gebildeter Mensch", wobei in Fische eher die emotionale als die intellektuelle Intelligenz im Vordergrund steht. Auch die Grundaussage des Textbausteines "hat einen kreativen Geist, der großen Einfluss auf seine Welt hat. Das Denken und Fühlen werden von höherer Einsicht und von Intuition geleitet und führen mühelos zum Erfolg." verdient es, hervorgehoben zu werden.

All dies sind Beispiele, die Ihnen zeigen sollen, wie man den sehr allgemein gehaltenen Inhalt eines Textbausteines filtern kann.

5. Haus - Wissen ist Macht

[Hier als zusätzliche Information noch der Textbaustein zum 5. Haus:]

In dieser Phase der Entwicklung erwacht die Erinnerung an Fähigkeiten, die man sich in früheren Leben durch positives, evolutionäres Handeln erworben hat. Die Nutzung dieser Fähigkeiten führt einen weit über die Begrenzungen dessen hinaus, was man in diesem Leben durch Eltern, Erziehung (4. Haus) usw. an Möglichkeiten zur Verfügung gestellt bekam.

Angelegenheiten des 5. Hauses: Kinder, Freude an oder Probleme mit der eigenen Nachkommenschaft. Kreativität, Macht, Einfluss. Erfolgreiche akademische Karriere, spirituelles Wissen, Siddhis oder höhere geistige Kräfte. Wissen, das organisierende Kraft besitzt. Gottes Segen, Punyam - gutes Karma aus der Vergangenheit, Unterstützung durch die kosmischen Naturgesetze (Devas). Brillianz, Genie, hohe Intelligenz. Außerordentliche Talente (Genie) durch Einfließen der Erfahrungen aus früheren Leben. Glück bei Spekulationen, Investitionen und im Spiel. Intuition. Untrügbarer Sinn für Wahrheit und Realität.

Der im vierten Haus erlangte innere Frieden, die Besinnung auf sich selbst, hat die Grundlage geschaffen für die im fünften Haus sich entfaltenden Qualitäten von höherem Wissen und Kreativität. Ein starkes und positiv besetztes fünftes Haus stellt ein subtiles Potential für sehr großen Einfluss und Erfolg im Leben dar. Die eigenen Kinder, die eine Manifestation des in den Genen vorhandenen Wissens darstellen, sind ebenfalls dem fünften Haus zugeordnet. Die guten oder weniger guten Vorraussetzungen für eine Entfaltung der Möglichkeiten dieses Hauses lassen sich aus der Stellung von Guru, des Planeten Jupiter, ableiten, denn er ist der Karaka, der Organisator des fünften Hauses und Signifikator für höheres Wissen.

Herr des 9. Hauses im 5. Haus

[Anmerkung: Der Mond ist stets Herr des Tierkreiszeichens Krebs. In Hesses Chart fällt das Zeichen Krebs mit dem 9. Haus zusammen. Dadurch wird hier der Mond, der sich im 5. Haus befindet, zum Herrn des 9. Hauses. Hierbei ist zu beachten, dass der folgende Textbaustein "nichts davon weiß", dass es sich bei dem Planeten, der sich als Herr des 9. Hauses im 5. Haus befindet, um den Mond handelt, dieser im Zeichen Fische steht usw.]

Der Planet beschäftigt sich mit den Themen des 5. Hauses: KREATIVITÄT, Kinder, höheres Wissen, gutes Karma, Gottes Segen - und organisiert damit die Angelegenheiten des 9. Hauses: LEBENSGLÜCK, Sinn, Religion, Spiritualität, geistiger Lehrer.

Sehr erfreuliche, positive Konstellation. Die Macht des Guten ist stark im Leben des Geborenen. Erfolgreicher Prediger. Einflussreicher Philosoph. Meistert höhere geistige Kräfte (Siddhis). Experte für Mantras und Yagyas. Ist ein Weiser, dessen Worte etwas bewirken. Vieles im Leben gelingt mühelos infolge der Reinheit und Weite des Geistes. Bedeutender Berater. Hervorragende Intuition und Kreativität. Tugendhafte Kinder, die sich prächtig entwickeln. Ist ein würdiger Schüler seines spirituellen Meisters. Schwierigkeiten und Probleme im Leben lösen sich wie von selbst auf.

Reicher und berühmter Vater. Auch die Kinder des Geborenen sind glücklich, erfolgreich und machen sich einen Namen. Ein Glückskind. Wohlhabend. Von Gott gesegnet. Wissen der heiligen Schriften und Mantras. Vollbringt gute Handlungen. Sehr spirituell, religiös oder philosophisch. Großer Gewinn aus Investitionen und Spekulationen. Hat ausgezeichneten Guru. Erwirbt leicht eine hohe Ebene von Wissen. Reich , mächtig, langes Leben. Hochintelligent. Kraftvolle Verwirklichung des Lebenszieles. Religiöser Führer oder Heiliger.

MAHARISHI PARASHARA: Besitzt Söhne, Wohlstand, Hingabe an Ältere, ist kühn, wohltätig und gelehrt.

Auch diese sehr positiven Bewertungen der Stellung des Herrn des 9. Hauses im 5. Haus werden wiederum dadurch bestätigt und bestärkt, dass der Graha (Chandra) im Zeichen seines Freundes steht. Dass das 9. und das 5. Haus von Wasserzeichen geprägt sind und es sich um den Mond handelt, hebt die positiven Effekte auf der Ebene des seelischen Erlebens und der Gefühle hervor und lässt materielle Wirkungen ("wohlhabend", "Gewinn aus Investitionen") oder energetische Faktoren ("mächtig") in den Hintergrund treten - bzw. man sollte diese entsprechend uminterpretieren als "wohlhabend in Bezug auf spirituelles Wissen", "emotionaler Einsatz bringt Gewinn an Freude und Intuition" usw.

Chandra im Nakshatra (Mondhaus) Uttara Bhadra

Die vorangegangene Beschreibung hat die grundlegende Bewusstseins-Dynamik aufgezeigt, die der Mond dadurch annimmt, dass er in einem bestimmten der zwölf Tierkreiszeichen und in einem der zwölf Häuser steht sowie Herr eines bestimmten Hauses ist. Dies lässt sehr zentrale und wesentliche Rückschlüsse auf die Dynamik des Denkens und Fühlens des Horoskopeigners zu - denn der Mond im Horoskop repräsentiert ja den Geborenen selbst, seine Art wahrzunehmen, seine Psyche, seinen Charakter, seine persönliche Art, die Welt zu sehen und damit die Welt seines persönlichen Erlebens zu erschaffen.

Die folgende Beschreibung der Stellung des Mondes in einem der 27 Mondhäuser (Sanskrit: Nakshatras) stellt nun eine verfeinerte individualisierte Note der oben dargestellten Grundmentalität des Geistes dar:

Chandra befindet sich im 26. Mondhaus Uttara Bhadra, das bedeutet übersetzt: "Oberer glückbringender Fuß". Seine Symbolik ist: "Ein Mann mit zwei Köpfen, die hinteren beiden Bettpfosten, ein Totenbett auf dem Scheiterhaufen"

Von den Göttern ist ihm zugeordnet: Ahirbudhhnya, die Schlange der Tiefe aus dem Gefolge Shivas.

Der Planet des Nakshatra ist Shani.

Berufsgruppe (Varna): Kshatriya, Krieger.

Es verleiht die Eigenart, unveränderlich zu sein und die astrologisch besonders bedeutsame Unterprägung, die es Chandra gibt, wird mit dem Ausdruck "Selbstkontrolle" beschrieben.

Alle diese Faktoren des Mondhauses Uttara Bhadra zusammen bewirken, dass Chandra die folgenden Qualitäten manifestiert: Befreit sich von Illusionen und wird dadurch glücklich und erfolgreich. Diszipliniert, zuverlässig, effektiv, standhaft, bescheiden. Klarer Blick für die Realität. Integrierte, weitblickende Persönlichkeit.

"Selbstkontrolle", "Disziplin", "Standhaftigkeit" sind Saturn-Qualitäten und Uttara Bhadra ist ja auch ein Shani-Nakshatra. Dies erhöht die positive Bereitschaft von Chandra, eine Shani-Mentalität anzunehmen. Dies ist in unserem Chart hier besonders bedeutsam, weil im 4. Haus Chandra als Karaka des Hauses von Shani beherrscht wird - siehe weiter unten die Ausführungen zum 4. Haus.

Die Shashtiamsa-Qualität (60.tel) von Chandra ist "Karaldamshtra" Eine weitere kleine, aber sehr individuelle Note eines Planeten - in diesem Fall des Mondes, der das Denken und Fühlen eines Menschen verkörpert - lässt sich aus der kurzen Beschreibung des Charakters eines Planeten ableiten, die der Stellung des Planeten in einem winzigen Abschnitt des Tierkreises, nämlich dem Sechzigstel eines Tierkreiszeichens entspricht:

Die Bedeutung der Sechzigstel-Charakteristik von Chandra ist negativ. Sie heißt im Sanskrit: Karaldamshtra und das bedeutet übersetzt: "schreckliche Zahnreihen".

Wie das wohl zu interpretieren ist? Dass der Geist, wenn sich seine Begrenzungen auflösen (Fische), die Objektwelt gefrässig zermalmt und in sich hineinschlingt? Auf jeden Fall eine negative, furchterregende Unter-Komponente des ansonsten positiv-kreativen und spirituell ausgerichteten Geistes.

Der Mond ist alt Einer der Zustände (avastha) des Mondes ist sein Alter. Es gibt die Phasen kindlich, jugendlich, erwachsen, alt und tot. In Hesses Chart ist der Mond alt. Dies mindert die im Zeichen Fische ohnehin nicht übermäßig starke Dynamik des Geistes, fördert aber Einsicht, Überblick und Weisheit; mehr introvertierte als extravertierte Mentalität; außerdem bedeutet es, dass die Lektion für die Seele, die mit dieser Stellung des Mondes verbunden ist, schon weitgehend abgeschlossen ist.
Der Mond ist abnehmend und etwa bei Halbmond Jyotish-technisch gesehen gilt der volle und zunehmende Mond als Wohltäter-, der "leere" (kleine Mondsichel) und abnehmende Mond als Übeltäter-Planet.

Bei Geburt von Hermann Hesse ist etwa Halbmond und der Mond nimmt ab. Somit ist der Mond als Übeltäter anzusehen.

Übeltäter stehen günstig in den "verbessernden" Häusern 3, 6, 10 oder 11, aber ungünstig in einem positiven Trigonalhaus wie dem 5. Haus.

Der Mond als Übeltäter im 5. Haus bedeutet: es ist gut für den Mond, dass er in einem so positiven Haus wie dem 5. steht, aber nicht gut für das 5. Haus selbst und seine Angelegenheiten. Obwohl also der Mond unter vielen wichtigen Gesichtspunkten betrachtet eine sehr positive Rolle im Horoskop spielt (s. weiter oben), schädigt er zugleich auch das 5. Haus.

Ein Teil der Funktionsweise des Geistes beeinträchtigt die Kreativiität, die eigenen Kinder, das höhere Wissen, den Einfluss von gutem Karma der Vergangenheit und die Unterstützung durch Gottes Segen, welche die Hauptangelegenheiten des 5. Hauses sind.

Zusammen mit der o.a. Shashtiamsa-Charakteristik sind dies negative Aspekte der Stellung des Mondes im Horoskop von Hermann Hesse, die aber in Vergleich zu der positiven Grundstruktur von Chandra nicht sehr stark ins Gewicht fallen.

Kein voller Aspekt auf den Mond und kein Planet in Konjunktion mit dem Mond In Hermann Hesses Horoskop übt kein anderer Planet per Aspekt einen starken Einfluss auf den Mond aus. Es steht auch kein anderer Planet mit dem Mond im 5. Haus zusammen.

Es übrigens positiv zu bewerten, wenn sich in einem der Nachbar-Häuser des Mondes mindestens ein Graha befindet. Dies ist hier der Fall, da 3 Grahas im benachbarten 4. Haus stehen.

Somit scheint es, als könnten wir unsere Auflistung der wichtigsten Faktoren, welche die Stellung des Mondes im Horoskop betreffen, erst einmal abschließen. Dies ist aber in diesem Fall nicht so!

Der Einfluss von Guru (Jupiter) auf den Mond Obwohl Chandra, der Mond, allein in Fische im 5. Haus steht, ist er nicht derjenige Planet, der auf das 5. Haus den größten Einfluss hat. Dies ist vielmehr Guru, der Planet Jupiter - und zwar aus folgenden Gründen:

Jupiter ist als Herr von Fische Herr des 5. Hauses

Jupiter ist der Karaka (Organisator) des 5. Hauses

Jupiter hat immerhin einen Aspekt von 3/4-Stärke auf das 5. Haus

In der Einflusstabelle, die mein selbstgebasteltes Jyotish-Berechnungsprogramm kreiert, führt dies dazu, dass der Einfluss von Chandra als Zahlenwert eine 6,1 ergibt, der von Guru jedoch einen Wert von 15,5!

In die Berechnung des Einflusswertes von Guru war übrigens auch mit eingeflossen, dass Guru in Hesses Horoskop der Atmakaraka des Horoskopes ist. Der Atma ist das Selbst eines Menschen und der Atmakaraka im Horoskop zeigt an, wozu man hauptsächlich geboren oder was der Hauptzweck dieser Inkarnation ist.

All dies zusammen führt zu der Formulierung, dass der Mond in diesem Horoskop ganz und gar unter dem Einfluss des Jupiter steht, er ist sozusagen ein Instrument des Jupiter.

Eine dermaßen starke Prägung des Mondes seitens eines bestimmten Planeten ist ungewöhnlich und äußerst bedeutsam.

Wir kommen daher nicht umhin, in diesem Fall die oben unter "Die Wichtigkeit des systematischen Vorgehens" beschriebene Vorgehensweise etwas zu variieren - das Grundprinzip bleibt natürlich davon unangetastet - und schon an dieser Stelle die Stellung des Guru (Jupiter) einzubeziehen.

Überblick: Die Stellung des Jupiter im Horoskop Jupiter (Guru) steht in seinem eigenen Zeichen Schütze (Dhanu) im 2. Haus. Er ist der Atmakaraka. Er aspektiert das 10. Haus voll und ebenso den Herrn (Surya) und den Karaka (Buddha) des 10. Hauses. Er ist generell ein Wohltäter-Planet und durch seine Herrschaft über das 5. Haus auch ein funktioneller Wohltäter für den Aszendenten Skorpion (Hesses Aszendent).
Jupiter (Guru)

Guru heißt übersetzt "Lehrer". Ein weiterer Name ist Brihaspati, das ist der Lehrer der Götter in der Himmelswelt. Guru verkörpert Veda, Wissen, Weisheit, Einklang mit dem Gesetz des Lebens (Dharma), Religion, Erfolg und große Freude.

Parashara beschreibt Guru so: Guru verleiht Wissen, ist im Regierungskabinett der Planeten ein Minister, d.h. der königliche Ratgeber, von lohfarbener Farbe, das Geschlecht ist männlich und er gehört zur Berufsgruppe der Priester. Sein Guna oder seine Natur ist Sattva (lautere Klarheit).

Im Horoskop gibt die Stellung von Guru Auskunft über die Fähigkeit eines Menschen, sein Denken und Handeln in Einklang mit den höheren Gesetzen des Lebens (Dharma) zu organisieren, Wissen zu erlangen, größere Zusammenhänge zu erkennen und dadurch sehr erfolgreich zu sein. Guru berät und unterweist und gibt dadurch dem Leben eine evolutionäre Richtung. Er schenkt materiellen und spirituellen Erfolg. Im menschlichen Körper sind Guru die Leber und der Fett-Haushalt zugeordnet.

Guru ist der Herrscher des Tierkreiszeichens Schütze, welches die Bewusstseins-Qualitäten Sinn für Werte, Begeisterung, Gesetz des Lebens, Wahrheitsstreben und Großartigkeit zum Ausdruck bringt und des Zeichens Fische, dessen geistige Qualitäten Hingabe, Auflösung, Intuition, Rückkehr zur Einheit und Erlösungswissen sind.

Am hervorragendsten steht Jupiter im Tierkreiszeichen Krebs, dem Zeichen des inneren Himmels oder der feinsten Ebene des Bewusstseins. Hier erstrahlt Jupiter in seiner höchsten Würde als Brihaspati, als Lehrer der Devas, der Götter, und bringt seine höchsten Qualitäten der Weisheit und der erleuchteten Führung zum Ausdruck.

Hingegen ist Guru im Zeichen Steinbock gänzlich deplaziert. Dort verkörpert er nur noch ein verarmtes, totes Daten- und Fakten-Wissen, welches das Bewusstsein einengt und versklavt, statt ihm einen weiten Horizont an Möglichkeiten für kreatives und erfolgreiches Handeln zu eröffnen.

Jupiter ist Karaka oder Organisator von vier Häusern! In seiner Tätigkeit für das 5. und 9. Haus schafft er die Vorraussetzungen für eine hervorragende geistige und spirituelle Entwicklung (5. Haus: Gottes Segen, Kreativität, 9. Haus: Spiritualität, innere Freude). Im 2. Haus (Besitz, auch von Wissen) und 11. Haus (Einkommen, Wunscherfüllung) betreffen seine Segnungen weltliche Errungenschaften. Es ist das Kennzeichen von Jupiter, dass er durch Wissen Geist und Körper, Bewusstsein und Materie, miteinander in Einklang bringt und dadurch das Leben zum Erfolg führt.

Guru ist ein ausgeprägter Wohltäter-Planet. Ein stark gestellter Jupiter im Horoskop ist ein großer Segen und gleicht viele anderweitige Schwachstellen im Horoskop aus.

Jupiter in Schütze

Das, was der Planet JUPITER verkörpert: Wissen, Freude, Erfolg, Gesetz, Ganzheit - ist geprägt durch die Eigenschaften des Tierkreiszeichens Schütze: Sinn für Werte, Begeisterung, Gesetz des Lebens, Wahrheitsstreben, Großartigkeit.

Jupiter steht hervorragend in seinem eigenen Tierkreiszeichen und manifestiert Wissen, Religiosität, Tugenden, Wohlstand und Erfolg in Fülle. Wenn er zudem noch in einem einflussreichen oder günstigen Haus steht (Eck- oder Trigonalhäuser) ist dies ein Faktor, der zahlreiche problematische Konstellationen im Horoskop auslöscht. Enormer, mitreißender Optimismus. Ist voller Freude und Begeisterung.

Hochintelligent. Gelehrt. Wohlhabend. Hat gute Freunde. Großzügig. Hilft anderen. Hat eine hohe Stellung in der Gesellschaft, z.B. als Armeeführer oder Minister eines Königs; oder ist ein Professor oder religiöser Lehrer. Viele gute Eigenschaften. Führt Yagyas durch und besucht heilige Stätten. Wohlhabend, einflussreich, freundlich, edel, vertrauenswürdig, freigebig, tüchtig.

Kurz gesagt, dies ist eine hervorragende Stellung und deshalb haben die alten Texte sich nicht über all die verschiedenen glückbringenden Ergebnisse ausgelassen.

In den ersten 10 Graden des Tierkreiszeichens Schütze - also auch in Hermann Hesses Chart - befindet sich Jupiter in seiner Mulatrikona-Stellung. Mulatrikona bedeutet "Wurzel-Trigon" und verleiht einem Graha eine Zeichenstärke, welche die der Stellung im eigenen Zeichen ("Svakshetra") noch übertrifft und nur noch von seinem Stand der Erhöhung ("Uchcha") übertroffen wird.

Jupiter im 2. Haus

Das, was der Planet Jupiter verkörpert: Wissen, Freude, Erfolg, Gesetz, Ganzheit - entfaltet sich in der Beschäftigung mit den Themen des 2. HAUSES: BESITZ, Sprache, Wissenserwerb, Familienleben, Nahrung.

Jupiter steht nicht ungünstig im zweiten Haus, nimmt aber andererseits hier im Gesamthoroskop keine besonders einflussreiche Stellung ein. Das 2. Haus profitiert also mehr von dieser Konstellation als Jupiter selbst und als das gesamte Horoskop.

Das Zusammensein mit den Angehörigen und dem Ehepartner gestaltet sich erfreulich. Der Erwerb von Wissen und der sprachliche Ausdruck werden gefördert, ebenso der Genuss gesunder und guter Nahrung.

All dies kommt auch dem beruflichen Erfolg zugute, da Jupiter vom 2. Haus starken Einfluss auf das 10. Haus nimmt. Viel hängt auch hier davon ab, ob Jupiter stark in seinem Tierkreiszeichen steht und welche Häuser er im Horoskop beherrscht.

Gelehrt. Brillanter Redner, der seine Zuhörer begeistert. Schönes Gesicht. Genießt ausgezeichnete Nahrung, aber möglicherweise zu viel davon. Ist großzügig und freigebig, wahrheitsliebend und tugendhaft, vermögend, intelligent, würdevoll, attraktiv und glücklich. Guter Geschmack. Aristokratische Manieren. Erfreuliches Ehe- und Familienleben. Wohlstand wird mühelos erworben. Besitzt Weisheit und Wissen. Zieht Glück und Erfolg an. Ist ein Dichter oder Astrologe und ein gefragter Ratgeber. Es wird als Gewinn angesehen, mit dem Geborenen zusammen zu sein.

Die Stellung im 2. Haus ist sicher nicht die einflussreichste und positivste Stellung, die Jupiter im eigenen Zeichen Schütze einnehmen kann. Andererseits ist die Stellung im Zeichen Schütze eine der besten, die Jupiter im 2. Haus einnehmen kann - die genannten positiven Auswirkungen von Jupiter im 2. Haus kommen also voll zum tragen.

Da Jupiter sich im Feuerzeichen Schütze befindet, ist hier die Läuterung des Willens und sein bewusster Einsatz für höhere, überpersönliche Werte im Vordergrund - das klare Erkennen und Verwirklichen von moralischen Prinzipien für das Zusammenleben der Menschen, sprachlicher Ausdruck mit Ausstrahlung und öffentlicher Wirkung, hervorragendes Wissens- und Bildungsniveau.

Jupiter als Herr des 5. Hauses im 2. Haus

[Anmerkung: Auch hier ist wieder zu beachten, dass der folgende Textbaustein "nichts davon weiß", dass es sich bei dem Planeten, der sich als Herr des 5. Hauses im 2. Haus befindet, in unserem Horoskop um Jupiter handelt, dass er dabei äußerst stark in seinem eigenen Zeichen Schütze steht usw.]

Der Planet beschäftigt sich mit den Themen des 2. Hauses: BESITZ, Sprache, Wissenserwerb, Familienleben, Nahrung - und organisiert damit die Angelegenheiten des 5. Hauses: KREATIVITÄT, Kinder, höheres Wissen, gutes Karma, Gottes Segen.

Besitzt großen Reichtum, viel Wissen. Erfreut sich einer glücklichen Ehe und einer großen Schar von Angehörigen. Sehr kreativer Sprachgebrauch. Was er sagt, bewegt viel. Glückliches Zusammensein mit den eigenen Kindern. Hervorragende Bildung. Nimmt nur beste Nahrung zu sich.

Im günstigen Fall mit einer schönen Frau und wohlerzogenen Kindern gesegnet, Gewinne durch die Regierung oder den König. Im ungünstigen Fall arm, verliert Geld durch den Unwillen der Regierung, kann seine Familie nicht ernähren, erlebt Missverständnisse und Kummer mit der Familie.

Allgemein aber große Intelligenz. Gelehrt. Ein Wissender. Karriere im Erziehungsbereich. Guter Redner. Kann Astrologe oder Mathematiker werden. Glückliches Familienleben. Große oder wohlhabende Familie. Reich. Gute Phantasie. Erlangt Wohlstand durch Tempel oder das Lehren religiöser Techniken, jedenfalls auf eine gute Weise.

MAHARISHI PARASHARA: Besitzt viele Söhne, Reichtum, ist Herr einer großen Familie, ehrenhaft, dem Ehepartner sehr zugeneigt und berühmt in der Welt.

ZUSAMMENFASSUNG: Die Stellung Jupiters im Horoskop Jupiter steht hervorragend und ist außerordentlich einflussreich, da er die Aktivität des Mondes bestimmt.

Der Jupiter ist durch seine Stellung im 2. Haus und gleichzeitiger Herrschaft über das 5. Haus und den Mond für Hesses kreative Dichtergabe verantwortlich ...

... und zugleich auch durch seinen starken Einfluss auf das 10. Haus für Hesses öffentliche Wirkung (Ruhm) ein maßgeblicher Faktor.

ZUSAMMENFASSUNG: Die Stellung des Mondes im Horoskop Ausgezeichnete Stellung des Mondes unter drei Hauptgesichtspunkten:

1. Der Mond steht stark im Zeichen Fische, im Zeichen seines Freundes Jupiter. Er erhält dadurch die Unterstützung des zudem selbst sehr gut gestellten Jupiter.

Auswirkung: Das Bewusstsein erfreut sich der besten Qualitäten des Zeichens Fische: Intuition, Weisheit, höhere Einsicht, innere Verbundenheit mit der glückseligen Einheit allen Lebens.

2. Er steht im 5. Haus, eines der förderlichsten und positivsten Häuser des Horoskops. Da Jupiter nicht nur der Herr, sondern auch der Karaka des 5. Hauses ist, wird sein positiver Einfluss doppelt spürbar.

Auswirkung: Kreativität, Inspiration, müheloser Erfolg, Gottes Segen für sämtliche Aktivitäten des persönlichen Denkens und Fühlens.

3. Der Mond steht als Herr des 9. Hauses im 5. Haus; dadurch werden diese beiden förderlichsten und segensreichsten Häuser des Horoskops über den Mond miteinander verbunden.

Auswirkung: Die seelisch-geistige Inspiration und Kreativität fördern die Religiosität/Spiritualität und heben das Niveau von Glück und Freude im gesamten Horoskop an. Müheloser Zugang zu den innersten freudevollen und kreativen Ebenen des eigenen Bewusstseins. Das gesamte Denken und innere Empfinden gestaltet sich so, dass es im Einklang mit höheren Werten steht und ein Gefühl für den Sinn des Lebens aufbaut.

Chandra erhält keinen vollen Aspekt von einem anderen Planeten, steht also so gut wie ausschließlich unter dem positiven Einfluss von Guru (Jupiter). Dichterische Inspiration (Jupiter im 2. Haus, das Wissen und Sprache beinhaltet) und damit verbundener Ruhm - Jupiter aspektiert voll das 10. Haus, das Haus der öffentlichen Geltung und aspektiert ebenso voll den Herrn (Surya) und den Karaka (Buddha) des 10. Hauses - sind wichtige Effekte hiervon.

Der dreifache Mond im Jyotish-Chart Das persönliche Bewusstsein, das Denken und Fühlen des Horoskopeigners, das Zentrum seines Erlebens und seiner Wahrnehmung, sein Geist (Manas) wird durch Chandra, den Mond, repräsentiert. Eine verfeinerte Untersuchung dieses wichtigsten Faktors sollte mit einbeziehen, dass der Zustand des Mondes und entsprechend des Geistes im Horoskop an drei verschiedenen Stellen im Horoskop, auf drei verschiedenen Ebenen in Erscheinung tritt:

1. "als Objekt": das 4. Haus, von dem der Mond der Karaka ist - die Chandas-Ebene

2. "als Prädikat": der Mond selbst als Graha - die Devata-Ebene

3. "als Subjekt": das Tierkreiszeichen Krebs, von dem der Mond der Herr ist - die Rishi-Ebene

Das 4. Haus stellt die konkreteste Ebene des Denkens und Fühlens dar, wie es in diesem Leben in der Kindheit von der Mutter und der Athmosphäre im Elternhaus beeinflusst wird. Hier ist der Mond - als Karaka des 4. Hauses - mehr Objekt als Subjekt und wird vom Tierkreiszeichen, das dem 4. Haus zugeordnet ist, von dem Herrn dieses Tierkreiszeichens und eventuell auch über etwaige Bewohner des 4. Hauses, geprägt; er wirkt natürlich auch auf diese zurück, ist aber nicht der aktivste Faktor. In Hermann Hesses Horoskop ist es der Saturn als Herr des 4. Hauses, der über die 3 "Kanäle" der Bewohner Rahu, Mangal und wiederum Shani selbst den sensiblen Fische-Mond beeinflusst - siehe weiter unten die ausführliche Untersuchung des 4. Hauses.

Eine tiefere psychische Ebene wird vom Mond selbst in seiner Stellung in einem Tierkreiszeichen und Haus im Horoskop angezeigt; diese zeigt den Zustand des "im Körper wohnenden" Bewusstseins an, mit dem es in dieses Leben getreten ist. Dies ist die aktivste, dynamischste Ebene des Denkens und Fühlens. Siehe dazu weiter oben die Erläuterungen zu Mond in Fische im 5. Haus.

Die tiefste, innerlichste, verborgenste, subtilste Ebene des Geistes ist mit dem Tierkreiszeichen Krebs verbunden. Mit welchem Haus-Thema und dem entsprechenden Karaka es sich verbindet und welche Planeten sich in ihm befinden oder es aspektieren und wo der Mond als Herr von Krebs sich von ihm aus befindet, gibt Aufschluss über die zarte Aktivität auf der feinsten Ebene des Bewusstseins. Siehe die Betrachtung des 9. Hauses im 2. Teil der Interpretation von Hermann Hesses Horoskop.

Wenn man diese drei Ebenen zusammen betrachtet, erhält man ein vertieftes Verständnis der Persönlichkeit von Hermann Hesse. Hier eine kurze, stichwortartige Zusammenfassung dazu, die im Bewusstsein von außen nach innen geht:

Die konkrete Ebene des Denkens und Fühlens ist gekennzeichnet durch eine Disziplinierung und Beruhigung eines kreativen, träumerischen, intuitiven, dichterischen, mystisch-religiösen Bewusstseins durch fixe, strenge geistige Vorstellungen davon, was nicht sein soll und sein darf und inneren Kämpfen gegen eine solche Disziplinierung - hier ist der Mars der Haupt-Unruhefaktor. Eine Ebene darunter folgt eben dieses sensible, starke und positive spirituelle Bewusstsein ungehindert seiner eigenen Natur und verwirklicht seine Bestrebungen - nur Förderung durch Jupiter, kein Unruhefaktor. Auf der tiefsten, innersten Ebene des Bewusstseins ist das Denken und Fühlen sehr stark auf Erleuchtung, Erkenntnis und spirituelle Erfüllung ausgerichtet und muss sich zugleich mit Versuchungen und Ablenkungen in Gestalt von "weltlichen" Wünschen und Begierden auseinandersetzen - hier ist die Venus der Haupt-Unruhefaktor.

Anmerkung: Dieses Prinzip der "dreifachen Natur" - als Haus-Karaka, als Graha und als Zeichen-Herr - lässt sich auf alle 7 Grahas von Surya bis Shani im Horoskop anwenden.

Wir kommen später noch einmal auf den Mond zurück, wenn wir das 4. und das 9. Haus untersuchen, betrachten aber zunächst einen weiteren wichtigen persönlichen Faktor des Horoskops: den Aszendenten (Lagna).

Aszendent allgemein

Aszendent Skorpion

Der Aszendent (Sanskrit: Lagna) entspricht dem Körper und damit dem Ich, dem persönlichen Bewusstsein eines Menschen, das sich an den Körper gebunden hat und diesen Körper als Instrument verwendet, um in seiner Welt zu handeln und Erfahrungen zu machen. So wie die Sonne im Osten aufgeht und damit ein neuer Tag beginnt, so verkörpert das im Moment der Geburt gerade am Osthorizont aufsteigende Tierkreiszeichen die Natur des Menschen, der gerade neu ins Leben trat, den Grundimpuls seiner Dynamik, mit der er der Welt gegenübertritt.

Der Osten steht für den Aufstieg, den Anfang von etwas und in diesem Anfang ist der gesamte Entwicklungsweg bereits enthalten, so wie in einem Samenkorn bereits der ganze Baum in extrem konzentrierter Form enthalten ist.

Der Aszendent, das 1. Haus, entspricht den Genen, der Erbinformation eines Menschen, d.h. der Ebene der inneren Intelligenz, von der aus sich das ganze Leben entfaltet. Diese selbe Intelligenz baut das äußere Erscheinungsbild, den Körper auf und prägt zugleich die innere Natur eines Menschen, seine Persönlichkeit.

So wie in der Systematik von Jyotish der Aszendent das gesamte Häusersystem - mit der Zuordnung der Tierkreiszeichen zu den Häusern, den Planeten in Tierkreiszeichen und Häusern usw. - aufbaut, so entfaltet die im Ich wirkende kreative Intelligenz das ganze Leben eines Menschen: ihn selbst und von diesem Punkt aus seine Welt, seine Erfahrungen, sein Leben, sein Schicksal.

Differenzierung: Auch Chandra, der Mond, verkörpert den Geborenen selbst, aber Chandra ist das Denken und Fühlen eines Menschen, er steht für das Seelenleben, die Psyche, die Persönlichkeit, während der Aszendent die grundlegende Art zu Handeln repräsentiert, die er verwirklicht, bevor er überhaupt nachdenkt - d.h. ein Mensch drückt auf sehr spontane, unmittelbare Weise die Qualitäten des Aszendenten in seiner eigenen Person aus. Der Geborene tritt der Welt gegenüber so in Erscheinung, wie es das Tierkreiszeichen ausdrückt, das im Geburtsmoment am Osthorizont aufging.

Das 1. Haus ist grundsätzlich das wichtigste Haus im ganzen Horoskop. Alles, was man über das erste Haus sagen kann, muss man in Erinnerung behalten, wenn man später die anderen Häuser beurteilt. Der Aszendent prägt und beeinflusst alles im Horoskop.

Der Planet, welcher der Herr des Tierkreiszeichens am Aszendenten ist, wird zum Herrn des 1. Hauses, zum Aszendentenherrscher (Lagnadhipati). Dieser wird auch der "Geburtsherrscher" eines Menschen genannt. Der Geborene ist in der Welt eine Verkörperung des Geburtsherrscher-Planeten. Die Stärke oder Schwäche des Geburtsherrschers, seine Stellung in Tierkreiszeichen und Haus, die Aspekte, die er erhält usw., bestimmen die Qualität des gesamten Horoskops.

Der Aszendent und der Herr des Aszendenten sind wie ein Filter, der die Einschätzung und Bewertung aller anderen Faktoren im Horoskop vorprägt.

Der Karaka oder Organisator des 1. Hauses ist Surya, die Sonne. Wie bei allen anderen Häusern gilt auch hier: der Karaka eines Hauses schafft die Voraussetzungen für das Haus und der Herr des Hauses bestimmt, was daraus gemacht wird.

In unserem Horoskop hier: Bei Geburt geht am Osthorizont gerade das Tierkreiszeichen Skorpion auf. Damit ist der Aszendent Skorpion und Mangal, der Planet Mars, ist als Herr des Zeichens Skorpion der Herr des 1. Hauses, Herr des Aszendenten und Geburtsherrscher. Der Karaka des 1. Hauses ist in jedem Horoskop Surya, die Sonne. Somit wirken in diesem Fall Surya und Mangal im 1. Haus zusammen: Surya schafft die Voraussetzungen für die Angelegenheiten des ersten Hauses und Mangal bestimmt, was aus diesen Voraussetzungen gemacht wird.

Bezeichnenderweise heißt Gesundheit im Sanskrit "Svastha" und das bedeutet wörtlich übersetzt: "im Selbst (sva) gegründet sein (stha.)" Gesundheit bedeutet also, daß die eigene innere Intelligenz das bestimmende Element im Leben ist und dieses Prinzip wird im Jyotish von Surya, der Sonne, repräsentiert.

Steht Surya in Haus und Tierkreiszeichen usw. günstig und stark, so sind die Voraussetzungen für die Angelegenheiten des 1. Hauses gut, d.h. der Mensch besitzt eine kräftige, gesunde Konstitution, natürliches Selbstvertrauen und Souveränität, hat einen guten Start ins Leben und "gute Eigenschaften in die Wiege gelegt bekommen". Bei ungünstiger, schwacher oder lädierter (Aspekt, Konjunktion) Stellung von Surya sind diese Voraussetzungen nicht so gut.

Der Herr des Aszendenten entscheidet dann, was aus den vom Karaka Surya geprägten günstigen oder weniger günstigen Voraussetzungen im Laufe des Lebens gemacht wird - oder genauer: was der Geborene selbst daraus macht. So kann man z.B. mit einer schwächlichen Konstitution (Surya schwach) sorgsam umgehen (Herr des 1. Hauses stark) und meistens ziemlich gesund sein oder aber eine starke Konstitution (Surya stark) über einen längeren Zeitraum hinweg systematisch zugrunde richten (Aszendentenherrscher schwach) und so schließlich dem Leiden anheim fallen.

Ein Tip: So, wie das Tierkreiszeichen am Aszendenten ausdrückt, was der Geborene ist, lassen die Qualitäten des Tierkreiszeichens des gegenüber liegenden 7. Hauses erkennen, was der Geborene nicht ist! Wenn man dies berücksichtigt, kann man die Eigenschaften des Geborenen noch prägnanter herausarbeiten!

In unserem Beispiel hier: Aszendent Skorpion, d.h. der Geborene und seine persönliche Art zu handeln sind geprägt von den 5 Haupt-Qualitäten "Durchsetzung, Vernichtungstrieb, Fanatismus, Befreiung und Ablehnung. Dies bedeutet, daß ihm zugleich die Eigenschaften des gegenüber liegenden Tierkreiszeichens Stier in hohem Grade fehlen, als da sind: "Ruhiger Genuss, Sinnenfreuden, Besitzstreben, Gemütlichkeit, materielle Bindungen."

Das 1. Haus ist als Trigonal-Haus (Trikona) ein sehr positives, unterstützendes Haus im Horoskop. Es ist zudem ein Eckhaus (Kendra), d.h. ein sehr wichtiges Haus, das einen außerordentlich dynamischen Einfluss auf das Leben hat.

Man sagt, daß es für das erste Haus am besten ist, wenn überhaupt keine Planeten sich im Haus selbst befinden, weil sonst leicht das Ego-Prinzip übermäßig ausgeprägt ist. Ist dies doch der Fall, sind die Herren der Häuser 5 und 9 am willkommensten im 1. Haus, denn diese Stellung bewirkt einen sogenannten Raja-Yoga, eine "königliche Konstellation", d.h. eine überaus erfolgversprechende Planetenstellung. Dies gilt insbesondere, wenn der Herr von 5 oder 9, der im 1. Haus steht, ein Wohltäterplanet ist und vom Tierkreiszeichen her große Stärke besitzt. Übeltäter-Planeten und insbesondere die Mondknoten Rahu und Ketu richten einigen Schaden an, wenn sie sich im Aszendenten befinden.

Bei Hermann Hesse befindet sich kein Graha im ersten Haus. Allerdings übt Saturn (Shani) per Aspekt einen starken Einfluss auf den Aszendenten aus - dazu später mehr.

Angelegenheiten des 1. Hauses, Entsprechungen des Aszendenten:

Das Ich. Ego, das Handeln - das Sanskrit-Wort für das "Ich" ist Ahamkara und bedeutet wörtlich übersetzt "Das Ich als Handelnder". Der Grundimpuls, mit dem ein Mensch in der Welt in Erscheinung tritt. Die Art und Weise, wie ein Mensch hervortritt und gleichsam ausdrückt: "Hier bin ich" wird durch die Qualitäten des Tierkreiszeichens ausgedrückt, dass dem Aszendenten entspricht.

Die Gesundheit. Körper, Körperbau, Konstitution, Aussehen, Erscheinungsbild, erster Eindruck. Start ins Leben, Geburt, frühe Kindheit. Die Erbmasse, Gene, DNS.

Selbstbewusstsein, Selbstständigkeit, Souveränität. Macht, Ausstrahlung. Kommandozentrale. Identität. Individualität. Persönliche Eigenart. Lebenskraft, Aura. Die innere Intelligenz. Ordnungsgebende Kraft. Das "Gesetz, nach dem man angetreten". Das Leben selbst. Evolutionskraft. Der Kopf, das Gehirn.

Lagna Vrishika - Aszendent Skorpion

Astrologisch gesehen wird das Tierkreiszeichen Skorpion durch die Kombination von folgenden vier Eigenschaften bestimmt:

Das Element ist das Wasser

Die Aktivitätsform ist beharrend

Der Mars ist Herr des Zeichens

Das Symbol ist ein Skorpion mit drohend erhobenem Stachel

Das Wasserelement entspricht der Welt der Gefühle und Empfindungen in ihrem ständigen Auf und Ab, die vom Zeichen Skorpion in Form konsequenten Voranschreitens manifestiert werden. Der kriegerische Mars ist der natürliche Repräsentant dieses Tierkreiszeichens, das konsequente Zerstörung all dessen, was nicht zur eigenen lebendigen Ordnung gehört, als Hauptmerkmal aufweist.

In Bezug auf die vier Lebensziele des Menschen entspricht das Wasserelement Moksha, der Bewusstseinsentwicklung bis hin zur Befreiung, zu vollkommener Erfüllung im Zustand der Erleuchtung.

Der Handlungsimpuls des Geborenen ist geprägt von folgenden 5 Eigenschaften: Durchsetzung, Vernichtungstrieb, Fanatismus, Befreiung, Ablehnung.

Traditionelle Aussagen zu Aszendent Skorpion:

Der Geborene ist eigenwillig, unabhängig, grausam, egoistisch, rachsüchtig, verletzend, mutig, durchsetzungsfähig, sarkastisch, extrem. Schwankt zwischen exzessiven Sinnenfreuden und Asketentum.

Hier zur Einstimmung noch ein paar Aussagen, die namhafte Jyotish-Autoren zu diesem Aszendenten gemacht haben. Bitte nicht immer all zu wörtlich nehmen:

Kapoor:

"Vrishika ist das negative Zeichen des Mangal und daher zeigen sich an Menschen mit Aszendent Vrishika andere Eigenschaften als bei denen mit Lagna Mesha, dem positiven Zeichen des Mangal. Dies ist nicht eines der guten Zeichen des Tierkreises. Es wird durch einen giftigen Skorpion bildlich dargestellt.

Unter diesem Zeichen Geborene haben im allgemeinen einen guten Charakter. Vrishika ist ein festes Zeichen. Daher zeichnet sich der Geborene durch sehr große Entschlossenheit aus. Er zermalmt Hindernisse, die sich ihm entgegenstellen und geht dann seinen Weg weiter. Selbst in auswegloser Situation wird er bis zum bitteren Ende weiter kämpfen.

Als Wasser-Zeichen verleiht Vrishika eine kreative Phantasie und eine scharfe Intelligenz. Der Geborene ist sehr emotional und besitzt eine bemerkenswerte Intuition. Als Arzt hilft ihm diese Fähigkeit, korrekte Diagnosen zu stellen.

Der Geborene ist selbstbewusst, durchsetzungsfähig, impulsiv, mutig, entschlossen, unabhängig, erregbar und kraftvoll in seiner Art. Er hat seine eigenen Vorlieben und Abneigungen und ist ein Extremist. Er ist entweder sehr sachlich und erfolgreich in Geschäftsdingen oder aber recht rücksichtslos. Er ist unnachgiebig und geht stets seinen eigenen Weg.

Vrishika ist ein stark sexuell betontes Zeichen. Unsere Erfahrung aus zahlreichen Horoskopen zeigt, daß Menschen mit diesem Aszendenten geradezu verrückt nach Sex sind. Ein übersteigertes oder unmoralisches Sexleben ist insbesondere dann festzustellen, wenn der Lagna, das 7. Haus sowie Guru und Shukra stark verletzt sind.

Bei günstigem Einfluss sind Vrishika-Geborene sehr stark an esoterischem Wissen und spiritueller Erfahrung interessiert. Viele gute Forscher und Gelehrte sind unter diesem Zeichen geboren.

Menschen mit Lagna Vrishika haben eine sehr scharfe Zunge und denken nur an sich selbst, d.h. sie sind ganz und gar egoistisch. Sie zögern nicht, sarkastische Bemerkungen loszulassen. Stets haben sie einen Vorrat an geheimem Wissen in Bereitschaft, mit dem sie andere treffen oder herabsetzen können. Sie sind rachsüchtig und wenn sie irgendwann von jemandem angegriffen oder verletzt werden, so werden sie zurückschlagen, selbst wenn sie ein Leben lang auf die Gelegenheit dazu warten müssen.

Es macht ihnen besonders Freude, andere zu kritisieren, um damit ihre eigene Überlegenheit unter Beweis zu stellen.

Einmal legte uns eine Frau das Horoskop ihres Ehemannes vor. Er hatte Lagna Vrishika und der Herr des Aszendenten stand sehr ungünstig. Wir sagten ihr offen, daß ihr Mann wohl eine sehr fordernde Art haben müsse. Daraufhin zeigte sie uns ihre Haut, die von Rohrstockhieben blaue Flecken aufwies. So sind Menschen mit diesem Lagna, wenn der Aszendent nicht von Planeten wie Guru positiv beeinflußt wird. Wie wir schon sagten: sie sind Extremisten; wenn sie die Kontrolle über sich selbst verlieren, sind sie zu den abscheulichsten Handlungen fähig.

Das Familienleben von Geborenen mit Lagna Vrishika kann nur dann glücklich sein, wenn sich ihnen alle anderen Familienmitglieder unterordnen. Einzig und allein das, was sie selbst sagen, zählt. Sie sind sehr verschwenderisch im Geldausgeben, vor allem für ihr eigenes Wohlbefinden und ihre eigenen Interessen, was zuweilen Probleme für das Familienleben bringt.

Die geeignetsten Berufe sind: Chemiker, Medizin, Versicherungswesen, Chirurgie, Armee, Polizei, Metzger und Marine. Auch erfolgreiche Detektive haben oft diesen Aszendenten.

Man sollte die oben aufgeführten Eigenschaften, die eine allgemeine Beschreibung von Menschen mit Lagna Vrishika darstellen, nicht dahingehend interpretieren, daß alle unter diesem Zeichen Geborenen schlechte Menschen sind. Der vor einiger Zeit ermordete indische Premierminister Rajiv Gandhi, ein hervorragender Staatsmann, hatte zum Beispiel Lagna Vrishika. Aber auch in diesem Fall kann man feststellen, daß einige der oben erwähnten Charakterzüge bei ihm anzutreffen sind."

Bhat:

"Der Geborene hat keine (gute) Beziehung zu Älteren und Lehrern, vermag auf intelligente Weise zu diskutieren, begeht grausame Handlungen, besitzt die Gunst des Königs, nimmt kein glückliches Ende, ist in der Kindheit kränklich, lebt nur kurz, hat Freunde, liebt die Dichtkunst, ist mächtig, scheinheilig in religiösen Dingen, faul und (rasch) erschöpft und ist gern mit Menschen aus den unteren Gesellschaftsschichten zusammen."

Raman:

"Großzügige Art. Unruhiger Geist. Lieben Aufregungen sehr. Starke sinnliche Tendenzen; gleichzeitig entfalten sie gern eine Philosophie der Kontrolle über die Sinnenfreuden. Frauen mit diesem Aszendenten zeigen männliche Tendenzen. Sind gute Korrespondenten. Pflegen Freundschaft mit Menschen aus aller Welt. Können Experten für Musik werden. Talent zu Kunst, Tanz usw. Haben zweifelsohne eine philosophische Ader.

Geringschätzung gegenüber Konventionen und überlieferten Verhaltensnormen. Behaupten sehr engagiert ihren eigenen Standpunkt, akzeptieren aber zugleich entgegengesetzte Ansichten. Sind still und würdevoll und wägen jedes Wort ab. Sind anregende Gesprächspartner und gute Schriftsteller. Verlassen sich oft zu sehr auf ihre eigene Intelligenz.

In der Partnerschaft erfahren sie oft wenig Glück einmal in Zusammenhang mit Unvereinbarkeit der Temperamente, zum anderen in Zusammenhang mit Krankheiten der Geschlechtsorgane des Partners; dies trifft nur dann nicht zu, wenn besondere andere Konstellationen einen Ausgleich bewirken."

Ojha:

"Grausamer Charakter. Früher Verlust des Vaters oder eines wichtigen Familienmitglieds. Gute Stellung im öffentlichen Dienst. Wird vom König oder der Regierung geehrt."

Soweit die teils lehrreichen, teils unterhaltsamen Aussagen der Astrologen zu Lagna Vrishika.

Förderliche und widrige Planeten für Aszendent Skorpion

Durch den Aszendenten wird allen Planeten die Herrschaft über bestimmte Häuser zugewiesen. Je nachdem, wie zufrieden die Planeten mit den Aufgaben sind, die ihnen zugeteilt wurden, werden sie zu sogenannten "funktionalen" Wohl- oder Übeltätern für den entsprechenden Aszendenten.

Für den Aszendenten Skorpion ergibt sich, angelehnt an Maharishi Parashara, der höchsten Autorität auf dem Gebiet der vedischen Astrologie, diesbezüglich folgendes Bild:

Sonne - Förderlich. Potentieller Yogakaraka. Herr von 10.

Mond - Wohltäter. Potentieller Yogakaraka. Herr von 9.

Mars - Neutral. Herr von 1 und 6.

Merkur - Übeltäter. Todbringend (Maraka). Herr von 8 und 11.

Jupiter - Wohltäter. Herr von 2 und 5.

Venus - Übeltäter. Todbringend (Maraka). Herr von 7 und 12.

Saturn - Übeltäter. Todbringend (Maraka). Herr von 3 und 4.

[Rahu] - Eher negativ.

[Ketu] - Eher positiv.

Alles, was Sie eben über den Aszendenten gelesen haben, ist sehr bedeutungsvoll, weil es die grundlegende Art und Weise beschreibt, wie der Geborene im Leben aktiv wird und anderen Menschen gegenüber in Erscheinung tritt.

Da es 12 Tierkreiszeichen gibt und eines davon den Aszendenten prägt, sind die obigen Ausführungen natürlich noch recht allgemein. Zu präziseren Erkenntnissen über die Natur eines Menschen gelangt man, wenn man denjenigen Planeten genauer betrachtet, dessen Aufgabe es ist, die im Aszendenten vorhandenen Qualitäten konkret zu verwirklichen. Dies ist der Herr des Aszendenten, das heißt der Herr desjenigen Tierkreiszeichens, das im Moment der Geburt gerade am Osthorizont aufging. Er wird Geburtsherrscher genannt und ist - neben dem Mond - der wichtigste Planet im gesamten Horoskop.

Mangal (Mars) als Herr des Aszendenten

Der Herr des Aszendenten ist Mangal, der Planet Mars. Man kann sagen, dass der Geborene, was sein Handeln in der Welt betrifft, eine irdische Verkörperung des kosmischen Mars-Prinzips ist!

Hier der Textbaustein zu Mangal:

Sanskrit-Namen des Mars sind Mangal oder Kuja - das wird "Kuhdscha" gesprochen. Mangal verkörpert Wille, Durchsetzung, Kampf, Streit, Konflikt, Gewalt, Schnelligkeit, Ungestüm, Hitze und Schärfe.

Parashara beschreibt Mangal so: Mangal ist die Stärke eines Menschen, der Armeeführer im Regierungskabinett der Planeten, von blutroter Farbe, männlichen Geschlechts, gehört zur Berufsgruppe der Krieger. Guna ist Tamas (destruktive Dumpfheit).

Im Horoskop gibt die Stellung von Mangal Auskunft über die Handlungs- und Durchsetzungsfähigkeit, die Art, mit Konflikten umzugehen, den Ehrgeiz, die Kraft und Willenskraft und den Ehrgeiz eines Menschen. Die Mars-Energie ist dazu da, die Absichten des Geistes in einer feindlichen Umgebung durchzusetzen und alle Widerstände im Äußeren zu überwinden.

Davon abgeleitet: die Geschwister, mit denen man schon früh seine Kräfte misst, Waffen, Verletzungen, Schmerz und Wunden, Männlichkeit, Kriege, Energiequellen, Kraftwerke usw. Im menschlichen Körper sind das Immunsystem und insbesondere die weißen Blutkörperchen Ausdrucksformen des Mars-Prinzips.

Mangal ist der Herrscher des Tierkreiszeichens Widder, welches die Bewusstseins-Qualitäten Dynamik, Aggressivität, Durchsetzungswille, Impulsivität und Kreativität zum Ausdruck bringt und des Zeichens Skorpion, dessen geistige Qualitäten Durchsetzung, Vernichtungstrieb, Fanatismus, Befreiung und Ablehnung sind.

Am hervorragendsten steht Mangal im Tierkreiszeichen Steinbock, weil dort die gefährliche Mars-Energie vollständig diszipliniert und in unermüdliche Arbeit umgesetzt wird. Im Zeichen Krebs ist Mars extrem ungünstig plaziert, denn im innersten, zartesten Bereich des Denkens und Fühlens wird die kämpferische Willensenergie nicht nur geschwächt, sondern richtet auch in Gestalt negativer Emotionen großen Schaden an.

Mangal ist Karaka oder Organisator des 3. Hauses (Aktivität, Ehrgeiz, Unruhe, Konkurrenzkampf, jüngere Geschwister) und des 6. Hauses (Feinde, Probleme, Streit, Krankheit, Immunsystem).

Mangal ist ein Übeltäter

Mars gilt als ausgeprägter Übeltäter-Planet, weil sein Wirken stets mit Aggressivität, Kampf und Schmerz verbunden ist.

Die fünf wichtigsten Eigenschaften von Mangal - und damit des Geborenen - sind: Stärke, Durchsetzung, Kampf, Aggressivität, Dynamik.

Die Stärke des Geburtsherrscher-Planeten entsprechend seiner Stellung im Tierkreiszeichen sowie seine Stellung in einem Haus ist außerordentlich wichtig für das gesamte Leben.

Wenn Sie die folgende Analyse der Stellung des Geburtsherrschers Mangal lesen, seien Sie sich bitte bewusst, daß hier nicht etwas über irgend einen Planeten im Horoskop gesagt wird, sondern über einen ganz zentralen Faktor.

Die Stellung von Mangal im Horoskop wird durch die folgenden drei Hauptfaktoren definiert:

Mangal steht im Tierkreiszeichen Kumbha (Wassermann).

Mangal steht im 4. Haus.

Mangal ist Herr des 1. und des 6. Hauses.

Mars in Wassermann

Das, was der Planet Mars verkörpert: Stärke, Durchsetzung, Kampf, Streit, Dynamik - ist geprägt durch die Eigenschaften des Tierkreiszeichens Wassermann: Stille, Zurückhaltung, Zeuge sein, Transzendenz, Überpersönliches.

Die Rückzugs-Dynamik des Bewusstseins, die das Zeichen Wassermann repräsentiert, geht eine seltsame Verbindung mit der dynamischen, kämpferischen, nach außen gerichteten Mars-Energie ein - das Bild eines Rückzugs-Gefechts.

Einsatz und Kampf ohne innere Anteilnahme, uninteressiert, gelangweilt, sehr kühl und mitunter mitleidlos. Nur im günstigsten Fall als erleuchtetes Handeln zu interpretieren. Handelt, um seine Ruhe zu haben, d.h. seltsam gleichgültige Art, aktiv zu sein, in der keine persönliche Motivation sichtbar wird.

Keine erfreuliche Erscheinung. Grausam. Nicht wohlhabend. Voller Sorgen. Wandert ziellos umher. Verdient sich seinen Lebensunterhalt durch harte Arbeit und unter Schwierigkeiten. Unglücklich, geizig, arm. Nicht wahrhaftig. Unabhängig. Nicht weise. Vergibt und vergisst rasch. Konventionell. Mürrisch. Nachdenkliche Art.

Traditionell heißt es: diese Stellung von Mangal verneint Freundlichkeit, Keuschheit und andere Tugenden des Geborenen.

Weil Mars und der Herr des 4. Hauses, Saturn, in Hesses Horoskop in demselben Zeichen und Haus stehen, sind sie temporäre Feinde. Dies hat zur Folge, dass Mars in diesem Fall im Zeichen seines Feindes Saturn steht und umgekehrt sogar dem Saturn extrem feindlich gesonnen ist. Dies ist also von den zwei Varianten von "Mars in Wassermann" die ungünstigere.

Der Konflikt zwischen Mars und Saturn wird noch dadurch verschärft, dass beide sich in demselben Zeichen und Haus befinden und hier unmittelbar miteinander konfrontiert werden.

Wassermann (Kumbha) ist das fixe der 3 Luftzeichen. Luft bedeutet die Ebene geistiger Aktivität (Feuer für Willen und Tatkraft, Wasser für Gefühle, Erde für konkrete materielle Dinge/Prozesse). Mars in Wassermann hat somit auch mit dem sturen, unbeugsamen (fix) und kämpferischen (Mars) Einsatz für oder gegen fixierte geistige Vorstellungen zu tun. Da Mars dem Saturn, der das Zeichen Wassermann vertritt, hier extrem feindlich gesonnen ist, trifft in Hesses Fall definitiv das gegen zu.

Mars im 4. Haus

Das, was der Planet Mars verkörpert: Stärke, Durchsetzung, Kampf, Streit, Dynamik - entfaltet sich in der Beschäftigung mit den Themen des 4. Hauses: SEELENLEBEN, Heim, innerer Friede, Privatleben, Mutter.

Schmerzhafte Konflikte im eigenen Inneren, psychische Leiden, Streit und Agressionen im Elternhaus, eine unglückliche Mutter, Krieg oder Bürgerkrieg in der Heimat, Verluste und Prozesse um Haus und Heim werden von der grundsätzlich ungünstigen Stellung des Kriegsplaneten Mars im wichtigen und sehr sensiblen vierten Haus angezeigt.

Der verborgenen Natur des vierten Hauses entsprechend werden übrigens auch schwerste Konflikte im Zusammenhang mit den genannten Themen des vierten Hauses nach außen hin zunächst kaum sichtbar, sondern zeigen sich erst, wenn man den Geborenen sehr gut kennt.

Nur bei einer Anhäufung von ausgesprochen günstigen Einflüssen anderer Faktoren im Horoskop werden positive Deutungen wie "Stärke aus dem eigenen Inneren gewinnen" oder "Elternhaus und starke Psyche als Ursprung großer Tatkraft im Leben" in gewissem Grade zutreffen.

Viel Frustration durch Krieg im eigenen Inneren, daher wenig innerer Frieden und innere Freude. Kein Glück durch die Mutter, Fahrzeuge und Besitztümer.

Streit im Elternhaus, Erbstreitigkeiten. Privatleben und persönliche Beziehungen sehr durch Konflikte belastet. Probleme in der Schule.

Besitzt ein Fahrzeug mit viel PS und ist ein rücksichtsloser Autofahrer oder Raser. Gefahr von Unfällen mit Fahrzeugen.

Der Karaka (Organisator) des 4. Hauses ist Chandra, der Mond, dessen sehr positive Stellung im Horoskop wir bereits hervorgehoben haben. Chandra zeigt sich als bester Freund gegenüber Mangal, Mangal als Freund gegenüber Chandra. Mangal findet also im 4. Haus beste Voraussetzungen für seine eigene Aktivität vor und vermag diese auch gut zu nutzen.

Als aggressiver Übeltäterplanet ist Mars im 4. Haus nicht willkommen, zumal er von hier aus als Karaka des 3. und 6. Hauses Unruhe und Konkurrenzkampf (3. Haus) sowie Streit und Probleme (6. Haus) organisiert. Er macht das 4. Haus zu einem Kriegsschauplatz.

Vom Mars aus betrachtet sollte die Stellung in einem der wichtigen Kendras (Eckhäuser) zwar seinen Einfluss stärken, aber das 4. Haus ist in dieser Beziehung das üngünstigste Haus für Mangal - seine Richtungsstärke (Digbala) ist hier null.

Fazit: sowohl für das 4. Haus als auch für Mangal ist diese Stellung ungünstig.

Mars im 4. Haus als Herr des 1. Hauses

[Anmerkung: Auch hier ist wieder zu beachten, dass der folgende Textbaustein "nichts davon weiß", dass es sich bei dem Planeten, der sich als Herr des 1. Hauses im 4. Haus befindet, in unserem Horoskop um Mars handelt, dass er dabei schwach im Zeichen Wassermann steht, zugleich auch Herr des 6. Hauses ist, mit dem Herrn des 4. Hauses (Saturn) in Konjunktion steht usw.]

Der Planet beschäftigt sich mit den Themen des 4. Hauses: SEELENLEBEN, Heim, innerer Friede, Privatleben, Mutter - und organisiert damit die Angelegenheiten des 1. Hauses: ICH, Körper, Grundimpuls, Persönlichkeit, Selbstdarstellung.

Der Geborene hat eine sehr intensive Beziehung zu seiner Mutter. Seine Persönlichkeit ist stark vom Elternhaus und Erlebnissen in der Kindheit geprägt. Selbstverwirklichung bedeutet ihm Erlangung von innerer Zufriedenheit. Überhaupt sind seelische Vorgänge für das eigene Erleben von zentraler Bedeutung. Erfolg oder Misserfolg im Leben sind von der Harmonie des Privatlebens und dem Gefühl der inneren Geborgenheit abhängig. Im günstigen Fall ein in sich fest gegründeter, sehr spiritueller Mensch oder Mystiker.

Erlangt ein eigenes Haus, Landbesitz, Fahrzeuge, Boote usw. und viele >unbewegliche Güter< (Immobilien). Gute Stellung in der Gesellschaft, erwirbt sich Respekt. Glück durch die Mutter. Erbt Familienbesitz. Erfolgreiche Erziehung und Bildung. Langes Leben und gute Gesundheit. Glückliches Gemüt. Ausgeprägtes Interesse für Psychologie oder Spiritualität und Erleuchtung.

MAHARISHI PARASHARA sagt: Erfährt Glück in Bezug auf Vater und Mutter, wird viele Brüder haben, ist lüstern, tapfer und charmant.

Die Verbindung der beiden zentralen Eck-Häuser (Kendra) 1 und 4 ist positiv zu bewerten. Ein natürlicher Übeltäter-Planet wie Mangal hört auf, ein Übeltäter zu sein, wenn er Herr eines Kendra ist. Dies entschärft die unpassende Stellung des Mars im sensiblen 4. Haus etwas.

Mars im 4. Haus als Herr des 6. Hauses

[Anmerkung: Auch hier beachten, dass der folgende Textbaustein "nichts davon weiß", dass es sich bei dem Planeten, der sich als Herr des 6. Hauses im 4. Haus befindet, in unserem Horoskop um Mars handelt, dass er dabei schwach im Zeichen Wassermann steht, zugleich auch Herr des 1. Hauses ist, mit dem Herrn des 4. Hauses (Saturn) in Konjunktion steht usw.]

Der Planet beschäftigt sich mit den Themen des 4. Hauses: Seelenleben, Heim, innerer Friede, Privatleben, Mutter - und organisiert damit die Angelegenheiten des 6. Hauses: Feinde, Probleme, Streit, Krankheit, Immunsystem.

Konfliktreiches Privatleben, worunter auch die berufliche Aktivität leidet. Viel Ärger mit der Mutter. Heftige seelische Konflikte stören die innere Zufriedenheit. Streit und Prozesse in Zusammenhang mit Haus, Wohnung, Fahrzeugen und dem elterlichen Erbe, die den Geborenen innerlich stark mitnehmen.

Wohnen in einem verfallenen Gebäude, Abbruch der Ausbildung und Verlust der Mutter. Streit mit der Mutter, elterliches Erbe wird gepfändet, der Geborene arbeitet als Diener oder Knecht und führt ein armseliges Leben. Ärger mit Untergebenen.

MAHARISHI PARASHARA: Erfährt kein Glück in Bezug auf seine Mutter, ist intelligent, ein Klatschmaul, eifersüchtig, von wankelmütigem Geist und sehr reich.

Seiner eigenen Natur entsprechend macht Mars das Haus, in dem er steht, zu einer Quelle von Konflikten, Kämpfen, Streitigkeiten, Problemen usw., u.a. auch, weil er stets der Karaka des 6. Hauses ist. Er benutzt das Szenario des 4. Hauses und baut daraus das Szenario des 6. Hauses auf. Dies wird hier noch dadurch verstärkt, dass er zudem auch noch der Herr des 6. Hauses ist. Dies verschärft den beunruhigenden, aufwühlenden, Probleme erzeugenden Einfluss, den Mars ohnehin durch seine deplazierte Stellung im 4. Haus hat.

Es ist übrigens die Herrschaft über das 6. Haus, die bewirkt, dass Mars für den Aszendenten Skorpion in der Bilanz nur als "neutral" gewertet wird - eigentlich ist der Herr des 1. Hauses ein funktionaler Wohltäter für ein Horoskop.

Mars aspektiert das 7., 10. und 11. Haus Es ist die Spezialität von Mangal, außer dem ihm gegenüberliegenden Haus auch das 4. und 8. Haus von sich selbst aus gesehen mit vollem Einfluss zu aspektieren.

Das 4. Haus vom 4. Haus ausgesehen ist das 7. Haus - bei solchen Zählungen tippt man immer auf das Haus, in dem der Planet selbst steht, sagt "1", zum nächsten Haus dann "2" usw. All das, was man über die Stellung von Mangal im Horoskop sagen kann, wirkt sich also auch auf das 7. Haus aus, dessen fünf Hauptthemen "EHEPARTNER, Begegnung, Austausch, Ergänzung, Welt." sind.

Die Stellung von Mars im 4. Haus mit dem vollen Einfluss auf das Haus der Partnerschaft wird auch als "Kuja-Dosha" bezeichnet - "Kuja" (spricht sich "Kuhdscha") ist ein anderer Name für Mangal/Mars. Wenn in Indien die Horoskope von potentiellen Ehepartnern vom Astrologen auf ihre Verträglichkeit hin überprüft werden, gilt Kuja-Dosha als sehr problematisch - verständlich, weil die inneren Konflikte, die Mars im 4. Haus anzeigt, sich voll auf das Eheleben auswirken. Eine gute kleine Abhandlung in deutsch über Kuja-Dosha kann man hier finden.

Auch das 10. Haus "ÖFFENTLICHKEIT, Staat, Ruhm, gesellschaftliche Stellung, Beruf" und das 11. Haus "WUNSCHERFÜLLUNG, Einkommen, Erwerbstätigkeit, Förderung, Freunde" bekommen die Auswirkungen der Aktivität von Mangal in Haus 4 sehr direkt zu spüren.

Die Shashtiamsa-Qualität (60.tel) von Mangal ist "Vishadagdha" Die Qualität des 60tel-Abschnitts, in dem Mars im Zeichen Wassermann steht, ist "Vishadagdha"; dies ist eine negative Qualität und bedeutet "vergiftet, voller Kummer". Ein Teilaspekt der Funktion des Mars ruft diesen Effekt hervor.
ZUSAMMENFASSUNG der Stellung des Geburtsherrschers Mars im Horoskop Die Stellung des Geburtsherrschers Mars im Horoskop ist nicht günstig. Sowohl im Zeichen Wassermann als auch im 4. Haus ist Mars in Hesses Horoskop deplaziert. Er ist hier ein Störfaktor und Unruhestifter und wird von Shani und Rahu, den mächtigsten Kräften, die im 4. Haus wirken, auch als solcher behandelt. Einzig der Mond als Karaka des 4. Hauses ist ein unterstützender Faktor für Mangal.

Mangal vermag zwar von den günstigen Vorraussetzungen zu profitieren, die der Mond im 4. Haus schafft, wird aber durch Saturn, den Herrn des 4. Hauses, in seiner Entfaltung behindert.

Wassermann verkörpert eine Bewusstseinsdynamik, in der die geistige Aktivität sich von den Objekten der Wahrnehmung zurückzieht. Der Mars in diesem Zeichen wird in diese Rückzugsdynamik einbezogen. Mars ist ein Krieger. Er will kämpfen, nicht sich zurückziehen oder fliehen, findet sich aber in einer Situation wieder, in der der Rückzug unvermeidbar ist. Er wehrt sich dagegen und es ist ihm verhasst.

Die 60tel-Qualität "vergiftet, voller Kummer" kommentiert diese Situation. Ebenso die Tatsache, dass Mars in Hesses Horoskop alt ist - ebenso wie Surya und Chandra. Ein alter, verletzter Krieger, der sich aus dem Krieg ins eigene Innere (4. Haus) zurückziehen muss - bzw. in den Krieg im eigenen Inneren zurückziehen muss. Von mächtigen Feinden umgeben - Mangal steht tatsächlich in der Mitte zwischen Rahu und Shani im 4. Haus. Dabei stehen sowohl Rahu als auch Shani im 4. Haus stark in ihrem eigenen Zeichen Wassermann und Mars hier bei weitem am ungünstigsten und schwächsten.

Zudem hat Mars null Richtungsstärke (Dig-Bala, DB) im 4. Haus, da er am stärksten im 10. Haus steht.

Hesse hat dieser Konstellation dadurch eine positive Note gegeben, dass er sich der Kriegsopferfürsorge gewidmet hat - siehe Kurzbiografie-Link, dort ab 1914.

Die Sonne (Surya) als Karaka des 1. Hauses Für die Beurteilung des Aszendenten /ersten Hauses muss neben dem Herrn des 1. Hauses auch immer Surya als Karaka (Organisator) des 1. Hauses in Betracht gezogen werden - danach auch das Zusammenwirken von Herr und Karaka.
Surya in Zwillinge Das, was die Sonne verkörpert: Selbstbewusstsein, Gesundheit, Souveränität, Ich, Körper - ist geprägt durch die Eigenschaften des Tierkreiszeichens Zwillinge: Sprache, Kommunikation, Munterkeit, Intelligenz, Witz.

Der Geborene ist ein Gelehrter oder Intellektueller. Die körperliche Konstitution ist nicht besonders stark. Selbstbewusstsein und körperliches Wohlbefinden sind in besonderem Grade davon abhängig, wie erfolgreich die Kommunikation mit der Umgebung gestaltet werden kann. Im günstigen Fall ein sprachgewandter, heiterer, munterer, witziger, intelligenter, zivilisierter und origineller Mensch, bei ungünstigen Einflüssen ein oberflächlicher Schwätzer, Stubenhocker und Theoretiker, der wenig Stärke und innere Substanz besitzt.

Genießt eine gute Erziehung, ist gelehrt und hat eine Vorliebe für Astrologie, Astronomie oder Grammatik. Intelligent, klug, wohlhabend und locker im Umgang mit anderen Menschen. Hat ein gutes Gedächtnis. Ist höflich und hat eine angenehme Art zu sprechen. Gelehrt. Weiß viel. Gebildet. Anpassungsfähig. Anregender Gesprächspartner. Schüchtern. Zurückhaltend. Zeigt ein gutes Verhalten, ist ein Experte für weltliches Wissen und kennt die entsprechende Literatur sehr gut.

Die Tradition sagt zudem: hat gewissermaßen zwei Mütter.

Surya steht mit Buddha (Merkur), dem Herrn des Zeichens Zwillinge, zusammen im 8. Haus, steht somit im Zeichen des Feindes und hat selbst eine neutrale Haltung gegenüber Buddha. Dies ist die ungünstigere Variante der Stellung der Sonne in Zwillinge.

Surya im 8. Haus Das, was die Sonne verkörpert: Selbstbewusstsein, Gesundheit, Souveränität, Ich, Körper - entfaltet sich in der Beschäftigung mit den Themen des 8. Hauses: Katastrophe, Überforderung, Überlebenskampf, Loch, Opfer.

Die Angelegenheiten des Hauses, in dem seine Sonne steht, erweisen sich für einen Menschen als höchst bedeutsam für sein Selbstwertgefühl und sein gesamtes Leben - steht sie im achten Haus, so gewinnt alles, was die eigene Existenz bedroht, was zutiefst problematisch ist, ihn dauerhaft extrem herausfordert und ihn dazu zwingt, über seine Begrenzungen und seine physische Kraft hinaus zu gehen diese zentrale Bedeutung.

Wenn die Sonne nicht in ihrem Tierkreiszeichen ausgesprochen stark steht und zudem förderliche Aspekte von anderen Planeten erhält, sind mit dieser Stellung der Sonne überaus belastende und schwer zu ertragende Erfahrungen im Leben verbunden.

Immer wieder steht der Geborene im Mittelpunkt von Katastrophen und wird gezwungen, große Schwierigkeiten zu meistern - und es ist, zumindest für Außenstehende, recht klar zu erkennen, dass diese problematischen Grenz-Situationen irgendwie in der Person des Horoskopeigners selbst begründet sind. er sucht gleichsam - bewusst oder unbewusst - die Überforderung, weil er sich gerade in dieser Situation lebendig und als er selbst fühlt.

Dies ist für das normale "bürgerliche Leben" eine sehr ungünstige Konstellation, die aber auch die Möglichkeit für sehr ungewöhnliche, faszinierende Erlebnisse bietet, insbesondere auch für eine spirituelle Entwicklung - durch "Stirb und Werde" zum höheren Selbst. Im ungünstigen Fall wird diese extreme Stellung der Sonne mit einem geradezu vernichteten Selbstwertgefühl und schweren gesundheitlichen Problemen verbunden sein.

Mittlere Lebensdauer. Probleme mit dem Vater, der viel leidet oder früh stirbt. Augenprobleme. Gefahr von chronischen Krankheiten und Unfällen. Probleme mit Autoritäten. Im günstigen Fall Gewinne aus Erbschaften oder Versicherungen und durch den Ehepartner und unerwartete Gewinne.

Surya und der Karaka des 8. Hauses, Saturn, sind wechselseitig Todfeinde. Dies ist somit die ungünstigere der beiden Varianten von Surya in 8.

Surya in Zwillinge und Surya im 8. Haus zusammengedacht: Durch die Stellung im 8. Haus tritt der locker-witzige Kommunikator in den Hintergrund und der ernsthafte Denker und Gelehrte in den Vordergrund. Nervöse Beschwerden sind ebenfalls angezeigt bzw. die Notwendigkeit, sich strenger Disziplin und Opfern zu unterwerfen, damit Gesundheit und Selbstbewusstsein nicht zu sehr leiden.

Der Herrscher Surya wird von seinem Minister Buddha kontrolliert - Buddha/Merkur ist Herr des Zeichens Zwillinge, in dem Surya steht. Dies stärkt Buddha, schwächt aber Surya. Im 8. Haus, wo es ums Überleben geht und harte Probleme sich aufdrängen, kann Schwäche tödlich sein.

Im Zeichen des Feindes Buddha, der sich selbst auch im Haus befindet, und im Haus des Todfeindes Shani - die Stellung von Surya ist sehr problematisch. Selbstzweifel, Unruhe, Nervosität, Nervenschwäche, Tendenz zu destruktiven Gedanken sind angezeigt - auch die Selbstmordbedrohung, die biografisch belegt ist.

In der Wikipedia steht:

"Im Jahr 1900 wurde Hesse wegen seiner Sehschwäche vom Militärdienst befreit. Das Augenleiden hielt zeitlebens an, ebenso wie Nerven- und Kopfschmerzen."

Im Internet habe ich eine PDF-Datei von Detmar Roloff mit dem Titel "ADSH (Aufmerksamkeitsdefizit-Syndrom mit Hyperaktivität) - Hermann Hesse, ein beispielhafter Fall?" gefunden. Ein sehr spezieller medizinischer Blickwinkel, aber durch seine zahlreichen Zitate von Hermann Hesse, seiner Mutter usw. (sogar mit Datum) biografisch und astrologisch ausgesprochen interessant (in Wikipedia heißt es übrigens 'ADHS', nicht 'ADSH').

Zusammenwirken von Herr und Karaka des 1. Hauses Erinnerung: Der Karaka eines Hauses schafft die Voraussetzungen für ein Haus, der Herr des Hauses macht dann etwas aus diesen Voraussetzungen.

Surya als Karaka des 1. Hauses und Mangal als Herr des 1. Hauses nehmen zueinander eine neutrale Haltung ein. Sie werden also relativ harmonisch zusammenwirken, wenn es ihrem jeweiligen Eigeninteresse entspricht und ggf. gegeneinander arbeiten, wenn es ihrem Eigeninteresse entspricht. Das Zusammenwirken von beiden ist somit mittelmäßig bzw. leicht positiv, da beide eine natürliche Freundschaft verbindet, die nur durch ihre temporäre Stellung zueinander zu einer neutralen Haltung etwas "abgekühlt" ist.

Da Surya und Mangal jedoch jeder für sich nicht günstig steht, wird auch von ihrer Zusammenarbeit kein gutes Ergebnis zu erwarten sein.

ZUSAMMENFASSUNG: Die Bewertung des Aszendenten im Horoskop und der Einfluss von Saturn Schon beim Überfliegen der obigen Texte und Textbausteine zum Aszendenten und Aszendentenherrscher ist zu erkennen, dass die Stellung des Aszendenten in Hesses Horoskop bei weitem nicht so positiv und unproblematisch ist wie die des Mondes.

Der persönliche Handlungs-Impuls eines Menschen mit Aszendent Skorpion ist es, sich von der Gefühlsebene aus radikal und kompromisslos von allem zu befreien, was nicht der eigenen Natur entspricht.

Die Stellung von Surya als Karaka des 1. Hauses im anregbaren Luftzeichen Zwillinge im 8. Haus zeigt eine unruhig-nervöse körperliche Konstitution an, die erheblich unter Druck steht und keine passende Grundlage für das fanatisch-kämpferische Aktions-Programm des Zeichens Skorpion zur Verfügung stellt.

Das auf Sprache und Kommunikation mit der Umgebung angewiesene Selbstbewusstsein und die Konstitution eines Denkers (Sonne in Zwillinge) sind wenig geeignet, die "brutale" Aktivität eines Kriegers (Aszendent-Skorpion) zu unterstützen. Mars und Merkur, die Herren der Zeichen Skorpion und Zwillinge, sind natürliche Feinde - der klassische Gegensatz zwischen Militärs und Intellektuellen; dieser Gegensatz wird etwas gemildert durch die neutrale Beziehung von Surya und Mangal.

Der Aszendentenherrscher Mars soll den persönlichen Freiheitskampf (Aszendent Skorpion) konkret umsetzen. Da Mars im 4. Haus steht, findet dieser Kampf im eigenen Seelenleben und im Elternhaus statt.

Der Mond als Karaka des 4. Hauses ist bester Freund von Mars und bietet daher gute Vorausetzungen für die angestrebte innere Befreiung. Der Mond verkörpert auch die Mutter.

Saturn, der Herr des 4. Hauses, ist ein Feind von Mars. Mars steht im Zeichen (Wassermann) seines Feindes Saturn und dies bedeutet, dass der angestrebte Freiheitskampf nur schwer zu verwirklichen ist. Saturn steht zudem noch als mächtigster Planet selbst im eigenen Zeichen im 4. Haus, er lehnt den Mars-Impuls ab und unterdrückt ihn. Die Einflusstabelle gibt den Einflusswert von Saturn im 4. Haus mit 10, den von Mars mit 3.1 an.

Der Einfluss des Saturn wird noch weiter dadurch gesteigert, dass er einen starken Einfluss auf das 1. Haus ausübt (voller Aspekt auf den Aszendenten) und Surya, der Karaka des 1. Hauses, sich im Haus des Saturn befindet (Saturn ist Karaka des 8. Hauses).

Umgekehrt ist Mars der Todfeind von Saturn, d.h. der unterdrückende, disziplinierende Einfluss von Saturn ist dem Mars extrem verhasst. Mars ist also in diesem Konflikt dem mächtigeren Saturn gegenüber noch weit weniger kompromissbereit als dies umkehrt der Fall ist.

Die Entfaltung des Aszendenten-Impulses wird durch den Einfluss des Saturn extrem behindert, verlangsamt und frustriert. Allerdings muss man hierbei beachten, dass Saturn im vierten Haus ein vergleichsweise positiver Faktor ist, der mit Mars einen problemerzeugenden, negativen Faktor im vierten Haus ruhigstellen will.

Um die aktive, kämpferisch-befreiende Tatkraft (Mars als Herr des Aszendenten Skorpion) ist es nicht gut bestellt. Sie ist ins eigene Innere (4. Haus) und ins Geistige (Luft-Zeichen Wassermann) verlagert, auf dem Rückzug (Wassermann) und mit mächtigen Widerständen konfrontiert, alt, müde, resigniert und frustriert. Shani (Saturn) ist für den Aszendenten von ähnlich starkem Einfluss wie der zuvor beschriebene Einfluss des Guru (Jupiter) auf Chandra (den Mond); Shani hat Herrschaft über den Geburtsherrscher Mars, aspektiert den Aszendenten voll und der Karaka des 1. Hauses (Surya) befindet sich im Haus des Saturn. In der Einflusstabelle ist zu sehen, dass Saturn mit Einflusstärke 5.2 noch vor Mars (Einflusstärke 4.0) das 1. Haus dominiert.

Man könnte daher an dieser Stelle ausführlich auf die Stellung des Saturn im Horoskop eingehen. Dies werde ich jedoch erst bei der Analyse des 4. Hauses tun.

Der Aszendent und die körperliche Erscheinung Der Aszendent, der Herr des Aszendenten und alle Faktoren, die intensiv damit verbunden sind, prägen auch die Gesichtszüge und die körperliche Erscheinung eines Menschen.

Der Einfluss von Saturn ist in Hesses Gesichtszügen deutlich zu sehen - es ist hier sehr viel Disziplin, kontrolliertheit und Ruhe zu erkennen. Das Zeichen Skorpion drückt sich in den markanten Gesichtszügen und der konzentrierten Intensität des Ausdrucks aus. Beides zusammen konstitiert die asketische Gesamterscheinung. Die Sanftheit und Klarheit des Blickes ist dem Mond zuzuschreiben.

Eine solche Zuordnung ist natürlich auch subjektiv. Im Fall von Hermann Hesse bin ich persönlich jedenfalls in Bezug auf die Übereinstimmung meiner Wahrnehmung seiner Erscheinung auf den Fotos mit dem Jyotish-Chart sehr zufrieden.

SYNTHESE: Geist und Körper, Mond und Aszendent Aus der Sicht von Jyotish als Teil des Veda ist der Körper das Instrument, das es dem Bewusstsein erlaubt, über die 5 Sinne der Wahrnehmung (Gyanendriyas) Erfahrungen in der Welt zu machen und über die 5 Sinne des Handelns (Karmendriyas) die Impulse des Bewusstseins in konkrete Handlungsdynamik umzusetzen.

Ein Mensch wird geboren. In den genetischen Anlagen seines Körpers sind ausgeprägte Programme mit Handlungsmustern enthalten, in denen sich die Tendenzen einer langen Reihe von Vorfahren väterlicher- und mütterlicherseits - leicht variiert - fortsetzen und gleichsam im Geborenen weiterleben wollen. Diese Anlagen prägen die Individualität und die persönliche Art zu handeln des Menschen. Im Horoskop geben vor allem der Aszendent und der Herr des Aszendenten Aufschluss über die Art und Weise der Tendenzen zu handeln, die über den physischen Körper ins Spiel kommen.

Andererseits war die individuelle Bewusstheit, in vielen vedischen Schriften, z.B. auch in der Bhagavad Gita, der "Bewohner des Körpers" genannt, schon vor der Geburt und dem Heranwachsen des Körpers im Mutterleib bereits Jemand. Er hat viele Male vorher gelebt und bringt den geistigen und emotionalen Zustand, den er am Ende seines vorigen Lebens erreicht hatte, in das neue Leben mit hinein.

Diese Seite der persönlichen Perspektive des "im Körper Wohnenden", der die Frucht der Erfahrungen aus vielen eigenen Leben mitbringt, wird im Horoskop vom Mond repräsentiert.

Für den individuellen Geist (Manas) ist mit der Geburt die Situation entstanden, dass einerseits seine alten geistigen Tendenzen und Wünsche sich in diesem Leben weiter entwickeln wollen und der Körper als Instrument verwendet werden soll, um dies zu verwirklichen - die Stellung des Mondes in Tierkreiszeichen und Haus gibt Aufschluss über die zentralen Ziele und Bestrebungen des individuellen Geistes, über die spezielle Lektion, die in diesem Leben auf dem Weg zur Vollkommenheit (Erleuchtung) gelernt werden soll. Der Geist wirkt also auf den Körper ein, um seine Ziele zu erreichen.

Auch die den Körper organisierende Intelligenz hat ausgeprägte Tendenzen und sozusagen ihre eigenen Ziele. Der Körper wirkt über den Stoffwechsel auf den Geist ein, damit dieser sich jene Bestrebungen zu eigen macht und sie fördert. Es ist keineswegs leicht für das verkörperte Bewusstsein, unter dem Einfluss der "Stoffwechselstürme", die der Körper über Hormone usw. erzeugt und mit denen er auf das Bewusstsein zugreift, seine inneren persönlichen Ziele im Blick zu behalten und konsequent zu verfolgen.

Die physische Aktivität des Körpers wirkt unablässig auf das Denken und Fühlen des Geistes ein. Umgekehrt verändert jeder Gedanke und jede Gefühlsregung die Physiologie.

Die geistige und die körperliche Seite der individuellen Existenz sind in der Kindheit noch nicht vollständig integriert, sie existieren in gewissem Grade unabhängig voneinander, wissen zunächst noch nicht viel voneinander und wachsen im Laufe der Kindheit über die Jahre zusammen. Erst mit dem vollen Erwachen der Persönlichkeit im Alter von ca. 16 Jahren werden diese beiden Aspekte miteinander voll konfrontiert (Pubertät) und die Seele wird sich klarer der Welt bewusst, in die sie in diesem Leben eingebunden wurde. Die innere und die äußere Welt können dabei in unterschiedlichen Graden und unter verschiedenen Gesichtspunkten mehr oder weniger gut zusammenpassen.

Dabei sind übrigens sowohl die körperliche Konstitution, als auch die Situation im Elternhaus, die Erziehung, die man genießt sowie alle anderen förderlichen oder hinderlichen äußeren Bedingungen, vom Veda her gesehen nichts anderes als die Folgen der eigenen Handlungen der Vergangenheit, mit denen der "Bewohner des Körpers" nun im Guten wie im Bösen umgehen muss, um sich weiter zu entwickeln.

Im Zusammenwirken von Geist und Körper, miteinander und gegeneinander, vollzieht sich ein zentraler Teil des Schicksals im Leben. Im Horoskop wird diese Wechselbeziehung sichtbar, wenn man die Konstellation des Mondes einerseits und die des Aszendenten und des Herrn des Aszendenten andererseits in ihren spezifischen Ausprägungen miteinander vergleicht und dann Rückschlüsse zieht: wenn der Mond diese Tendenzen und Eigenheiten aufweist und der Aszendent, Herr des Aszendenten usw. jene Natur besitzt - wie sieht dann das Zusammenwirken eines so gearteten Geistes und einer so beschaffenen Stoffwechsel-Dynamik wohl in der Praxis aus? Wo unterstützen sie sich und wo wirken sie gegeneinander?

Chandra, der Mond in seiner herausragend guten Stellung in Hesses Chart steht für dichterische Inspiration und Kreativität, höhere geistige Fähigkeiten, Lebensfreude, erfolgreiche spirituelle Entwicklung und tiefe philosophische Einsichten und durch seine intensive Verbindung mit Jupiter auch für Ruhm und Erfolg im Leben.

Der Aszendent zusammen mit der problematischen Stellung des Geburtsherrschers Mars steht in Hermann Hesses Horoskop für innerseelische und familiäre Konflikte und Leiden und schwierige Kämpfe gegen fixe (aber deswegen nicht auch gleich negative) Denkmuster und eine Revolte gegen geistigen Zwang, die - wenn überhaupt - nur sehr mühsam und langfristig erfolgreich sein kann.

Unsere Analyse führt also zu einem sehr markanten Gegensatz zwischen Mond und Aszendent, Geist und Körper, in Hermann Hesses Horoskop. Das Verstehen dieses fundamentalen Gegensatzes bildet den Schlüssel zum Verständnis seines Lebens und seiner Persönlichkeit.

In seinem außerordentlich interessanten Buch "Die Sieger. Wodurch Genies, Phantasten und Verbrecher berühmt geworden sind" kommt der Journalist Wolf Schneider zu dem Schluss, dass gerade ein solches Zusammenkommen von Talent und Stärke einerseits und einer konfliktträchtigen und leidvollen Schwäche andererseits bei vielen extrem berühmten und erfolgreichen Menschen zu finden ist und eine solche intensiv aufgebaute Spannung den "Motor" für persönliche Höchstleistungen im Leben antreiben kann. Das Buch ist vergriffen, aber z.B. über Amazon kann man noch ein gebrauchtes Exemplar bestellen.

Im Internet fand ich eine englische Powerpoint-Präsentation "Hermann Hesse and Siddhartha" ("D75732-Hermann Hesse und Siddhartha.ppt" googeln). Dort stellt der Autor Hermann Hesse mit den Worten vor:

"German painter, poet, and novelist, depicted in his works the duality of spirit and nature, body versus mind and the individual's spiritual search outside the restrictions of the society."

Übersetzung: "Deutscher Maler, Dichter und Romanschriftsteller, zeichnete in seinen Werken die Dualität von Geistigkeit und Natur, Körper gegen Geist nach und die spirituelle Suche des einzelnen Menschen außerhalb der Beschränkungen der Gesellschaft"

Eine gute, kurze Formel für das, was wir bislang über das Zusammenwirken von Mond und Aszendent herausgefunden haben. Hier eine stichwortartige Zuordnung:

"Dichter und Romanschriftsteller": Jupiter im 2. Haus und sein Einfluss auf Chandra im 5. Haus

"Dualismus", "Körper gegen Geist": Aszendent/Aszendentenherrscher Mars und der Mond

"Spirituelle Suche" Mond als Herr des 9. Hauses in Fische im 5. Haus

"Beschränkungen der Gesellschaft" Saturn als Herr und Bewohner des 4. Hauses.

Der Gegensatz von Körper und Geist drückt sich in Hesses Horoskop nicht durch eine Feindschaft von Azendentenherr Mars (Körper) und dem Mond (Geist) aus - ihre Beziehung ist ja gut/sehr gut - sondern dadurch, dass die konfliktbetonte Stellung von Mars die Probleme verkörpert (negativer Pol) und der Mond die Lösung (positiver Pol).

In der Präsentation heißt es:

"Hesse became somewhat of a cult hero to the youth in the 1960s, who were searching for their place in a troubled, confusing world."

Übersetzung: "Hesse wurde in den 1960er-Jahren zu so etwas wie einem Kulthelden der Jugend, die nach ihrem Platz in einer beunruhigten, verwirrenden Welt suchte."

Hermann Hesses Berühmtheit ist zu einem wesentlichen Teil darauf zurückzuführen, dass er selbst schwere Konflikte durchlebte und kreative Lösungen für sie fand - und dies auch in einer allgemeingültigen Form sprachlich auszudrücken vermochte. Hierauf werden wir später noch ausführlicher eingehen, wenn wir das 10. Haus (Ruhm, Kollektivbewusstsein) untersuchen.

Nun ist es an der Zeit, zu untersuchen, in Zusammenhang mit welchen Lebensthemen (Häusern) das so beschriebene Körper-Geist-Zusammenspiel sich besonders intensiv manifestiert. Wir werden sehen, dass Shani, der Saturn, hierbei eine zentrale Rolle spielt.

Die wichtigsten Häuser für das Zusammenwirken von Geist und Körper In welchen Häusern wirken der Mond und der Aszendentenherrscher Mars zusammen? Diese Häuser werden den zentralen Schauplatz für die persönliche Entwicklung im Leben des Horoskopeigners darstellen.

Dazu geht man alle Häuser durch und checkt, in welchen Häusern sowohl der Mond als auch der Aszendentenherrscher Mars aktiv sind

1. als Bewohner oder
2. als Herr oder
3. als Karaka oder
4. über vollen Aspekt

Es erfüllen in unserem Fall nur zwei Häuser diese Bedingung:

Das 4. Haus: Mond als Karaka des 4. Hauses und Mangal als Bewohner.

Das 11. Haus: Mond und Mars mit vollem Aspekt.

Von diesen beiden ist das 4. Haus weitaus bedeutsamer, da sich hier der Mond als Karaka und der im 4. Haus selbst befindliche Geburtsherrscher Mars direkt begegnen, während sie auf das 11. Haus nur beide Einfluss nehmen.

Fazit: Das 4. Haus ist das mit Abstand bedeutendste Haus in Hermann Hesses Horoskop.

Die Analyse des 4. Hauses liefert daher den Schlüssel zum Verständnis seiner Perönlichkeit, seines Lebens und seines Lebenswerkes.

Das 4. Haus als zentraler Schauplatz der persönlichen Entwicklung

Hier erst einmal der Textbaustein zum 4. Haus:

4. Haus - Geborgenheit als Grundlage für die Aktivität

In der Phase, welche dem 4. Haus entspricht, wird ein Zylus von Ruhe und Aktivität etabliert, über den die weitere Entwicklung fortschreiten soll. Nur, wenn das Handeln (1. und 3. Haus) den wahren Wünschen und Impulsen im eigenen Inneren Ausdruck verleiht, kann es dauerhaft kraftvoll und zielgerichtet sein. Dazu muss die eigene innere Motivation erst einmal klar erkannt werden und dies wiederum erfordert - zumindest phasenweise - einen Rückzug aus der äußeren Aktivität und eine Erforschung des eigenen Inneren. Aus der Rückkehr zu den eigenen Wurzeln schöpft man Einsicht und Kraft für erfolgreichere Aktivität.

Angelegenheiten des 4. Hauses: Seelenleben, Denken und Fühlen, Psyche, innere Motive. Heim, Heimat, Wurzeln, Herkunft, Tradition. Mutter, Elternhaus, Kindheit. Erziehung und Bildung in der Kindheit und frühen Jugend, Allgemeinbildung. Athmosphäre im Elternhaus. Erinnerungen, Vergangenheit.

Mantras und andere Fahrzeuge.

Kultur, Brauchtum, Mundart, Tradition, Überliefertes. Geborgenheit. Das Grundgefühl "Mutter ist zuhause, mir kann nichts passieren". Ort des Rückzugs und der Regeneration. Wohnung, Haus, Zuhause. Zugang zum eigenen Inneren. Psychologie. Vorfahren, Ahnen, Ahnenforschung.

Naturverbundenheit. Wälder und Höhlen. Vergrabene Schätze. Bodenschätze, Edelsteine.

Verborgene Vorgänge.

Man kann nicht immer nur aktiv sein. Nach der großen Unruhe und nach außen gerichteten Aktivität, die im dritten Haus vorherrscht, bietet die dem vierten Haus zugeordnete Phase der materiellen Dynamik die Gelegenheit, sich im Auf und Ab des Lebens auf seine inneren Ziele zu besinnen. Im eigenen Zuhause, im Privatleben und in den geistigen und seelischen Bewegungen im eigenen Inneren findet man den inneren Frieden, den man braucht, um sich nicht in der Hektik des Handelns in der äußeren Welt zu verlieren.

Die Mutter verkörpert dieses Gefühl des Zuhause-Seins.

Unter den Planeten ist naturgemäß Chandra, der Mond, der das Denken und Fühlen, das Fließen des eigenen Bewusstseins sowie, in seinem Zu- und Abnehmen, den Zyklus von Ruhe und Aktivität repräsentiert, der Organisator (Karaka) des vierten Hauses.

Hier erst einmal aus dem Jyotish-Datenblatt der Auszug zum 4. Haus aus der Einflusstabelle:

HAUS  KETU  SHUKRA  SURYA CHANDRA MANGAL  RAHU   GURU   SHANI BUDDHA
 4    4.0     1.4    1.4    4.1    3.1     5.0    4.4   10.0•   1.1
Aus der Tabelle geht hervor, dass Shani (Saturn), als Herr und Bewohner mit 10 Einflusspunkten mit Abstand der einflussreichste Planet in Bezug auf das 4. Haus ist; es folgt der Bewohner Rahu mit 5 Punkten, Guru mit 4.4 (sein Einfluss beruht vor allem darauf, dass er den Karaka Chandra beherrscht) und Karaka Chandra mit 4.1., dann der aspektierende Ketu mit 4 (mit Vorbehalt; den Aspekt eines Schattenplaneten sollte man nicht überbewerten) und schließlich Bewohner Mangal mit 3.1 Punkten.

Wie angekündigt hier die Analyse der Stellung von Shani in Hesses Hoproskop:

Beschreibung von Shani

Shani verkörpert Entbehrung, Disziplin, Härte, Sorgen und Leiden, aber auch Ruhe, Dauerhaftigkeit und Sicherheit.

Parashara beschreibt Shani so: Shani zeigt den Kummer eines Menschen an, ist im Regierungskabinett der Planeten der Diener, von dunkler Farbe, vom Geschlecht her ein Neutrum und gehört zur Berufsgruppe der Arbeiter. Shanis Guna oder Natur ist Tamas (dumpfe Trägheit).

Im Horoskop gibt die Stellung von Shani Auskunft über die Fähigkeit eines Menschen, Härten und Mangel zu erdulden und mit schweren Belastungen umzugehen. Saturn ist ein strenger Lehrer und wird als alter Mann dargestellt. Im menschlichen Körper entspricht Shani den Knochen.

Shani ist Herrscher des Tierkreiszeichens Steinbock, welches die Bewusstseins-Qualitäten Arbeitsamkeit, Disziplin, Entbehrungen, Routine-Abläufe sowie konsequente Praxisbezogenheit zum Ausdruck bringt und des Zeichens Wassermann, dessen geistige Qualitäten als Rückzug, Stille, Zurückhaltung, Zeuge sein und Transzendenz beschrieben werden.

Am hervorragendsten steht Shani im Tierkreiszeichen Waage, weil seine Strenge hier durch die freundliche Mentalität der Waage-Eigenschaften gemildert wird. Auch hier verkörpert Shani das große Nein im Leben, aber auf vergleichsweise verbindliche und sanft-ausgleichende Weise. Im Zeichen Widder, das Aggressivität und wildes Vorwärtsstürmen als geistige Haltung beinhaltet, steht das auf Ruhe und Sicherheit ausgerichtete Shani-Prinzip hingegen ausgesprochen deplaziert. Die Folge sind unablässige Instabilität und Dauerstress.

Shani ist passenderweise der Karaka oder Organisator der härtesten Problemhäuser im Horoskop, welche die Lektionen beinhalten, wie man mit existentiellen Konflikten umgeht und in schweren Krisen überlebt (8.) und wie man mit Niederlagen, Verlusten und Einsamkeit (12.) fertig wird.

Shani ist ein ausgeprägter Übeltäter-Planet. Selbst die Gaben, die er schenkt - wie Langlebigkeit, Stabilität und Sicherheit - muss man sich durch Erdulden von Kummer, Härte und Entbehrungen schwer verdienen.

Das Zeichen Wassermann und Shani in Wassermann

11. Wassermann - Transzendieren, der Rückzug in die Stille

Nachdem die höchste Wirklichkeit erkannt (Schütze) und die Aktivität in Routineabläufe eingebunden wurde, die evolutionäres Handeln sicher stellen (Steinbock) verliert das Bewusstsein das Interesse am Bereich des Handelns und zieht sich aus ihm zurück. Die dem Zeichen Wassermann zugehörige Phase der Bewusstseinsaktivität entspricht dem Bild eines Baumes im Spätherbst, der seinen Saft aus den Blättern und Zweigen zurückzieht und ein Stadium unbeweglicher Stille eintritt. Verlieren, Vergessen, Rückzug und Verschwinden kennzeichnen diese Phase.

Entgegen dem Namen "Wassermann" ist dies ein Luftzeichen und seine Aktivitätsform ist beharrend - dies bedeutet sich in Richtung Stille bewegende geistige Aktivität und entspricht genau dem natürlichen Stillstand des Atems im Yoga-Zustand des Samadhi, in dem das Bewusstsein wach in sich selbst ruht und auch der Stoffwechsel extrem beruhigt ist. Shani (Saturn), der Planet der Disziplin, Ruhe und Sicherheit ist der Herr des Zeichens. Die fünf Grundeigenschaften von Wassermann sind: Rückzug, Stille, Zurückhaltung, Zeugesein und Transzendenz. Das Symbol ist ein Mensch, der Wasser aus einem Krug ausgießt, so dass der Krug leer zurückbleibt.

Das Zeichen Wassermann steht für die Unterschenkel des Kalapurusha.

Das, was der Planet Saturn verkörpert: Sicherheit, Ruhe, Sorge, Verzicht, Härte - ist geprägt durch die Eigenschaften des Tierkreiszeichens Wassermann: Stille, Zurückhaltung, Zeuge sein, Transzendenz, Überpersönliches.

Saturn steht günstig in seinem eigenen Tierkreiszeichen, so dass er die positiven Seiten seiner harten und strengen Natur manifestieren kann, als da sind: Bescheidenhheit, Zurückhaltung, Disziplin, Stille, Gehorsam, Berechenbarkeit, Konsequenz, Verlässlichkeit, Disziplin, Sparsamkeit und Bedürfnislosigkeit. Der Geborene stellt sich nie in den Vordergrund und erreicht dennoch langfristig seine Ziele. Konsequente Unauffälligkeit bis hin zu einer Art von Unsichtbarkeit. In der Gefahr stellt er sich tot und überlebt dadurch.

Erfolg durch Nichtstun. Zeigt keinerlei Bestrebungen, sich in der Gruppe hervorzutun, zu der er gehört, oder jemand besonderes sein zu wollen. Guter Zuhörer. Leidenschafts- und Begierdelosigkeit sind seine Natur und diese Tugenden zu leben fällt ihm daher leicht und bereitet ihm Freude. Gewisses Desinteresse dem Leben gegenüber. Sehr kühl, distanziert, teilnahmslos. Interesse über die individuelle Existenz hinauszugehen bzw. Unterdrückung von individuellen Tendenzen zugunsten eines Kollektivs. Recht passende Stellung für Erzieher, Soziologen und für Menschen, die in der Rehabilitation tätig sind.

Sehr unwahrhaftig. Trägt großes Interesse für Philosophie und Religion zur Schau. Tendenz, andere zu betrügen. Diplomatisch. Klug und vorsichtig. Denkertyp. Intellektuelle, philosophische Art. Wird von Feinden besiegt. Der Geborene nimmt eine bedeutende Stellung im Leben ein und ist den Frauen und dem Wein verfallen. Er hat einen üblen, boshaften Charakter, gerät in schlechte Gesellschaft, hat eine Abneigung gegen Wissen, Gespräche sowie gegen Gesetz und überkommene Ordnung, verfällt Frauen anderer, hat eine schroffe Art zu sprechen und versucht sich in vielen Tätigkeiten.

Anmerkung: Im letzten Absatz des obigen Textbausteins wurden von mir auch hier wieder Aussagen einiger namhafter Astrologen zu der angeführten Konstellation zusammengetragen. Das bei der Beschreibung eines Planeten im eigenen Zeichen so auffallend viele negative Merkmale wie "sehr unwahrhaftig" oder "übler, boshafter Charakter" aufgeführt sind, kann ich - auch wenn es sich hier um den "Übeltäter" Saturn handelt - beim gegenwärtigen Stand meines Jyotish-Wissens nicht nachvollziehen. Daher schlage ich vor, solche Aussagen an dieser und auch an anderen Stellen mit Vorsicht zu genießen.

Shani im 4. Haus

Das, was der Planet SATURN verkörpert: Sicherheit, Ruhe, Sorge, Verzicht, Härte - entfaltet sich in der Beschäftigung mit den Themen des 4. HAUSES: SEELENLEBEN, Heim, innerer Friede, Privatleben, Mutter.

Glück und Erfolg im Leben stark gemindert. Wenig innere Zufriedenheit. Freudlos, depressiv, sehr ernsthaft. Gestörte, unterdrückte Emotionen. Pessimistisch und voller Kummer. Hat eine übermäßig besorgte, strenge, oder kranke Mutter, die seinen Körper am Leben hält, aber seine geistig-seelische Entwicklung vernachlässigt. Oder früher Verlust der Mutter. Besitzt alte oder beschädigte Fahrzeuge. Erhält eine schlechte Erziehung.

Bewohnt ärmliche Häuser und Wohnungen, die er zu einer Festung ausbaut - "My home is my castle", d.h. das Zuhause ist Zufluchtsort und Gefängnis zugleich. Hypothek auf Haus oder Landbesitz.

Stark reduziertes Privatleben. Zwanghaftes, angstbetontes Gefühlsleben. Nur bei sehr starkem Saturn wird der Geborene aus den Härten in seiner Kindheit soviel lernen, dass nichts im Leben ihn mehr aus der Bahn werfen kann und er konsequent seinen Erfolg aufbaut.

"Sehr starker Saturn" ist in unserem Fall gegeben, da Saturn im eigenen Zeichen Wassermann steht.

Grundsätzlich ist ein so harter Übeltäterplanet wie Saturn im sensiblen vierten Haus, das für die inneren Gefühlsregungen steht, kein positiver Faktor. Dies wird dadurch gemildert, dass Saturn im eigenen Zeichen steht und ein Freund des Karaka des vierten Hauses (Chandra, der Mond) ist sowie dadurch, dass er als Herr eines Eckhauses einiges von seiner Übeltäter-Eigenart verliert. Dennoch ist Saturns Rigidität und Härte sicherlich der Lebendigkeit der Emotionen nicht förderlich. Der Schutz der Gefühlswelt durch "Du sollst nicht"-Saturn-Prinzipien steht hier im Vordergrund.

Shani als Herr des 4. Hauses im 4. Haus

Der Planet beschäftigt sich mit den Themen des 4. Hauses: SEELENLEBEN, Heim, innerer Friede, Privatleben, Mutter - und organisiert damit die Angelegenheiten des 4. Hauses: SEELENLEBEN, Heim, innerer Friede, Privatleben, Mutter.

Sehr starke Stellung des Herrn von 4. Der Geborene ist sehr lebendig, in sich selbst gegründet und verwirklicht seine Absichten. Erfährt Unterstützung durch seine Mutter, die eine starke Persönlichkeit ist.

Gelehrt. Erfolgreiche Ausbildung. Besitzt Fahrzeuge, Grundstücke, Häuser und Wohnungen. Innere Zufriedenheit und ein angenehmes Leben. Erfolgreiche Schatzsuche. Erfolg. Sanftes und harmonisches Lebensende. Gute spirituelle Tendenzen. Hat Respekt vor Traditionen. Reich, geachtet und glücklich.

MAHARISHI PARASHARA: Ist ein Minister, besitzt alle Arten von Reichtum, ist tüchtig, tugendhaft, ehrbar, gelehrt, glücklich und zeigt eine gute Haltung gegenüber seinem Ehepartner.

[Anmerkung: Auch hier ist wieder zu beachten, dass der Textbaustein "nichts davon weiß", dass es sich beim Herrn von 4 in 4 in diesem Fall um Saturn handelt.]

Shani als Herr des 3. Hauses im 4. Haus

Der Planet beschäftigt sich mit den Themen des 4. Hauses: SEELENLEBEN, Heim, innerer Friede, Privatleben, Mutter - und organisiert damit die Angelegenheiten des 3. Hauses: AKTIVITÄT, Ehrgeiz, Unruhe, Konkurrenzkampf, jüngere Geschwister.

Sehr viel innere Unruhe. Setzt sich selbst unter Druck. Außerordentlich leidenschaftlich und emotional. Ist nie richtig zufrieden, sondern stets voller Pläne und Absichten. Turbulentes Privatleben. Richtet seine Wohnung immer wieder anders ein. Sehr aktive Mutter, die nicht oft zuhause ist. Wird zur Eigeninitiative erzogen. Zahlreiche Anregungen für künftige Aktivitäten im Elternhaus.

Viele Anstrengungen und Abenteuer in Zusammenhang mit Grundbesitz, Ländereien oder landwirtschaftlichen Betrieben. Geschwister haben eine enge Beziehung zur Mutter oder erben Familienbesitz. Geschwister sind Grundstücksmakler, Landwirte usw.

MAHARISHI PARASHARA: Ist glücklich, reich und intelligent, erlangt aber eine boshafte Frau.

An dieser Stelle sei ein sehr interessantes Jyotish-Prinzip angeführt: Das 3. Haus ist vom 4. Haus aus gesehen (!) das 12. Haus, d.h. es verneint das 4. Haus. Die zur Tätigkeit anspornende Unruhe des 3. Hauses torpediert den angestrebten "inneren Frieden" in der Gefühlswelt des 4. Hauses. Da Saturn zugleich der Herr des 4. und des 3. Hauses ist, stellt er in seinem Wirken als Herr von 4 innere Gemütsruhe her und negiert sie als Herr von 3 zugleich auch wieder. Wenn man das 3. Haus als "Anstrengung" auffasst und das 4. als "Gemütsruhe", so wirkt Shani als Herr von 3 und 4 eine "angestrengte Gemütsruhe", die strenge Forderung "Du sollst friedevoll sein, sonst ...!".

Das 4. Haus:
Zusammenfassung der Stellung von Shani
Im eigenen Zeichen Wassermann selbst auch im 4. Haus stehend bringt Saturn, der "Sicherheitschef" unter den 9 Grahas, einen sehr mächtigen beruhigenden, stabilisierenden, kühlenden und schützenden Einfluss für die Gefühlswelt des 4. Hauses. Hesses Elternhaus, sein Gefühls- und Privatleben sind von diesem Einfluss geprägt.

Da Saturn im eigenen Zeichen stark steht, sind es seiner Natur entsprechend strenge, rigide und verneinende, aber zugleich auch durchaus hochwertige geistige Prinzipien (Luftzeichen Wassermann), die er zum Ausdruck bringt.

Die Grundstruktur des 4. Hauses: Karaka Chandra und Herr Shani Die Grundstruktur eines Hauses wird aus dem Zusammenwirken des Karaka des Hauses mit dem Herrn des Hauses konstituiert. Dabei gibt es eine klare Aufgabenteilung:

Der Karaka oder Organisator des Hauses erschafft die Voraussetzungen für die Angelegenheiten des Hauses und der Herr des Hauses bestimmt, was aus diesen Voraussetzungen gemacht wird.

Der Karaka des 4. Hauses ist in jedem Chart Chandra, der Mond. Der Herr des 4. Hauses ist in unserem Fall Shani, Saturn, da er der Herr des Zeichens Wassermann ist, welches dem 4. Haus zugeordnet ist.

Im Schauspiel des Lebens ist das "Bühnenbild" 4. Haus ist durch die 5 Hauptthemen Seelenleben, Heim, innerer Friede, Privatleben und Mutter charakterisiert.

Der Karaka Mond ist damit beauftragt, dieses Bühnenbild auszustatten - er wird dies so ausführen, wie es seiner Natur (Mond), seiner Mentalität (Zeichen, in dem der Mond steht), seiner Haptbeschäftigung (Haus, in dem der Mond steht) und seinem Interesse (Haus, von dem der Mond der Herr ist) entspricht, variiert durch die Einflüsse, die auf den Mond wirken (Aspekte, Konjunktion).

Der Saturn als Herr des 5. Hauses bestimmt dann, was in dem vom Mond ausgestatteten Szenario an Ereignissen stattfindet.

Karaka Chandra: All das, was bereits weiter oben ausführlich über den Mond gesagt wurde, lässt dieser als Karaka des 4. Hauses in das 4. Haus einfließen. Um die emotionale Grundbefindlichkeit Hermann Hesses, wie sie vom Mond als Karaka für die Aktivitäten des 4. Hauses "zur Verfügung gestellt" wird, zu beschreiben, führen wir hier noch einmal an, was wir zusammenfassend über die Stellung des Mondes im Horoskop gesagt hatten:

"Das Bewusstsein erfreut sich der besten Qualitäten des Zeichens Fische: Intuition, Weisheit, höhere Einsicht, innere Verbundenheit mit der glückseligen Einheit allen Lebens.

Kreativität, Inspiration, müheloser Erfolg, Gottes Segen für sämtliche Aktivitäten des persönlichen Denkens und Fühlens.

Die seelisch-geistige Inspiration und Kreativität fördern die Religiosität/Spiritualität und heben das Niveau von Glück und Freude im gesamten Horoskop an. Müheloser Zugang zu den innersten freudevollen und kreativen Ebenen des eigenen Bewusstseins. Das gesamte Denken und innere Empfinden gestaltet sich so, dass es im Einklang mit höheren Werten steht und ein Gefühl für den Sinn des Lebens aufbaut."

Die ausgezeichnete Stellung des Mondes im Horoskop schafft also beste Voraussetzungen für innere Zufriedenheit, eine gesunde und freudevolle Mentalität, eine gute Beziehung zur Mutter, Förderung der eigenen Persönlichkeit und Entwicklung im Elternhaus und in der Schule und andere Angelegenheiten des 4. Hauses.

Herr Shani: Shani als Herr des 4. Hauses findet die vom Mond geschaffenen Vorausetzungen vor und wird nun seiner eigenen Natur und seiner Stellung im Horoskop entsprechend etwas daraus machen. Zur Stellung von Shani hatten wir im vorigen Abschnitt zusammenfassend gesagt:

"Im eigenen Zeichen Wassermann selbst auch im 4. Haus stehend bringt Saturn einen sehr mächtigen beruhigenden, stabilisierenden, kühlenden und schützenden Einfluss für die Gefühlswelt des 4. Hauses. Hesses Elternhaus, sein Gefühls- und Privatleben sind von diesem Einfluss geprägt.

Da Saturn im eigenen Zeichen stark steht, sind es seiner Natur entsprechend strenge, rigide und verneinende, aber zugleich auch hochwertige geistige Prinzipien (Luftzeichen Wassermann), die er zum Ausdruck bringt."

Die Tabelle "Freundschaft und Feindschaft der Planeten" zeigt, dass Shani in Hermann Hesses Horoskop ein Freund von Chandra ist und Chandra eine neutrale Haltung gegenüber Shani einnimmt:

PLANET FREUND+ FREUND NEUTRAL FEIND FEIND-

Chandra Sy Bu Ma Gu Sa Ra Sk Ke Shani Gu Ch Bu Sk Ra Sy Ma Ke

Saturn akzeptiert also freundlich das vom Mond gestaltete Szenario im 4. Haus und wird es pfleglich behandeln. Chandra wiederum wird über die Art, wie Shani das 4. Haus nach seinen Vorstellungen umgestaltet, weder begeistert noch frustriert sein. Wenn Chandras Phase oder Unterphase im Dasha-System aktiviert wird und er das Szenario des 4. Hauses neu gestaltet, wird er dabei weder Ärgernisse für Shani einbauen noch den Absichten des Saturn vorab schon besonders Rechnung tragen. Shani wird in seiner Phase die von Chandra konstituierte Grundmentalität rücksichtsvoll in Richtung Stabilität und Sicherheit umgestalten, ohne sie aber feindselig zu unterdrücken.

Shani steht von Chandra (der im 5. Haus steht) aus im 12. Haus von sich aus gesehen, Chandra von Shani aus gesehen im 2. Haus. Der Mond weist dem Saturn somit das 12. Haus zu, der Saturn dem Mond das 2. Haus: Der Mond weist dem Shani Verluste und Misserfolg zu (12. Haus), der Shani will den Mond in Besitz nehmen (2. Haus). Diese Stellung der beiden zueinander ist nicht optimal - das sollte man mit einbeziehen, aber nicht überbewerten.

Die Zusammenarbeit zwischen Herr und Karaka ist insgesamt recht gut und erzeugt kaum Turbulenzen im 4. Haus. Da auch jeder der beiden eine gute Stellung im Horoskop inne hat, ist eine gesunde Grundstruktur des 4. Hauses gegeben. Hierbei ist zu beachten, dass der Saturn im 4. Haus einflussreicher und mächtiger ist als der Mond - prinzipiell ist der Herr des Hauses übrigens immer das aktivere Element (Subjekt), der Karaka das passivere (Objekt).

Der Mond sorgt für eine positive, hingebungsvolle, träumerische, sehr gefühlsbetonte, phantasievolle, kreative, inspirierte, religiös-spirituell-mystisch ausgerichtete, alle Begrenzungen auflösende, wache Grundmentalität, welche durch den Saturn durchaus wohlwollend nach strengen geistigen Prinzipien diszipliniert, beruhigt und beschützt wird, damit sie von Dauer ist, überleben kann und nichts widerspiegelt, das nicht sein soll.

Auf der Wikipedia-Seite (Link s. weiter oben) zu Hermann Hesse heißt es:

"Hermann Hesse stammte aus einer christlichen Missionarsfamilie und wuchs in einer behüteten und intellektuellen Familienatmosphäre auf. Beide Eltern waren im Auftrag der Basler Mission in Indien tätig, wo Hesses Mutter Marie Gundert (1842–1902) auch geboren wurde.

Hesse war ein sehr fantasievolles Kind und hatte ein ausdrucksstarkes Temperament. Schon früh machte sich sein Talent bemerkbar. Ihm mangelte es nicht an Gedicht-Ideen, er zeichnete wunderbare Bilder ...

Die Welt, in der Hermann Hesse seine ersten Lebensjahre verbrachte, war einerseits vom Geiste des schwäbischen Pietismus geprägt. Andererseits wurde seine Kindheit und Jugend durch das Baltentum seines Vaters geprägt, was Hermann Hesse als „eine wichtige und wirksame Tatsache“ bezeichnete.

So war der Vater sowohl in Schwaben wie in der Schweiz ein unangepasster Fremder, der nirgendwo Wurzeln schlug und „immer wie ein sehr höflicher, sehr fremder und einsamer, wenig verstandener Gast“ wirkte.

Hinzu kam, dass die Familie auch mütterlicherseits der weitgehend internationalen Gemeinschaft der Missionsleute angehörte und dass seine aus dieser Linie stammende Großmutter Julie Gundert, geb. Dubois (1809–1885), als französischsprachige Schweizerin ebenfalls zeitlebens eine Fremde in der schwäbisch-kleinbürgerlichen Welt blieb ...

Zudem stand Hermann Hesse die umfassende Bibliothek seines promovierten und eine Vielzahl von Sprachen beherrschenden Großvaters Hermann Gundert mit Werken der Weltliteratur zur Verfügung, die er sich intensiv erschloss."

Der religiöse Aspekt des Familienhintergrundes kommt Jyotish-technisch gesehen durch den Mond ins Spiel, der als Herr des 9. Hauses im 5. Haus steht und erhält durch den Einfluss des Saturn seine cristlich-pietistisch-kirchlich-organisierte Note.

Bemerkenswert dabei ist, dass der Saturn selbst keinerlei Beziehung zum 9. Haus und damit zur Religion aufweist. Er ist als Herr des 4. Hauses im 4. Haus befindlich und drückt damit eine Saturn-Mentalität aus, die sich dem religiösen Bewusstsein, repräsentiert vom Mond, im 4. Haus aufprägt. Chandra, der Mond ist im 4. Haus als Karaka Objekt, der Saturn Subjekt (als Herr) und Prädikat (als Bewohner). Der Saturn macht also primär etwas mit dem Mond und nicht umgekehrt - was nicht bedeutet, dass er völlig unbeeinflusst vom Mond bleibt.

Dieselbe Konstellation steht auch für das christliche Missionieren der Hesse-Eltern in Indien: Indien, die Heimat des lebendigen religiösen und spirituellen Bewusstseins der Menschheit (Karaka Chandra, der im 5. Haus in Fische als Herr des 9. Hauses steht) wird - auch über den von Saturn beherrschten Rahu - mit den fixen Vorstellungen der christlichen Dogmatik (Saturn in Wassermann) bearbeitet.

Der Vater - hier als Teil des Elternhauses (4. Haus) aufgefasst - als "immer wie ein sehr höflicher, sehr fremder und einsamer, wenig verstandener Gast" in der Heimat (4. Haus) erscheinend und die Großmutter, die "ebenfalls zeitlebens eine Fremde in der schwäbisch-kleinbürgerlichen Welt blieb" sind ebenfalls Ausdruck des Saturn-Prinzips im 4. Haus (Saturn, auch als Karaka des 12. Hauses = Fremde; Wassermann = Distanziertheit).

Das 4. Haus:
Die Bewohner Shani, Rahu und Mangal sowie der Einfluss von Guru

Nachdem die Grundstruktur eines Hauses im Verlauf der Analyse des Zusammenwirkens von Karaka und Herr herausgefunden wurde, wird als nächstes untersucht, wie diese Grundstruktur durch Bewohner des Hauses oder durch Aspekte beeinflusst wird.

Rahu befindet sich im 4. Haus. Er ist ein (nicht sehr guter) Freund des Karaka Chandra und neutral gegenüber dem Herrn des Hauses Shani. Für keinen der beiden Grahas, die das Haus konstituieren, ist er ein Ärgernis oder ein besonderer Förderer und sie stehen ihrerseits dem Rahu neutral gegenüber.

Als Schattenplanet, der keinen eigenen Körper hat, ist Rahu immer in besonders hohem Grade von dem Planeten abhängig, in dessen Tierkreiszeichen er steht, in unserem Fall also von Saturn. Rahu führt somit die Anweisungen von Shani im 4. Haus aus, natürlich auf die ihm eigene Weise. Hier ein Auszug aus den Textbausteinen zu Rahu, die seine Funktionsweise erläutern:

Rahu verkörpert unersättliche Begierde, Unbewusstheit und alles-verschlingende Dunkelheit ... Im Horoskop gibt die Stellung von Rahu darüber Auskunft, in welchem Lebensbereich (Hausstellung von Rahu) und mit welcher Bewusstseinsdynamik verbunden (Zeichenstellung von Rahu) sehr starke Begierden gleichsam jenseits der Kontrolle des Bewusstseins die Aktivität eines Menschen bestimmen.

Zu Rahu in Wassermann:

Das, was der Schattenplanet Rahu verkörpert: Gier, Trieb, Roheit, Bindung und Gespaltenheit - ist von seiner Dynamik her geprägt durch die Eigenschaften des Tierkreiszeichens Wassermann: Rückzug, Stille, Zurückhaltung, Zeuge sein und Transzendenz.

Rahu steht hier im eigenen Zeichen und bringt daher, trotz seiner Übeltäter-Natur, zum Teil recht positive Ergebnisse hervor. Maßlose Begierde, alles aufzugeben, alles zu vergessen, und nicht mehr zu existieren. Völlige Gleichgültigkeit gegenüber allem, Verlust sämtlicher Beziehungen. Unbewusstes Verlangen, verlassen, vergessen und abgetan zu werden.

Aufgabe der Individualität. Sehnsucht nach Formlosigkeit und Stille. Die Anziehung der Leere und des Nichts: Nirvana. Die spirituellen Möglichkeiten dieser Stellung von Rahu sind offensichtlich, aber im ungünstigeren Fall sind nur Leere, Gleichgültigkeit, Pflichtvergessenheit, Passivität und Selbstzerstörung die Folge, ein blödes Dahinvegetieren ohne jede Perspektive.

Zu Rahu im 4. Haus:

Das, was der aufsteigende Mondknoten verkörpert: Gier, Trieb, Roheit, Bindung, Gespaltenheit - entfaltet sich in der Beschäftigung mit den Themen des 4. HAUSES: SEELENLEBEN, Heim, innerer Friede, Privatleben, Mutter.

Sucht so exzessiv nach innerer Zufriedenheit und Geborgenheit, dass er immer nur frustriert ist. Auf die eine oder andere Weise eine gespaltene Persönlichkeit - "zwei Seelen, wohnen, ach, in meiner Brust", wie es in Goethes Faust heißt. Wird von "zwei Müttern" erzogen, besitzt zwei Wohnsitze, zwei Fahrzeuge oder fühlt sich in zwei Ländern zuhause.

Extreme Bindung an die Mutter, die Heimat oder das Zuhause. Ungewöhnliche Ereignisse im Privatleben oder im Elternhaus, dunkle Geheimnisse in Bezug auf die eigene Herkunft oder die Familie. Fühlt sich immer irgendwie heimatlos.

Probleme mit der Mutter, die selbst ein schweres Schicksal hat. Starker Wunsch nach eigenem Haus oder Grundbesitz, der aber nicht erfüllt wird. Schwierigkeiten in der Erziehung und bei Prüfungen und Examen. Starke innere Begierden nach weltlichen Erfolgen und Besitztümern und dadurch beeinträchtigte innere Zufriedenheit. Viele bedeutende Veränderungen im Leben. Ungewöhnliches Heim. Nicht sehr intelligent. Der Geborene ist hartherzig, betrügerisch und stets voller Kummer. Wenig innere Zufriedenheit. Magenbeschwerden. Wird betrogen oder betrügt selbst.

Ein Übeltäter wie Rahu, der Triebhaftigkeit, Desintegration und extreme Unbewusstheit verkörpert, ist im Hause des Seelenlebens nicht gut plaziert. Dies wird dadurch gemildert, dass Rahu in Wassermann stark im eigenen Zeichen Wassermann steht und er von einem Planeten "gesteuert" wird, der ebenfalls stark im eigenen Zeichen steht (Saturn). Außerdem verliert Rahu, ebenso wie Saturn, als Herr eines Eckhauses (des 4. Hauses, Rahu ist Herr des Zeichens Wassermann) einiges von seiner Übeltäter-Natur.

Man kann sich hier Rahu als einen saugenden Strudel von Unbewusstheit vorstellen, der das Bewusstsein (Karaka Mond) zwanghaft in eine innere Leere hineinzieht, in der keine Emotionen mehr existieren.

Shani, der Herr des 4. Hauses, ist selbst im 4. Haus anwesend - sein Einfluss wurde weiter oben bereits beschrieben.

Zur Stellung des Geburtsherrschers Mars in Wassermann im 4. Haus wurde ebenfalls schon vieles gesagt. Von den drei hochkarätigen natürlichen Übeltätern, die sich im 4. Haus befinden, ist er hier der größte Störfaktor, denn

er ist als aggressiver natürlicher Übeltäter im 4. Haus deplaziert.

er steht ungünstig im Zeichen Wassermann im Haus seines Feindes Saturn.

er ist ein extremer Feind von Shani und Rahu und wird diese beiden bedingungslos bekämpfen.

Anmerkung: Interessanterweise sind Saturn, Rahu und Mars im 4. Haus zwar natürliche Übeltäter, treten aber in Hermann Hesses Horoskop nicht als Übeltäter in Erscheinung. Es gibt eine Regel in Jyotish: wenn ein natürlicher Wohltäter-Planet Herr eines Kendra (Eckhauses) ist, hört er auf ein Wohltäter zu sein und wenn ein natürlicher Übeltäter-Planet Herr eines Kendra ist, hört er auf, ein Übeltäter zu sein. Dies hat zur Folge, dass Mangal (Herr des 1. Hauses, eines Kendra) ebenso wie Shani und Rahu (beide als Herr des 4. Hauses, eines Kendra) keine Übeltäter mehr sind. Andererseits ist Shukra, die Venus, ein natürlicher Wohltäter-Planet, als Herr des 7. Hauses, eines Kendra, daher in diesem Horoskop kein Wohltäter mehr. Da Shani, Rahu und Mangal keine Übeltäter mehr sind - sie können als neutral gelten - richten sie hier im sensiblen 4. Haus nicht so viel Schaden an, wie man zunächst meinen könnte. Andererseits sind Shani und Rahu nach wie vor funktionale Übeltäter für den Aszendenten Skorpion, wirken sich also schädlich für den Aszendenten aus.

Nur dem Karaka Chandra gegenüber ist Mangal freundlich eingestellt. Er fördert also die vom Mond geschaffene Grundmentalität des Geborenen, torpediert aber die beruhigende und entemotionalisierende Aktivität von Saturn und dessen Erfüllungsgehilfe Rahu. Shani und Rahu kämpfen umgekehrt, aber nicht ganz so kompromisslos-vehement (sie sind dem Mars nur feindlich, nicht extrem feindlich gesonnen) gegen den aufrührerischen, beunruhigenden Einfluss von Mars im 4. Haus und versuchen ihn zu unterdrücken und zu disziplinieren.

Mars bringt wahrlich den Krieg ins 4. Haus! Ein Krieg im eigenen Inneren, im Privatleben, im Elternhaus usw. In diesem Krieg wird Mars es schwer haben, seine Ziele zu erreichen, denn seine Gegner, insbesondere Shani, sind einflussreicher im 4. Haus als er selbst.

Infolge von Mangals Konflikt mit Shani gerät Mangal auch in Konflikt mit sich selbst. Er soll im Auftrag des Aszendenten Skorpion mit großer Entschlossenheit alles aus der Welt schaffen, was auf der seelischen Ebene nicht der eigenen Natur entspricht. Aber Mangal steht in Wassermann, dem Zeichen seines Feindes Saturn und wird somit kontrolliert von der Kraft, die er bekämpfen soll. Saturn ist ja für den Aszendenten Skorpion ein todbringender (Maraka) Übeltäter.

Es ist schwer, gegen einen Feind zu kämpfen, von dem man die Anweisungen zum Kämpfen erhält (der Rückzugsdynamik des Zeichens Wassermann entsprechend ist Shanis Anweisung zu kämpfen: "Du sollst aufhören, zu kämpfen!") und der Teil der eigenen Natur ist. Mangal steht in Konflikt mit sich selbst und unter diesem Gesichtspunkt gesehen steht der Geborene selbst als Handelnder, den Mangal repräsentiert, hier in Konflikt mit sich selbst. Es ist verständlich, dass er sich selbst hier als Versager sieht, der einen zentralen Lebensauftrag unzureichend ausführt. Dennoch wird Mangal nie aufhören, gegen Shani und Rahu zu kämpfen, denn er verkörpert die Lebendigkeit und die Aktivität des Geborenen selbst.

Guru und der unter Guru-Einfluss stehende Chandra können in diesem Konflikt ausgleichend wirken, da sie den Angehörigen beider Parteien freundlich bis neutral gegenüberstehen, auch wenn sie Mangal mehr favorisieren als Shani, da sie beste Freunde des Mars sind.

Auf der Wikipedia-Seite über Hermann Hesse wird aus ein Brief der Mutter aus dem Jahre 1881 zitiert; dort schreibt sie über den gerade eben 4-jährigen Hermann (!):

"... der Bursche hat ein Leben, eine Riesenstärke, einen mächtigen Willen und wirklich auch eine Art ganz erstaunlichen Verstand für seine vier Jahre. Wo will's hinaus? Es zehrt mir ordentlich am Leben dieses innere Kämpfen gegen seinen hohen Tyrannengeist, sein leidenschaftliches Stürmen und Drängen ... Gott muß diesen stolzen Sinn in Arbeit nehmen, dann wird etwas Edles und Prächtiges draus, aber ich schaudere bei dem Gedanken, was bei falscher oder schwacher Erziehung aus diesem jungen passionierten Menschen werden könnte."

Es ist zu beachten, dass Mars der Herr des 1. Hauses, der Geburtsherrscher-Planet ist. Egal, ob der Geburtsherrscher in einem Horoskop günstig oder weniger günstig steht und entsprechend erfreuliche oder leidvolle Erlebnisse mit ihm verbunden sind, ob Siege oder Niederlagen vorherrschen - der Geborene wird immer wieder ganz von selbst Situationen suchen, in denen die von der Stellung des Geburtsherrschers angezeigten Erfahrungen gemacht werden - weil er sich in diesen Situationen extrem lebendig und ganz und gar als er selbst fühlt. Er ist geboren, um genau diese Erfahrungen zu durchleben.

Aufgrund seiner Stellung im 4. Haus findet der Kampf, den der Geburtsherrscher Mars verkörpert, in Szenario des 4. Hauses statt: im Elternhaus, im eigenen seelischen Erleben. Infolge seiner Freundschaft gegenüber dem Karaka Mond und seiner extrem feindlichen Haltung gegenüber Shani und Rahu kämpft Mars für die oben beschriebene gefühlsbetonte, phantasievolle, kreative Grundmentalität, die von Chandra aufgebaut wird und vehement gegen den strengen, reglementierenden, Gefühlsintensität dämpfenden Einfluss von Saturn und Rahu.

Aus der Sicht von Mangal sind Shani und Rahu Unterdrücker und Mörder des lebendigen und kreativen Stromes von Gefühlen und Gedanken, deren ent-persönlichender Einfluss kompromisslos bekämpft werden muss, egal wieviel Schmerz mit einem solchen Kampf verbunden sein mag - für den kriegerischen Mars sind ohnehin Narben und Wunden Ehrenmale eines Kriegers. Im 4. Haus geht es naturgemäß um innerseelische Kämpfe, Schmerzen, Narben und Wunden.

In der Jugend findet dieser Kampf seinen Ausdruck in heftigen Konflikten mit den Eltern, seiner Flucht aus dem evangelisch-theologischen Seminar in Maulbronn, verbunden mit Depressionen (ein Saturn-Mond Phänomen). Auf der Wikipedia-Seite heißt es:

"Im Alter von nun 15 Jahren befand sich Hermann Hesse in einer depressiven Phase und äußerte in einem Brief vom 20. März 1892 Suizidgedanken („Ich möchte hingehen wie das Abendrot“). Im Mai 1892 versuchte der Jugendliche einen Selbstmord mit einem Revolver in der von dem Theologen und Seelsorger Christoph Friedrich Blumhardt geleiteten Anstalt Bad Boll.

Im Anschluss daran wurde Hesse von seinen Eltern in die Nervenheilanstalt im damaligen Stetten im Remstal (heute Kernen im Remstal) bei Stuttgart gebracht, wo er im Garten arbeiten und beim Unterrichten geistig behinderter Kinder helfen musste.

Hier kulminierten pubertärer Trotz, Einsamkeit und das Gefühl, von seiner Familie unverstanden verstoßen zu sein. In dem berühmten, anklagenden Brief vom 14. September 1892 an seinen Vater titulierte er diesen nunmehr deutlich Abstand einnehmend mit 'Sehr geehrter Herr!'. Dies im Gegensatz zu früheren, zum Teil offenen, sehr mitteilsamen Briefen. Zudem versah er den Brieftext mit aggressiv-ironisierenden und sarkastischen Formulierungen. So wies er (zusätzlich zur eigenen Person) auch seinem Vater bereits im Vorfeld die Schuld an möglichen zukünftigen Verbrechen zu, welche er, Hermann, in Folge seines Aufenthaltes in Stetten als Welthasser begehen könnte ...

Er fühlte sich von Gott, den Eltern und der Welt verlassen und sah hinter den starren pietistisch-religiösen Traditionen der Familie nur noch Scheinheiligkeit."

Ziemlich genau mit 15 Jahren löste übrigens gerade die Buddha-Mahadasha die zuvor seit Hesses Geburt bestehende Shani-Mahadasha ab. Darauf kommen wir später noch zu sprechen.

Weiteres Vorgehen Hiermit haben wir unsere systematische Untersuchung der wichtigsten persönlichen Faktoren abgeschlossen. Nicht, dass wir alles gesagt hätten, was dazu zu sagen wäre, aber die Grundstruktur der Horoskopanalyse steht. Das, was zentral die Persönlichkeit von Hermann Hesse ausmacht, sollte damit im Blick sein.

Die wichtigen Jyotish-Faktoren, die wir bis jetzt behandelt haben sind: der Mond; der Aszendent; der Aszendentenherrscher Mars; Jupiter mit seinem starken Einfluss auf den Mond; Saturn mit seinem starken Einfluss auf den Aszendenten und den Aszendenherrscher Mars; die Sonne als Karaka des 1. Hauses; das 5. Haus, in dem der Mond sich befindet; das 4. Haus als das wichtigste Haus, in dem der Mond und der Aszendentenherrscher Mars zusammenwirken; schließlich Rahu, der sich im 4. Haus befindet.

Für das weitere Vorgehen stehen einem danach mehrere Wege offen, wie man mit der Interpretation des Charts fortfahren kann:

Systematische Fortsetzung: Man kann nun die "unterstützenden Häuser" 5 und 9 untersuchen. Wenn diese Häuser sich mitsamt Herr, Karaka, Bewohner(n) und Aspekten als stark und günstig erweisen, erfährt der Horoskopeigner viel Unterstützung für die Erreichung seiner Ziele im Leben, negative Faktoren im Chart werden dadurch ausgeglichen. Die Häuser 5 und 9 kann man daher im erweiterten Sinne auch zu den persönlichen Faktoren im Horoskop zählen. Danach könnte die Untersuchung des 7. Hauses stehen: hier erkennt man, wie sich die Welt, auch personifiziert durch den Partner, dem Geborenen gegenüber verhält und auf seine Aktivitäten reagiert - zurückfließendes Karma. Abschließend erfolgt eine Analyse der bisher noch nicht betrachteten Planeten, Häuser usw.

Oder man setzt die Untersuchung des Charts entsprechend den speziellen Fragen fort, die den Horoskopeigner aktuell beschäftigen oder die dem Astrologen gerade besonders interessant erscheinen. Bei einem berühmten Menschen könnte man z.B. das 10. Haus untersuchen, um zu sehen, welche Faktoren seinen Ruhm fördern usw.

Welchen Weg man von jetzt an auch immer einschlagen mag: es ist von entscheidender Wichtigkeit, dass man dabei stets im Bewusstsein behält, was zuvor über die zentralen persönlichen Faktoren im Horoskop herausgearbeitet wurde. Keiner der weiteren Planeten, Häuser usw., die von nun an untersucht werden, darf für sich allein und isoliert betrachtet werden, sondern stets nur vor dem Hintergrund der Informationen über die persönlichen Faktoren Mond - Aszendent usw.

Fortsetzung ... Weiter zum 2. Teil der Interpretation