Interpretation des Jyotish-Charts von Hermann Hesse

Teil 2: Fortsetzung der Analyse des Horoskops

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Rashi-Chart Hermann Hesse * 02.07.1877 18:55 h MEZ Calw (8E45 48N43), nordindische Chartform - Mauszeiger zeigt südindisches Chart

Die unterstützenden Häuser 5 und 9 Nachdem der Kernbereich der Rashi-Chart-Analyse etabliert ist, kann man sich relativ frei in den weiteren Bereichen des Charts bewegen.

An dieser Stelle möchte ich mit der Untersuchung der beiden positivsten und förderlichsten Häuser im Horoskop fortfahren, deren Aufgabe es ist, die persönlichen Bestrebungen des Horoskopeigners (Aszendent) zu unterstützen: das 5. und das 9. Haus. In einem erweiterten Sinne kann man diese beiden Häuser auch noch zu den persönlichen Faktoren im Horoskop rechnen.

Mit dem 5. Haus haben wir uns zuvor bereits ausführlich befasst, als wir über die Stellung des Mondes sprachen. Das 5. Haus wird eindeutig von Guru (Jupiter) dominiert, der Herr und Karaka des Hauses ist.

Wenden wir uns also dem 9. Haus zu.

Das 9. Haus

Hier die Textbaustein-Info zu Haus 9:

DAS 9. HAUS - ALLGEMEINES LEBENSGLÜCK, Sinn des Lebens, Religion und Spiritualität, Vater, geistiger Lehrer

Angelegenheiten, die das 9. Haus beinhaltet:

Glück im Leben, allgemeine Lebensfreude, Sinngefühl, Unterstützung durch höhere Kräfte auf allen Ebenen. Religion, Weltanschauung, Prinzipien, Werte, Philosophie, Spiritualität. Meditation, Yoga, Gebet. Der Guru oder spirituelle Meister und die Beziehung zu ihm.

Sat-Chit-Ananda - unveränderliches Seligkeitsbewusstsein, Erleuchtung, Samadhi, reines Bewusstsein, Transzendenz, Turiya, die Devas und der höchste Gott. Die Einheit und Ganzheit des Lebens. Der Kosmos. Der Sinn des Lebens. Erfolg und gutes Gelingen in allem, was man tut.

Gnade und Segen Gottes und des Meisters. Der Vater. Ältere und Respektspersonen.

Nachdem im Zyklus der Dynamik des Lebens im achten Haus die schlimmste Krise gemeistert und der Härtetest bestanden wurde, eröffnen sich der geläuterten Individualität im neunten Haus nun ganz neue Möglichkeiten von FREUDE und ERFOLG im Leben.

Mit dem neunten Haus verbundene Planeten bringen die Ich-Aktivität des Geborenen in Einklang mit der KOSMISCHEN KRAFT DER EVOLUTION, mit dem WILLEN GOTTES, so dass er umgekehrt die Unterstützung der im Universum wirkenden HÖHEREN KRÄFTE für seine persönlichen Bestrebungen erhält.

Der SPIRITUELLE MEISTER, der GURU sowie das WISSEN und die Erfahrung HÖHERER ZUSTÄNDE DES BEWUSSTSEINS, die er vermittelt und die INNERE FÜHRUNG durch die HÖCHSTE WIRKLICHKEIT sind Hauptthemen des segensreichsten aller zwölf Häuser. Auch der eigene Vater und die Beziehung zu ihm ist aus dem neunten Haus ersichtlich.

GURU, der Planet Jupiter, ist natürlicherweise der Organisator (Karaka) des neunten Hauses.

Das 9. Haus wird auch "Dharma-Sthan" - "Bereich des Dharma" - genannt. Dharma ist ein sehr zentraler vedischer Begriff. Es kann grob mit dem Wort "Pflicht" übersetzt werden, aber in einem umfassenden Sinn: Handeln in Einklang mit der evolutionären Kraft, die alles im Leben sich zur Vollendung entfalten lässt, in Einklang mit der eigenen wahren Natur und der eigenen Lebensaufgabe.

Hier die Tabelle, die den Einfluss der Planeten in Bezug auf das 9. Haus zeigt:

HAUS  KETU  SHUKRA  SURYA CHANDR MANGAL  RAHU   GURU   SHANI BUDDHA
===================================================================
  9           2.8           6.5                 11.0•             

Den deutlich größten Einfluss hat Jupiter. Hauptgründe dafür sind: Er ist Karaka des 9. Hauses und beherrscht Chandra (Chandra steht in Jupiters Zeichen und Haus), wobei Chandra Herr des 9. Hauses ist. Außerdem aspektiert Guru noch mit immerhin 3/4-Stärke das 9. Haus.

Der Herr des 9. Hauses, Chandra, hat den zweitgrößten Einfluss, gefolgt vom Bewohner Venus.

Der direkte Einfluss der anderen Planeten auf Haus 9 ist gering.

Die Grundstruktur des 9. Hauses: Karaka Guru und Herr Chandra Die Grundstruktur eines Hauses wird durch das Zusammenwirken des Karaka und des Herrn des Hauses etabliert. Der Karaka schafft die Voraussetzungen für die Angelegenheiten des Hauses, der Herr bestimmt, was daraus gemacht wird. Der Karaka schafft das Bühnenbild, der Herr bestimmt, was darin geschieht. Der Karaka stellt die Aufgabe, der Herr bringt die Lösung.

Auch wenn Wiederholung ein wichtiges Element des vedischen Systems der Wissensvermittlung ist - die Textbausteine zu Mond und Jupiter führe ich hier nicht noch einmal auf - siehe Untersuchung der Stellung des Mondes.

Bei der Analyse der Stellung des Mondes im 5. Haus - neben dem 9. das andere extrem förderliche Haus im Horoskop - haben wir schon die außerordentlich fruchtbare und positive Zusammenarbeit von Chandra und Guru herausgearbeitet. Hier im 9. Haus liefert Guru vom 2. Haus aus als Karaka des 9. Hauses ein hervorragendes Angebot an Wissen und sprachlicher Meisterschaft, dem Chandra von 5. Haus aus eine Note von Intuition, Kreativität, höherem Wissen und dem Segen Gottes hinzufügt: ein großartiges Angebot wird hier perfektioniert.

Chandra ist zudem bester Freund von Guru, d.h. er akzeptiert das Angebot von Jupiter vorbehaltlos; Guru ist Freund von Chandra und bereitet dem Herrn des 9. Hauses daher ein Szenario, das dessen Bedürfnissen von Anfang an Rechnung trägt. Chandra muss also so gut wie keine Extra-Energie aufwenden, um unpassende Vorausetzungen nach seinen Vorstellungen umzuwandeln. Reine Freude und müheloser Erfolg sind hier angezeigt - ein Stück Himmel auf Erden.

Die 5 Kernthemen des 9. Hauses - "Lebensglück, Sinn, Religion, Spiritualität, geistiger Lehrer" - entfalten sich als Ergebnis erfolgreicher Bemühungen in früheren Leben in spontaner Perfektion (5. Haus: Punyam - gutes Karma und Gottes Segen).

Shukra als Bewohner des 9. Hauses

Aber Guru und Chandra wirken nicht allein im 9. Hauses, denn das 9. Haus hat einen Bewohner: Shukra, die Venus. Hier zunächst einmal der Textbaustein zu Shukra:

Shukra verkörpert Sinneswahrnehmung, Wünsche, Lust und Austausch. Das Sanskrit-Wort Shukra bedeutet wörtlich "Samen".

Parashara beschreibt Shukra so: Shukra beherrscht den Samen, ist im Regierungskabinett der Planeten ein Minister, von bunter Farbe, weiblichen Geschlechts, gehört zur Berufsgruppe der Priester. Shukras Guna oder Natur ist Rajas (das spricht sich Radschas und bedeutet Aktivität und Leidenschaft).

Shukra im Horoskop

Im Horoskop gibt die Stellung von Shukra Auskunft über die Fähigkeit eines Menschen, Sinnesfreuden zu erfahren und harmonische Beziehungen zu seiner Umgebung herzustellen. Wie Guru (Jupiter) gibt auch Shukra Wissen, aber nicht durch tiefere Einsicht aus dem Inneren des Bewusstseins, sondern über die äußere Sinnes "Wahr-Nehmung". Guru ist der Lehrer der Devas, der Götter, d.h. der Naturgesetze, die aus dem Inneren des Bewusstseins heraus das Universum regieren. Shukra oder Shukracharya ist der Lehrer der Asuras, der Titanen, der Repräsentanten der mächtigen Materie-Kräfte. Beide sind kosmische Gegenspieler. Im menschlichen Körper entspricht Shukra dem Samen und der Haut.

Shukra Herr der Tierkreiszeichen Stier und Waage

Shukra ist Herrscher des Tierkreiszeichens Stier, welches die Bewusstseins-Qualitäten ruhiger Genuss, Sinnesfreuden, Besitzstreben, Gemütlichkeit und materielle Bindungen zum Ausdruck bringt und des Zeichens Waage, dessen geistige Qualitäten Harmonie, Ausgewogenheit, Gerechtigkeit, Geben und Nehmen sowie Diplomatie sind.

Shukra erhöht in Fische, im Fall in Jungfrau

Am hervorragendsten steht Shukra im Tierkreiszeichen Fische, weil die Sehnsucht nach Liebe und Freude hier die verfeinertsten Qualitäten von vollkommener Hingabe und dem ekstatischen Gefühl des Einsseins annimmt. Im Zeichen Jungfrau, das Berechnung, Vorsicht, Nüchternheit und das Sich-Bewahren in Begrenzungen als geistige Haltung beinhaltet, steht Shukra hingegen extrem unpassend.

Shukra Karaka des 7. Hauses

Shukra ist der natürliche Karaka oder Organisator des 7. Hauses (Ehepartner, Begegnung, Austausch, Sex, Welt) und schafft die Vorraussetzungen dafür, dass ein Mensch sich in Geben und Nehmen mit seiner Umgebung auszutauschen vermag und erfreuliche Beziehungen zu anderen pflegen kann.

Shukra ist ein Wohltäter

Shukra ist ein ausgeprägter Wohltäter-Planet, der prinzipiell lustvolle und erfreuliche Erfahrungen im Leben hervorbringt.

Shukra im 9. Haus:

Das, was der Planet VENUS verkörpert: Liebe, Sinnengenuss, Sehnsucht, Abhängigkeit, Anziehung - entfaltet sich in der Beschäftigung mit den Themen des 9. HAUSES: LEBENSGLÜCK, Sinn, Religion, Spiritualität, geistiger Lehrer.

Glückliche Hand im Umgang mit Menschen. Heitere, sehr positive Art, das Leben zu sehen. Erfährt viel Hilfe und Unterstützung. Ist allseits beliebt. Genießt Sinnenfreuden in Fülle, ohne das rechte Maß dabei zu verlieren - es sei denn, Venus steht im Tierkreiszeichen schwach und erhält Aspekte von Übeltäter-Planeten wie Mars oder Saturn.

Alle Arten von Freude und Erfolg im Leben, wenngleich tendentiell mehr "weltlicher" als geistiger Art. Der Geborene ist religiös, verehrt die Götter und Vorfahren und ist gastfreundlich gegen Brahmanen und Gäste. Ist gelehrt und hält sich an die Wahrheit. Freude an Kindern und Freunden und im Zusammensein mit den Angehörigen. Ist wohlhabend und führt ein angenehmes Leben. Ist optimistisch und erreicht etwas im Leben durch eigene Bemühungen. Erwirbt sich Respekt und wird von der Regierung gefördert.

Ein Glückskind. Außerordentlich zufrieden und voller Freude. Positive und liebevolle Beziehung zum Vater, der lange lebt, wohlhabend und glücklich ist. Liebt Philosophie, religiöse Praktiken und ein spirituelles Leben und ist der Auffassung, dass Genuss und Sinnenfreuden nicht in Widerspruch zu diesen höheren Bestrebungen zu stehen braucht. Anhänger einer "Genieße das Leben"-Philosophie, aber nur bei ungünstigen Aspekten usw. ein Heuchler oder Frömmler, der Wasser predigt und selbst Wein trinkt.

Großzügig und freigebig, tut gern etwas für andere. Erlangt einen tugendhaften und religiösen, glücklichen, erfolgreichen und wohlhabenden Ehepartner.

Grundsätzlich profitiert Venus davon, in dem günstigen 9. Haus zu stehen; als Wohltäter ist sie dort auch willkommen.

Nicht so positiv: Shukra versteht sich mit dem Karaka Guru nicht gut. Beide sind Gegenspieler. Shukra ist - über Sinneserfahrungen - der Lehrer der Asuras (Materiekräfte), Guru, auch Brihaspati genannt - über geistiges Wissen - der Lehrer der Devas (Bewusstseinskräfte). Auch hat Venus, die am stärksten im 4. Haus steht, im beinahe gegenüberliegenden 9. Haus eine geringe Richtungsstärke (Digbala 3 von 20); ihr Einfluss im gesamten Horoskop ist dadurch gemindert.

Shukra in Krebs

Das, was VENUS verkörpert: Liebe, Sinnengenuss, Sehnsucht, Abhängigkeit, Anziehung - ist geprägt durch die Eigenschaften des Tierkreiszeichens Krebs: Gefühl, Bewusstsein, Wachheit, Veränderung, Auf und Ab.

Überaus emotional, sensibel und genussfähig. Sehr starker innerer Wunsch nach Freude und Harmonie im Leben. Ist seinen Sehnsüchten ausgeliefert - gewisse Suchtgefahr. Ständig wechselnde Wünsche, die den Geborenen nach außen hin launisch und unberechenbar erscheinen lassen. Nutzt höhere Bewusstseinskräfte, um einen Partner sowie um Sinnesfreuden, Frieden und Wunscherfüllung zu erlangen. Sehr phantasievoll in Liebesdingen. Großes Interesse an Psychologie und an den Gesetzmäßigkeiten, die in den Beziehungen der Menschen wirken.

Verliebt sich gern. Besitzt alles, was man für ein angenehmes Leben braucht. Die traditionellen astrologischen Schriften sprechen auch von Faulheit, geringer Willenskraft, Melancholie, Kummer durch Frauen und Wein und Sorgen in Bezug auf Spannungen innerhalb der Familie. Nimmt sich Sorgen sehr zu Herzen, weil alles, was im Äußeren wahrgenommen wird, sehr tief ins Innere gelangt. Hat einen unzuverlässigen Partner.

Herr des 7. Hauses im 9. Haus

Der Planet beschäftigt sich mit den Themen des 9. Hauses: LEBENSGLÜCK, Sinn, Religion, Spiritualität, geistiger Lehrer - und organisiert damit die Angelegenheiten des 7. Hauses: EHEPARTNER, Begegnung, Austausch, Ergänzung, Welt.

Äußerst glückliche Konstellation. Die Ehe und die Beziehungen zu anderen Menschen allgemein sind eine Quelle von Freude und Erfolg im Leben. Erlangt einen strahlenden, freudevollen, tugendhaften, religiösen oder spirituellen Ehepartner. Erfolgreiche Geschäftsbeziehungen.

Wohlhabender, schöner und hingebungsvoller Ehepartner. Gewinn durch den Ehepartner oder seine Familie. Ein Glückskind. Freude von Seiten des Vaters. Förderung durch den Guru und Ältere. Eventuell Wohnsitz im Ausland. Im günstigen Fall lebt der Vater im Ausland und der Geborene macht sein Glück in fernen Ländern. Erlangt eine perfekte Ehefrau, die ihm hilft, ein rechtschaffenes Leben zu führen.

Nur im sehr ungünstigen Fall: früher Tod des Vaters; der Ehepartner bringt den Geborenen vom rechten Weg (Dharma) ab, so dass er seinen Wohlstand verschwendet und Armut erdulden muss.

MAHARISHI PARASHARA:

Erfährt Vereinigung mit vielen Frauen, hat eine gute Beziehung zur eigenen Frau und nimmt viele Unternehmungen in Angriff.

Shukra steht hier als Herr eines einflussreichen Kendra (Eckhauses) in einem förderlichen Trikona (Trigonalhaus) und wird dadurch im Horoskop zu einem "Raja-Yoga-Karaka-Planeten", d.h. einem exzellenten Erfolgsfaktor im Horoskop. Raja = König; Karaka = Macher, Yoga = Konstellation.

Allerdings steht die Venus in unserem Chart hier im Zeichen des extremen Feindes Chandra, was den Preis erhöht, der für den Erfolg zu zahlen ist.

Herr des 12. Hauses im 9. Haus

Der Planet beschäftigt sich mit den Themen des 9. Hauses: LEBENSGLÜCK, Sinn, Religion, Spiritualität, geistiger Lehrer - und organisiert damit die Angelegenheiten des 12. Hauses: SCHULDEN, Vergeblichkeit, Isolation, Fehlschlag, Fremde.

Vergebliche religiöse Bemühungen, weil die Gesetze und Autoritäten missachtet werden, die in diesem Bereich gelten. Ist isoliert und ein Fremdkörper in seiner spirituellen Gemeinschaft. Hört nicht auf guten Rat, folgt nicht den Anweisungen des spirituellen Meisters; gerät dadurch in Schwierigkeiten und in eine geistige Sackgasse. Schädigt seinen Ruf durch seine übermäßige Eigenwilligkeit.

Verschwendet sein Glück. Verfolgt einen geistigen Weg, der nicht sein eignerer ist, mit Mitteln, die nicht mit seinem Zustand übereinstimmen. Im besten Fall enorme Unkosten durch Spenden für gute Projekte.

Kein Glück durch den Vater. Schulden und Ausgaben in Zusammenhang mit dem Vater, der früh stirbt oder ein schweres Schicksal hat. Keine Glücksfälle, keine Problemlösungen. Keine Wertschätzung von Religion und Philosophie. Kein Glauben. Keine Förderung durch Ältere. Kein Segen des Guru.

Schläft in komfortablen Betten. Gutes Sexleben. Lebensglück allgemein stark gemindert.

MAHARISHI PARASHARA:

Ist nicht ehrerbietig gegen Ältere, feindselig selbst gegen Freunde und ist stets auf die Erreichung seiner eigenen Ziele bedacht.

Der Herr des 12. Hauses hat die Aufgabe, mit Niederlagen und Verlusten im Leben umzugehen; seine Stellung im 9. Haus ist gut für ihn und zeigt an, dass er eine glückliche Hand dabei hat. Aber für das 9. Haus ist es ungünstig, dass die Problem-Angelegenheiten des 12. Hauses durch diesen Bewohner im 9. Haus thematisiert werden.

Großes Mitgefühl für Gescheiterte und vom Leben Gebeutelte ist aber mit dieser Venus-Stellung durchaus angezeigt, aber auch Mit-Leiden.

[Anmerkung: Wenn man wissen möchte, welcher Art die Niederlagen, Fehlschläge usw. sind, um die Venus sich als Herr des 12. Hauses kümmern soll, muss man die Stellung des Karaka des 12. Hauses ansehen, der das Szenario für Niederlagen usw. ausstattet. Dies ist Saturn und er wirkt vom 4. Haus aus. Es geht also um Verluste usw. in Bezug auf das Elternhaus, die Heimat, die inneren Gefühle ... Die Stellung des Karaka eines Hauses gibt den allgemeinen Themen des Hauses immer die spezielle Note.]

Als Herr von 7 und von 12 verbindet Shukra thematisch diese beiden Lebensbereiche: die persönlichen Beziehungen zur Welt allgemein und zu anderen Menschen, insbesondere zum Partner/Ehepartner und den Bereich, wo gelernt werden muss, mit Vergänglichkeit, Niederlagen, Entfremdung usw. umzugehen.

Überblick: die Stellung der Venus im 9. Haus Ein Wohltäterplanet, der einen Rajayoga bildet, im 9. Haus - das hört sich großartig an. Wie so oft im Jyotish gibt es aber auch hier negative Gesichtspunkte und man muss sich Gedanken darüber machen, wie die Gesamtbewertung aussieht. Listen wir erst einmal die positiven und die negativen Seiten der Stellung von Shukra auf:

Positiv: Shukra ...

... profitiert von der Stellung im förderlichen 9. Haus

... ist als natürlicher Wohltäter im 9. Haus willkommen

... ist als Herr von 7 in 9 ein Raja-Yoga-Karaka

Negativ: Shukra ...

... steht im Zeichen des extremen Feindes Chandra und ist Feind von ihm

... steht im Haus des Feindes Guru und ist extremer Feind von ihm

... ist Herr des ungünstigen 12. Hauses

... ist für den Aszendenten Übeltäter und Maraka Nr. 1

... ist auch Übeltäter für Fische, das Zeichen des Mondes

... verliert als Herr eines Kendra (7. Haus) die Wohltäter-Eigenschaft

... schwache Richtungsstärke (3 von 20)

Wie sieht nun die Gesamtbewertung aus? Steht Shukra günstig oder ungünstig?

Die Antwort ist, dass zwar prinzipiell im Jyotish immer die positiven und die negativen Aspekte zu berücksichtigen sind - je nach Dasha- und Unterphasen und nach Transiten werden im Leben die unterschiedlichen positiven und negativen Aspekte eines Planeten zum Tragen kommen.

Dennoch muss man feststellen, dass der Einfluss der Venus in Hermann Hesses Horoskop negativ zu bewerten ist. Shukra ist der, von der Stellung in einem Tierkreiszeichen her gesehen, schwächste Planet im ganzen Chart und Shukra steht allen persönlichen Faktoren im Horoskop und insbesondere den förderlichsten Grahas Chandra und Guru feindlich gegenüber. Im 9. Haus ist Shukra ein Fremdkörper und stört hier das eigentlich fast perfekte Zusammenwirken des Herrn des Hauses Chandra und des Karaka Guru. Als Raja-Yoga-Karaka ist Shukra erfolgreich aktiv, aber erfolgreich aktiv gegen die zentralen persönlichen Interessen und Lebensziele des Horoskopeigners. Die Eigenschaft, ein "natürlicher Wohltäter" zu sein - ohnehin wegen der Herschaft über ein Kendra gemindert - tritt hier deutlich in den Hintergrund gegenüber der Tatsache, dass in Hermann Hesses Horoskop Shukra als der stärkste "funktionale Übeltäter" und Maraka in Erscheinung tritt. Sehr lehrreich!

Als Herr (und zugleich Karaka) des 7. Hauses sorgt Shukra dafür, dass, verbunden mit einer Glücks-Erwartung (SK in 9) emotionale (Sk in Krebs, dem Zeichen dynamischer Gefühle) Begegnungen mit anderen Menschen (SK Herr von 7) eingegangen werden. Als Herr des 12. Hauses ist Shukra damit befasst, mit Niederlagen, Verlusten und Scheitern umzugehen - auch dies auf emotionale Weise. Shukra selbst steht dabei für Wunsch, Begierde und Sehnsucht - daher ist hier zu berücksichtigen, dass das 12. Haus auch für den Schlaf, das Bett und die "Bettfreuden" steht. Shukra tut dies auf eine Weise, welche die Bestrebungen des Horoskopeigners nach Glück, Sinnhaftigkeit, Spiritualität (9. Haus) torpediert und ihm insgesamt schadet (Feindschaft gegenüber allen persönlichen Faktoren im Horoskop). Umgekehrt arbeiten auch die Planeten im Horoskop, welche den Geborenen selbst und seine Bestrebungen verkörpern, gegen Shukra - Chandra, Guru und auch Mangal sind in der Tabelle "Freundschaft und Feindschaft der Planeten" allesamt unter den Feinden von Shukra zu finden und umgekehrt.

Wie bekämpft Shukra Feinde? Antwort: Auf Art der Venus, d.h. durch Verführung, Erzeugung von Abhängigkeit, Schwächung und Diplomatie. Da das 9. Haus für den Vater steht, kann man schlussfolgern, dass der Wunsch von Hermann Hesses Vater, sich ganz von seinem zu stark gewordenen Ich loszusagen und nur noch seiner Religion zu dienen, auch mit den Problemen zu tun hatte, die ihm Shukra verursacht hat. Die große Zahl von Kindern, die er in die Welt gesetzt hat, sind so gesehen nicht nur ein Indiz dafür, dass er dabei dem Gebot seiner Religion "Seid fruchtbar und mehret euch" gefolgt ist, sondern hier auch der Widerspruch zwischen religiösen Askesetendenzen und weltlichem Lustprinzip eine Rolle gespielt hat, den später auch Hermann Hesse in sich selbst erlebt und dann allerdings sehr offen beschrieben und dichterisch verarbeitet hat.

Es ist hier jedenfalls ein ausgeprägter Konflikt zwischen den Beziehungen zur Welt und zu anderen Menschen, insbesondere zu Frauen und dem Partner, einerseits und den persönlichen geistig-religiösen Bestrebungen andererseits angezeigt. Das 9. Haus ist das Schlachtfeld, auf dem dieser Konflikt ausgetragen wird, weil hier Chandra, Guru und Shukra zusammenwirken (der Konflikt zwischen Mangal und Shukra wird hingegen im 7. und im 3. Haus ausgetragen, wo diese beiden aktiv sind). Die Einflusstabelle für das 9. Haus zeigt, dass Chandra und Guru auf diesem Schlachtfeld prinzipiell stärker sind als Shukra - aber es kann Zeiten im Leben geben, wo das nicht so ist.

Ein Konflikt zwischen zwei Planeten bedeutet immer auch, dass die Angelegenheiten der Häuser, für welche die Grahas sich als Herren einsetzen, in Konflikt miteinander geraten. Daraus lassen sich weitreichende Schlussfolgerungen ziehen. Das Thema des Hauses, in dem die Gegner unmittelbar zusammenwirken, kann dabei als Ursache für diesen Häuserkonflikt angesehen werden.

In unserem Beispiel: im Bereich "allgemeines Lebensglück, Spiritualität, Sinnsuche usw." (9. Haus) findet ein Kampf von Kräften statt, welche u.a. die Bereiche "Partnerbeziehungen, Welt, zurückfließendes Karma" (7. Haus, Venus) und "Kreativität, Kinder, Gottes Segen" (5. Haus, Guru und Chandra) in Konflikt miteinander bringt.

Abschließende Bewertung des 9. Hauses Die Grundstruktur des 9. Hauses ist äußerst gesund: Herr und Karaka sind stark gestellt und harmonieren hervorragend. Jupiter im eigenen geläuterten Feuerzeichen-Schütze im 2. Haus steht für einen reinen, überpersönlichen Willensimpuls und den Einfluss von Wissen; der Mond im 5. Haus im Jupiter-Zeichen Fische, dem geläuterten Wasser-Zeichen, verkörpert gute Gefühle, Intuition, Erlösungswissen, gutes Karma und Hingabe an die höhere Wirklichkeit.

Der Bewohner Venus im 9. Haus stört diese Perfektion und repräsentiert Ablenkung vom eigenen Dharma, emotionale Schwankungen durch "falsche" Wünsche in Bezug auf die Welt und andere Menschen und der Beschäftigung mit Misserfolg und Niederlagen. Verführung durch vergängliche Sinnesfreuden ist insbesondere thematisiert, da hier die Natur von Shukra, das 7. und das 12. Haus zusammenwirken - das 12. Haus verkörpert, wie bereits erwähnt, dann auch das Schlafzimmer, das Bett und die "Bettfreuden".

In den Phasen von Chandra, Guru und mit ihnen befreundeten Grahas werden die Angelegenheiten das 9. Hauses gedeihen, in den Phasen von Shukra und mit Shukra befreundeten Planeten werden die von der Venus verkörperten Ablenkungen und Störungen im 9. Haus zum Tragen kommen.

Da der Einfluss von Guru und Chandra im 9. Haus deutlich stärker ist als der von Shukra, ist das 9. Haus insgesamt positiv zu bewerten.

Abschließende Bewertung der förderlichen Häuser 5 und 9 Das 5. und das 9. Haus bieten ausgezeichnete Unterstützung für die Bestrebungen des Geborenen - das 5. Haus ungetrübt positive Unterstützung, das 9. Haus sehr positiv bis auf einen Störfaktor (Venus). In beiden Häusern sind die starken Grahas Chandra und Guru in ihrem engen harmonischen Zusammenwirken der Garant für den segensreichen Einfluss von höheren Kräften in Hermann Hesses Leben.

Technisch gesehen kann man auch das 1. Haus als Trikona-Haus bezeichen - es ist Kendra (Eckhaus) und Trikona (Trigonalhaus) zusammen. Die Trigonalhäuser 1., 5. und 9. sind stets dem selben Element zugeordnet, in unserem Fall dem Wasserelement (Wasser = emotionale Welt).

Wir haben bei der Analyse des Aszendenten gesehen, dass das 1. Haus von der Stellung des Karaka Surya und des Herrn Mangal und von anderen Gesichtspunkten her sehr problematisch ist. Um die persönliche Handlungsfähigkeit von Hermann Hesse ist es also generell nicht gut bestellt. Um so wichtiger ist es, dass die segensreichen "Schutzengel" des 5. und 9. Hauses in Gestalt von Chandra und Guru hervorragende Unterstützung gewähren.

Einer der beiden segensreichen "Schutzengel", Chandra, ist dabei noch der zentralste persönliche Graha im Horoskop - das eigene Bewusstsein des Geborenen selbst.

Um noch detaillierter zu sehen, wie und wo der unterstützende Einfluss von Chandra und Guru die persönliche Aktivität unterstützt, kann man die Einflusstabelle zu Rate ziehen. In der Tabelle ist in fetter Schrift markiert, wo der Einfluss von Guru und Chandra vorhanden ist und zugleich der Aszendent und die Grahas Surya und Mangal direkt involviert sind, die mit der Problematik der 1. Hauses zu tun haben.

HAUS  KETU  SHUKRA  SURYA CHANDR MANGAL  RAHU   GURU   SHANI BUDDHA
===================================================================
 1    3.0     0.9    2.9    2.4    4.0    0.7    1.4    5.2•   1.1
 4    4.0     1.4    1.4    4.1    3.1    5.0    4.4   10.0•   1.1
 8                   5.2    3.2    1.1    3.0    4.4    6.7•   6.6

Ergebnis:

Der Einfluss der "Schutzengel" auf das 1. Haus ist nicht sehr ausgeprägt. Weder Guru noch Chandra sind Herr oder Karaka des 1. Hauses; Guru aspektiert das 1. Haus nicht, Chandra mit 1/2-Aspekt. Der Aszendent Skorpion selbst, der unmittelbar den Körper des Geborenen und seine Aktivität repräsentiert, kann also von den beiden förderlichen Planeten Chandra und Guru nicht viel Unterstützung erhalten. Allerdings werden wir in Kürze noch sehen, warum Chandra in gewisser Weise grundsätzlich immer einen starken Einfluss auf den Aszendenten hat.

Der Einfluss auf das 4. Haus ist vorhanden, aber der Einfluss von Shani und Rahu, die gegen den Aszendentenherrscher Mars arbeiten, ist stärker; der Einfluss der "Schutzengel" auf das 4. Haus ist vornehmlich zu Zeiten hilfreich, in denen sie ihre Phase haben oder per Transit zusätzlichen Einfluss auf das 4. Haus gewinnen.

Im 8. Haus ist der Einfluss spürbar. Insbesondere der volle Aspekt des stark im eigenen Zeichen befindlichen Guru auf das 8. Haus und seine Bewohner wirkt sich positiv aus.

Das mit dem Herrn und Karaka des 1. Hauses verbundene Problem wird von den beiden förderlichsten Planeten in der Regel gemildert, aber nicht gelöst, aber ihr genereller positiver Einfluss verbessert die Gesamtbilanz von Freude/Erfolg gegenüber Kummer/Misserfolg im Leben erheblich.

Wie geht es weiter? Wir könnten nun mit einer Analyse des 10. Hauses fortfahren: Hermann Hesse ist ein sehr berühmter Mann und diese Berühmtheit ist natürlich auch ein bedeutsamer Aspekt seiner Persönlichkeit. Ich will jedoch die Analyse des 10. Hauses noch etwas aufschieben und stattdessen einen Moment innehalten, um einen Überblick darüber zu gewinnen, was wir bis jetzt erarbeitet haben.
SYNTHESE Nachdem wir die wichtigsten Faktoren im Horoskop kennengelernt haben - bis auf Buddha und Ketu sind auch alle Textbausteine zu den Grahas vorgestellt und kurz erläutert worden - haben wir einen guten Überblick über das Chart von Hermann Hesse gewonnen.

In unserer Untersuchung des Horoskopes ist nun der Zeitpunkt gekommen, all die nacheinander aufgeführten Faktoren zu einem Gesamtbild des Horoskopes zusammenzufügen - um dann mit diesem neuen, ganzheitlichen Blick wieder die einzelnen Faktoren in einem anderen Licht und mit einem vertieften Verständnis zu betrachten.

In jeder Jyotish-Analyse gibt es viele große und kleine "Wellen" von Analyse und Synthese.

Beginnen wir die Synthese mit einigen Jyotish-philosophischen Gedanken zum Zusammenwirken von Mond und Aszendent.

Jyotish-Philosophie: Der Auftrag des Lebens - Mond und Aszendent Wir hatten bereits beschrieben, dass der Mond im Horoskop das Bewusstsein eines Menschen repräsentiert, genauer gesagt das persönliche aktive Denken und Fühlen, das in der vedischen Sprache als "Manas" bezeichnet wird, als der individuelle Geist. Der Geist ist der "Bewohner des Körpers", der den Körper als Instrument zur Verfügung gestellt bekommen hat, um Erfahrungen zu machen und Handlungen auszuführen und dadurch seine Weiterentwicklung zu höherem Bewusstsein voranzubringen. Der Geist hat auf seiner langen Reise zur Vollendung schon viele Körper bewohnt. Die Stellung des Mondes im Horoskop zeigt den Zustand an, in dem der Geist sich als Ergebnis seiner Erfahrungen im vorherigen Leben im Moment der Geburt befindet und womit er sich in diesem Leben vornehmlich beschäftigen will.

Der Aszendent und der Herrscher des Aszendenten stehen in Jyotish für den physischen Körper und seine Aktivität. Der Aszendent und der Herr des Aszendenten zeigen an, welche Handlungen der Geborene vornehmlich ausführen wird, indem der Körper seiner eigenen Natur und seiner genetisch geprägten Veranlagung entsprechend seine Aktivität entfaltet.

Der zentrale Auftrag dieses Lebens wird im Zusammenwirken des Mondes und des Aszendenten/Aszendentenherrschers sichtbar.

Der zentrale Auftrag jedes Lebens ist immer Bewusstseinsentwicklung. Alle anderen Erfahrungen im Leben dienen diesem einen Ziel.

Jeder Fortschritt in Richtung auf dieses Ziel bedeutet immer, dass das Bewusstsein seine Fähigkeit der Herrschaft über die Materie vergrößert. Auf der menschlichen Ebene bedeutet dies, dass der Geist seine Fähigkeit der Herrschaft über den Körper vergrößert. Auf das Jyotish-Chart bezogen bedeutet dies, dass der Mond seine Fähigkeit der Herrschaft über den Aszendenten und den Aszendentenherrscher vergrößert.

Die Beziehung zwischen Mond und Aszendent/Aszendentenherrscher ähnelt hierbei der zwischen dem Herrn und dem Karaka eines Hauses:

Der Aszendent/Aszendentenherrscher steht für die gestellte Aufgabe, der Mond ist mit der Lösung der Aufgabe betraut.

Die Details der Stellung des Mondes und des Aszendenten/Aszendentenherrschers und ihrer Beziehung zueinander gibt im Horoskop Auskunft darüber, wie und verbunden mit welchen Erfahrungen im Leben der zentrale Auftrag des Lebens sich entfaltet.

Mond und Aszendent in Hermann Hesses Horoskop Wir haben zuvor schon einiges über den Mond und den Aszendenten/Aszendentenherrscher in Hermann Hesses Horoskop erarbeitet. Nun wollen wir das aus der Perspektive des eben beschriebenen zentralen Lebenszieles betrachten:

Der Mond steht vom Zeichen und vom Haus her ausgezeichnet in Fische im 5. Haus, angeleitet von einem ebenfalls sehr günstig gestellten Jupiter.

Der Aszendent ist Skorpion, der Aszendentenherrscher Mars steht problematisch in Wassermann und deplaziert im 4. Haus, umgeben von seinen Feinden Saturn und Rahu. Surya, der Karaka des Aszendenten, steht im Zeichen des Feindes im 8. Haus und erschwert von einer nervösen und gestressten körperlichen Konstitution und einem instabilen Selbstbewusstsein her die Aufgabe von Mangal.

Hermann Hesses Lebensauftrag Ein spiritueller, wacher, starker, kreativer Geist, der von hervorragender Intuition unterstützt wird, ist mit der Aufgabe betraut, einen rebellischen, verzweifelt gegen übermächtige Hindernisse und gegen sich selbst um seine Befreiung von aller Fremdbestimmung kämpfenden und in diesem Kampf ermüdenden, resignierenden und frustrierten Körper-Handlungs-Impuls zu beherrschen und zu unterstützen.

Ein ausgeprägter Minuspol, was die Herausforderung anbetrifft und ein starker Pluspol, was die Lösung anbetrifft - ein starker Pluspol + ein starker Minuspol => ein starker Magnet.

In Hermann Hesses Horoskop ist der Mond so stark und günstig gestellt, dass er fähig ist, jede Herausforderung anzunehmen; der Aszendentenherrscher Mars ist seinerseits so problematisch plaziert, dass er in der Tat eine erhebliche Herausforderung darstellt.

Karma "Karma" bedeutet Handlung. Oft wird auch das "Gesetz des Karma", welches besagt, dass die Folgen jeder Handlung stets auf den Verursacher zurückfallen, kurz als "Karma" bezeichnet. Jede gute Handlung erzeugt eine Masse von positivem Rückkehr-Potential, das Punyam oder Verdienst genannt wird, jede schlechte Handlung eine Masse von negativem Rückkehr-Potential, dass Papam oder Schuld/Sünde genannt wird. Wenn die Zeit gekommen ist, kehren die Folgen der eigenen Handlungen zu einem zurück. Dies ist Teil des kosmischen Lehr-Programms.

Jeder Mensch hat durch seine Handlungen in unzähligen Leben eine große Masse von rückkehrwilligen Handlungsfolgen angesammelt. Diese große Masse wird "Sanchita-Karma" ("Santschitta" gesprochen) genannt.

Von dieser riesigen Gesamtmasse wird ein Teil in ein kleines Paket zusammengepackt, das im jetzigen Leben aktiviert und abgegolten wird und als die Lektion dieses Lebens in Erscheinung tritt. Dieses Paket wird Prarabdha-Karma genannt und ist dann im Jyotish-Geburtschart zu sehen (auf einer englischen Wikipedia Seite hier gut erklärt).

In der großen Gesamtmasse von Sanchitta-Karma ist soviel positives und negatives Potential enthalten, dass man viele Leben voller Erfolg und Freude oder viele Leben voller Misserfolg und Kummer daraus manifestieren könnte. Für ein einzelnes Leben stellt die kosmische Intelligenz ein Programm von Ermutigungen und Herausforderungen zusammen, das für den aktuellen Zustand der Entwicklung des eigenen Bewusstseins maximalen Sinn macht. Wie auch immer die Zusammenstellung ausfällt, das höhere Bewusstsein in einem selbst ist absolut damit einverstanden.

Wenn man verstanden hat, dass es im Leben um Entwicklung des Bewusstseins geht, wird man nicht mehr übermäßig erschrecken, wenn man "negative" Faktoren in einem Horoskop findet und auch nicht übermäßig jubeln, wenn die "positiven" Seiten überwiegen. Tadel oder Lob, das der Trainer verteilt, Herausforderungen oder Ermutigungen, die in seinem individuellen Trainungsprogramm enthalten sind - all dies hat nur ein Ziel: maximale Entwicklung.

Existenzebenen Bevor wir noch mehr in die Details von Hermann Hesses individuellem Lebensauftrag gehen, erst noch ein weiterer kurzer Ausflug in "vedisches Denken":

Die Ebene menschlichen Lebens auf der Erde ist nach dem Veda nur eine von vielen Existenzebenen. Oberhalb der Erde - "Erde" bezeichnet in diesem Zusammenhang eine Existenzebene, nicht einen bestimmten physischen Planeten - sind in aufsteigender Folge zahlreiche höhere Bewusstseinswelten ("Himmel") zu finden, unterhalb der Erde in absteigender Folge zahlreiche zunehmend verdichtete Materie-Welten ("Unterwelt").

Die Erde als Existenzebene ist ein Ort, der genau in der Mitte zwischen der höchsten Bewusstseins-Welt Svarga, die von den Devas ("Götter") bewohnt wird und der kompaktesten Materiewelt "Patala", in der die Asuras ("Titanen", oft auch etwas unscharf mit "Dämonen" übersetzt) leben. Die Devas sind Verkörperungen von Bewusstseins-Kräften, die Asuras Verkörperungen von Materie-Kräften. In den vedischen Schriften der "Puranas" ("purana" bedeutet "uralt") wird die Geschichte des Universums beschrieben und zwar wesentlich als Auseinandersetzung zwischen den Devas und Asuras. Die kosmische Evolution vollzieht sich im Zusammen- und Gegeneinander-Wirken von Bewusstsein und Materie.

Zwischen den extremen Polen der Welten der Devas und Asuras gibt es zahlreiche Zwischen-Welten. In den Welten oberhalb der Erde hat das Bewusstsein zunehmend mehr Macht; die Materie ist dort feinstofflicher; ein relativ zarter Bewusstseinsimpuls reicht dort schon aus, um gewünschte Veränderungen in der Objektwelt zu verwirklichen. In den verdichteten Materiewelten ist zunehmend mehr Energie nötig, um den Bestrebungen des Bewusstseins gegen einen immer größeren Widerstand der Materie Geltung zu verschaffen.

In den Puranas werden zahlreiche Bewohner der höheren Bewusstseinswelten und der verdichteten Materiewelten beschrieben: Gandharvas, Siddhas usw. in den höheren Bewusstseinswelten, Yakshas, Rakshasas usw. in den verdichteten Materiewelten.

Auf der Erde ist der Einfluss von Bewusstsein und Materie ausgewogen. Die Erde ist der Ort maximaler Dynamik, das Guna Rajas dominiert hier, welches Dynamik, Aktivität bedeutet. In den Bewusstseinswelten dominiert mehr und mehr das Guna Sattva (klare, stille Wachheit), in den Materiewelten das Guna Tamas (Schwere, Dumpfheit) - siehe meine Erläuterungen zu dem sehr interessanten vedischen Konzept der drei Gunas in der Sektion "9 Planeten".

Die "TABELLE EXISTENZEBENEN DER PLANETEN" Im Jyotish-Datenblatt findet sich eine "TABELLE EXISTENZEBENEN DER PLANETEN" für das Chart von Hermann Hesse. Hier habe ich die Planeten in Hesses Horoskop entsprechend der Qualität ihrer Stellung in einem Tierkreiszeichen den eben beschriebenen Existenzebenen zugeordnet.
EBENE            PLANETEN                             ZEICHENSTELLUNG
======================================================================
+10  Mahadeva                                         Grad d. Erhöhung         
----------------------------------------------------------------------
+ 9  Deva                                             Erhöhung     
---------------------------------------------------------------------
+ 8  Siddha                       Gu                  Mulatrikona       
---------------------------------------------------------------------
+ 6  Pitri                    Bu          Sa  Ra      Eigenes      
---------------------------------------------------------------------
+ 4  G-Gandharva                                      Besten Freundes            
---------------------------------------------------------------------
+ 2  M-Gandharva      Ch                              Freundes            
=====================================================================
± 0  Manu                                         Ke  Neutral     
=====================================================================
- 2  Yaksha       Sy      Ma                          Feindes       
---------------------------------------------------------------------
- 4  Rakshasa                         Sk              Ärgsten Feindes         
---------------------------------------------------------------------

---------------------------------------------------------------------

---------------------------------------------------------------------
- 9  Asura                                            Fall      
---------------------------------------------------------------------
-10  Mahasura                                         Grad des Falls         
=====================================================================

Unter "Zeichenstellung" habe ich hier noch rechts hinzugefügt, was das astrologische Kriterium der Zuordnung des Planeten zu einer Existenzebene ist. Die Zahlen ganz links bezeichnen die Existenzebene und die entsprechende Macht der Bewusstseins-/Materiekräfte.

Ketu ist als einziger Graha der menschlichen Ebene zugeordnet. Chandra ist ein Menschen-Gandharva, der - von der Erde aus gesehen - von der nächsthöheren geistigen Ebene aus wirkt. Götter-Gandharva ist kein Planet, da keiner im Zeichen des besten Freundes steht. Buddha, Shani und Rahu sind Pitris, Guru als Siddha ist der Planet, der von der höchsten Bewusstseinsebene in Hesses Welt aus wirkt. Surya und Mangal sind Yakshas und Shukra ein Rakshasa.

Die Namen der Existenzebenen ist bis auf Deva, Manu (Mensch) und Asura nicht zu wörtlich zu nehmen; das Ganze ist noch im experimentellen Stadium; ich habe Bezeichnungen aus den Puranas vorläufig zugeordnet, die in etwa stimmig sind und ein Gefühl für die Hierarchie geben, um die es hier geht.

Ein strukturelles Problem dabei ist, dass es in Jyotish für Planeten in Mulatrikona-Stellung und im eigenen Zeichen keine negative Entsprechung gibt - es gibt im Jyotish keine Stellung "im Exil" wie in der westlichen Astrologie.

Bei Parashara sind übrigens der Zeichenqualität entsprechend die Planeten den Avasthas (Zuständen) von Wachzustand (erhöht) über Traum (neutral) bis hin zum Tiefschlaf (Fall) zugeordnet - was mit den Zuordnungen in der obigen Tabelle durchaus stimmig ist.

Interessant dabei ist vor allem, zu erkennen, welche Planeten Bewusstseinskräfte verkörpern und welche von ihnen Materiekräfte.

Grundsätzlich ist die Erde der Ort, d.h. die Existenzebene, wo es gleich leicht oder schwer ist, den geistigen Impulsen des Bewusstseins oder den körperlichen Impulsen der Materie zu folgen. Nimmt man das Angebot eines Devas an, so bindet man sich an die Deva-Ebene (Svarga), nimmt man das Angebot eines Asura an, so bindet man sich an die Asura-Ebene (Patala) - mit den entsprechenden Folgen für einen selbst: Aufstieg in höhere Bewusstseins-Welten oder Abstieg in niedere Materie-Welten. Aufgabe ist es letztlich, sich auf der höchsten relativen Bewusstseinsebene zu etablieren - um diese dann zu überschreiten (transzendieren) und frei zu sein; das ist dann Moksha, Freiheit oder Erleuchtung, das höchste Lebensziel.

Die Existenzebenen-Tabelle zeigt an, von welcher Existenzebene aus die Grahas ihre Angebote machen - die Häuser , über die ein Graha herscht, zeigen das Angebot an, das er macht (der Herr vom 2. Haus bietet Reichtum, der des 6. Hauses Sieg über die Feinde, der des 10. Hauses Ruhm usw.). Am wichtigsten ist Chandra, der das eigene Bewusstsein verkörpert; seine Existenzebene zeigt an, wie weit der Weg zur Befreiung ist. Aber auf diesem Weg setzt Chandra sich mit allen anderen Grahas auseinander - die sind gleichsam die "Unter-Persönlichkeiten", die man auf dem Weg zum Ziel mit anheben und integrieren muss.

Bemerkenswert in Hesses Chart: Guru hat mit +8 keinen gleichwertigen Gegenspieler - Shukra mit -4 ist der Kandidat dafür. Und: Chandra und Mangal, die in diesem Chart, wie wir gesehen haben, Geist und Körper repräsentieren, sind mit +2 und -2 direkte Gegenspieler, d.h. ihre Macht in der Welt des Bewusstseins (Chandra) und der Welt der Materie (Mangal) ist gleich groß.

Der zentrale Auftrag des Lebens - Details Nach diesen Jyotish-philosophischen Betrachtungen und mit all dem im Bewusstsein, was wir uns bisher schon zu Hermann Hesses Horoskop erarbeitet haben, können wir nun mit einem vertieften Verständnis nochmals einen Blick auf die zentralen Faktoren des Charts werfen:

Der Handlungsauftrag des Aszendenten Skorpion besagt: "Zerstöre konsequent alles, was nicht zu deiner eigenen Natur gehört!" Ein Skorpion sammelt ein extrem schmerzhaftes Gift an, das er dann mit seinem Stachel in seinen Gegner oder sein Opfer sticht, um zu töten. Entsprechend sind im fixen Wasserzeichen Skorpion negative Emotionen und Erinnerungen gespeichert, verbunden mit dem festen Entschluss, das zu vernichten, was seelischen Schmerz verursacht.

Der kriegerische und verletzende Mars, der Herrscher des Zeichens, verkörpert den giftigen Stachel und ist damit beauftragt, die radikale Vernichtung aller Feinde konkret zu verwirklichen. Mangal steht im ebenfalls fixen Zeichen Wasssermann, was seine Entschlossenheit bestätigt. Da Wassermann ein Luftzeichen ist, verlagert sich der Zerstörungsimpuls von der Ebene der Emotionen (Wasserzeichen Skorpion) auf die Ebende der geistigen Vorstellungen.

Aber das Zeichen Wassermann steht noch für etwas anderes. Auf der Seite 12 Zeichen wurde hervorgehoben, dass die 12 Zeichen des Tierkreises in ihrer Abfolge einen kompletten Zyklus von Bewusstseins-Aktivität darstellen. Das Zeichen Wassermann bildet die vorletzte Phase des Zyklus, in dem das Bewusstsein das Bewusstsein das Interesse am Bereich des Handelns verliert und sich aus der Welt der Objekte in sich selbst zurückzieht.

Der Auftrag des Aszendenten Skorpion "Zerstöre konsequent alles, was nicht zu deiner eigenen Natur gehört!" wird von Mangal durch seine Stellung in Wassermann uminterpretiert in "Höre damit auf, alles konsequent zu zerstören, was nicht zu deiner eigenen Natur gehört!".

Diese Umwandlung des ursprünglichen Skorpion-Auftrags wird noch dadurch verstärkt, dass Saturn in seinem eigenen Zeichen Wassermann den Druck des "Aufhörens" noch einmal verstärkt. Mangal spürt, dass dies quasi die Verkehrung des Grundauftrags in sein Gegenteil bedeutet, dass er seiner Aufgabe, den Grundimpuls seines 1. Hauses zu verwirklichen, nicht gerecht werden kann. Seiner Natur entsprechend hasst er den Saturn dafür, er hasst seine eigene Deformation und sich selbst. Er führt im 4. Haus einen Kampf gegen Shani, auch gegen den Mitbewohner Rahu und gegen sich selbst - aber dies ändert nichts daran, dass es langfristig zu einem Aufhören des Kämpfens kommt.

Einen zornigen, mit sich selbst und seiner Umgebung in Widerspruch stehenden Zerstörungsimpuls im eigenen Inneren über Phasen von Aufruhr und Rebellion schließlich zur Ruhe kommen zu lassen - das ist der zentrale persönliche Handlungsauftrag von Hermann Hesse, wie er sich aus der Kombination von Aszendent und Aszendentenherrscher Mangal erschließen lässt.

Damit ist der Körperimpuls beschrieben, mit dem der Geist sich konfrontiert sieht. In jedem einzelnen Moment im Leben wirken Körper und Geist zusammen. Jeder geistige Impuls materialisiert sich im Körper, jede körperliche Aktivität verändert das Bewusstsein. Das Nervensystem, Hormone usw. vermitteln das Zusammenwirken von Geist und Körper.

Die entscheidende Frage ist: gelingt es dem feineren Instrument des Geistes, den physischen Körper für seine eigenen Ziele einzuspannen und die Ziele der geistigen Entwicklung in diesem Leben zu erreichen oder ist der körperliche Grundimpuls so stark, dass er den Geist unterjocht und ihn für seine eigenen Ziele einspannt?

Auf das Jyotish-Chart bezogen wäre dies die Frage: Ist der Einfluss des Mondes auf den Aszendentenherrscher größer als der des Aszendentenherrschers auf den Mond?

Zunächst kann man anhand der "Einflusstabelle" feststellen, dass der Einfluss des Mondes auf das 4. Haus, in dem sich der Aszendentenherrscher befindet, mit 4.1 angegeben ist, der des Aszendentenherrschers Mars auf das 5. Haus, indem der Mond sich befindet mit null. Diese Untersuchung favorisiert also deutlich den Mond.

Als nächstes kann man feststellen, dass in der Tabelle "Existenzebenen" der Mond als Menschengandharva eine positive "Bewusstseins"-Stärke von +2 besitzt, der Aszendentenherrscher Mars eine negative "Materie"-Stärke von -2. Hier begegnen sich beide auf demselben Machtniveau.

Auch wenn in der Beziehung von Körper und Geist immer eine gewisse Herausforderung mitspielt, müssen sie ja keineswegs immer gegeneinander arbeiten. In Hesses Chart ist der Mars ein Freund des Mondes und der Mond sogar bester Freund des Mars. Sie werden also eher harmonisch miteinander als gegeneinander arbeiten.

Im entscheidenden 4. Haus, in dem der Mond als Karaka und der Mars als Bewohner einander direkt begegnen, ist der Mond der einzige Faktor, der den Mars unterstützt, der ansonsten von Feinden umgeben ist. Der Mars wird also besonders dankbar für die einzige Unterstützung sein, die er hier bekommt und um so mehr gewillt sein, seinerseits den Mond zu unterstützen. Dass Chandra in seinem Wirken stark von Guru geprägt ist (er steht ja im Zeichen und Haus von Guru) und Guru neben Chandra der einzige Freund von Mangal im gesamten Chart ist, verstärkt noch das harmonische Zusammenwirken von Mond und Aszendentenherrscher Mars.

Zudem hat Chandra eine recht gute Beziehung zu Shani und kann dadurch helfen, den ausgeprägten Konflikt zwischen Mangal und Shani im 4. Haus zu entschärfen.

Ergebnis: Chandra hat einen stärkeren Einfluss auf den Lagnadhipati (Aszendentenherrscher) Mangal als umgekehrt und ihr Zusammenwirken ist harmonisch. Somit wird das Hauptziel des menschlichen Lebens - Bewusstseinsentwicklung - erfolgreich erreicht werden.

[Zwischenfrage: was wäre denn, wenn in diesem Chart der Mond dem Aszendentenherrscher gegenüber die schwächere Position einnähme, beide verfeindet wären usw. - gäbe es dann keine Bewusstseinsentwicklung? Antwort: die gäbe es schon, denn im Prinzip tragen alle Erfahrungen im Leben zur Bewusstseinsentwicklung bei. Der Geborene würde dann erfahren, was die Konsequenzen sind, wenn das Bewusstsein sich von der Materie dominieren lässt und daraus irgendwann den Wunsch entwickeln, dass sich daran etwas ändert. Das wäre dann sozusagen das "Vorschulprogramm" der menschlichen Entwicklung - eine Phase, die jede Seele irgendwann durchläuft.

Aber Vorsicht: Diese Analyse gilt erst einmal nur für das hier aktuell betrachtete Chart von Hermann Hesse, in dem sehr deutlich geworden ist, dass der Aszendentenherrscher der Problemfaktor und der Mond der Faktor für die Lösung des Problems ist. In anderen Charts wird das Verhältnis von Aszendentenherrscher und Mond in Bezug auf Bewusstseinsentwicklung in vielen Fällen sehr viel anders interpretiert werden müssen!]

Nun wollen wir untersuchen, wie die Einflussnahme des Mondes auf den Aszendentenherrscher im Detail vonstatten geht und was ihre Folgen sind.

Chandra in Fische steht vom Aszendenten Skorpion aus gerechnet im 5. Haus und ist ebenso dem Wasserelement - dem Bereich der Emotionen - zugeordnet. Chandra ist stark gestellt, ein Wohltäter für den Aszendenten und Herr des ebenfalls für den Aszendenten sehr förderlichen 9. Hauses. All dies befähigt ihn, den zentralen Handlungsimpuls sehr gut zu unterstützen: ein positiver, starker Geist unterstützt die Gesundheit, das körperliche Wohlbefinden, die physische Handlungsfähigkeit usw.

"Wahrlich, hier auf Erden ist nichts reinigender als Wissen. Dies findet mit der Zeit von selbst in sich selbst heraus, wer im Yoga Vollendung erlangte." (Bhagavad Gita 4.38)

Das höhere Wissen und die freudevolle Erfahrung höheren Bewusstseins haben nicht nur einen reinigenden, heilsamen Effekt auf das Denken und Fühlen, sondern auch auf den Körper, weil "hier auf Erden" Bewusstseinsprozesse stets Hand in Hand mit körperlichen Veränderungen gehen. Auf der menschlichen Ebene werden Gedanken und Gefühle intensiv verstoffwechselt. Dieser Zusammenhang ist mittlerweile insbesondere durch wissenschaftliche Untersuchungen über die Auswirkungen der Transzendentalen Meditation vielfach nachgewiesen worden. Dass der Mond in seiner Stellung in Hermann Hesses Horoskop höhere Bewusstseinseinskräfte (Siddhis), Intuition und sehr reale spirituelle Erfahrungen repräsentiert, steht außer Frage.

Wir hatten festgestellt, dass der Aszendentenherrscher Mars große Probleme mit der vorletzten Phase des Zyklus der Bewusstseinsaktivität hat, in der das Bewusstsein sich aus der Aktivität und aus der Welt der Objekte zurückzieht (Wassermann). Der Mond befindet sich hingegen in der letzten Phase des Zyklus der Bewusstseins-Aktivität, in der das Bewusstsein alle Begrenzungen aufgibt und die Welle des individuellen Bewusstseins in den Ozean des universellen Bewusstseins zurücksinkt und selig eins mit ihm wird (Fische) - und der Mond fühlt sich in dieser Phase ausgesprochen gut und erfüllt.

Im 4. Haus kann der Mond als Karaka als einziger Freund dem Mars die Perspektive vermitteln, dass alle seine Leiden in der vorletzten Phase letztlich zu einem wunderbar guten Ergebnis führen werden. Da er seinerseits ein Freund des Mondes ist, wird der Mars auch offen für diese Botschaft sein. Der einzige "Konfliktpunkt" zwischen Mond und Mars ist der, dass der Mond einen erheblich höheren Entwicklungszustand des Bewusstseins verkörpert und der Mars einen recht weiten Weg zurücklegen muss, um sich zu dem höheren Niveau zu erheben. Der Mond muss seinerseits in Kauf nehmen, sich in die "Niederungen" emotionaler Konflikte mit fixen geistigen Vorstellungen (4. Haus, Mars, Wassermann) zu begeben, statt sich nur freudevollen spirituellen Erfahrungen zu widmen - auch der Mond zahlt also seinen Preis (Karma). Letztlich sind eben Körper und Geist auf Gedeih und Verderb aufeinander angewiesen - und schließlich reden wir ja hier von dem Haupt-Thema des Entwicklungsprogramms für ein ganzes Menschenleben.

Hermann Hesses Geist als weiser Lehrer, seine Körperaktivität als ein schwieriger Schüler. In der Bhagavad Gita sagt Krishna als Verkörperung des höchsten Bewusstseins zu seinem - durchaus nicht schwierigen - Schüler Arjuna:

"Vier Arten von rechtschaffenen Menschen verehren Mich, o Arjuna: der Leidende, der nach Reichtum trachtende, der Erkenntnissucher und der zur Erkenntnis gelangte Weise (Gyani), o Bester der Bharatas.

Unter diesen ragt der Weise (Gyani) hervor, der sich Mir unentwegt hingibt, voller Hingabe an die eine Wirklichkeit - denn dem Weisen bin Ich über alles lieb und er ist Mir lieb.

Wahrlich, sie alle sind edel, aber den Weisen (Gyani) sehe Ich als mein wahres Selbst an, denn mit einem Herzen voller Hingabe ruht er allein in Mir, dem höchsten Ziel." (BG 7.16 bis 7.18)

Nach Reichtum zu trachten scheint keine primäre Motivation von Hermann Hesse gewesen zu sein. Vom Leidenden über den Erkenntnissucher bis möglicherweise hin oder in der Nähe zum Weisen - dies beschreibt den Lebensweg von Hermann Hesse recht gut - vom Steppenwolf zu Siddharta sozusagen.

Die Menschen nehmen zu sehr unterschiedlichen Dingen Zuflucht, wenn sie leiden - oftmals auch in der Verzweiflung zu schlechten "Freunden", die schlimmere Probleme hervorbringen als die, welche sie bewältigen helfen sollten. Der unter dem Einfluss von Guru stehende Chandra ist in Hermann Hesses Horoskop jedenfalls für Mangal ein hervorragend guter Freund und verkörpert das Zufluchtnehmen zur höchsten Intelligenz des Universums und die Lösung der menschlichen Probleme durch die Erfahrung höheren Bewusstseins.

Übrigens kann man Shani (Saturn) durchaus als "guten Feind" von Mangal bezeichnen, denn er vertritt ebenso einen höheren Entwicklungszustand (s. Tabelle der Existenzebenen der Planeten, +6 für Shani, -2 für Mangal) und stellt somit für Mangal eine harte, aber evolutionsfördernde Herausforderung dar. Als Herr des 4. Hauses steht Shani auch für die Athmosphäre und die geistigen Zwänge im Elternhaus, die für Hermann Hesse (Mangal) schwer zu ertragen waren, aber dennoch kein schlechtes Niveau hatten.

Wie weiter? Eine Jyotish-Analyse kann man mit einer Reise in ein unbekanntes Land in diplomatischer Mission vergleichen. Um sich ein erstes Bild von dem Land zu machen, besucht man zunächst die Hauptstadt und nimmt dort Kontakt mit den wichtigsten Leuten auf. Dort bekommt man auch wertvolle Hinweise darauf, welche anderen Landesteile man als nächstes besuchen sollte, um das Land näher kennen zu lernen. Nach einer Weile hat man ein gewisses Gefühl für das Land, seine Menschen, seine Verwaltung, seine Reichtümer und Probleme und seine markanten Besonderheiten entwickelt - man ist nicht mehr ganz und gar ein Fremder. Dennoch wird man bei jedem längeren Besuch immer wieder Neues entdecken und sein Wissen über das Land vertiefen.

Mir als Nicht-Jyotish-Meister geht es jedenfalls so, dass ich jedes Mal, wenn ich ein Chart noch einmal zur Hand nehme, wieder neue Facetten und Zusammenhänge erkenne. Wichtig ist es, zunächst einmal die zentralen persönlichen Faktoren kennenzulernen - wie ich das hier mit Hermann Hesses Chart gemacht habe; dem ist meist eine ganze Jyotish-Session gewidmet und das ist so intensiv, dass ich danach erst einmal eine Pause machen möchte, um das Ganze sich setzen zu lassen. In der nächsten Session kann man sich dann gleichsam frei in dem Chart bewegen und sich je nach Interesse oder aktuellen Fragestellungen dem einen oder anderen Haus usw. zuwenden.

Tatsächlich stelle ich mir eine sinnvolle Jyotish-Beratung eher als eine Serie von Sessions vor, denn als ein einziges Gespräch - ähnlich, wie man in der Beratung durch einen Psychologen verfährt. Eine einzelne Sitzung baut immer auf dem auf, was in den vorigen Gesprächen bereits erarbeitet wurde und vertieft das Ganze mehr und mehr.

Meilensteine in dieser Vertiefung sind meist der Moment, wo man die Analyse der persönlichen Faktoren im Horoskop abgeschlossen hat und dann der Moment, wo man zumindest das betrachtete Rashi-Chart auswendig kann und einem dadurch jederzeit neue Erkenntnisse darüber zufließen können.

Da wir es bei Hermann Hesse mit einem sehr berühmten Menschen zu tun haben, ist es naheliegend, als nächstes das 10. Haus im Horoskop zu betrachten und zu untersuchen, welche Kräfte auf welche Weise seinen Ruhm in der Welt hervorgebracht haben.

Das 10. Haus

Zunächst hier der Textbaustein zu Haus 10:

10. Haus - Der Welt das Ergebnis präsentieren Die 5 Kernbegriffe: ÖFFENTLICHKEIT, Staat, Ruhm, gesellschaftliche Stellung, Beruf

Ein Mensch ist zum Herrschen berufen, wenn er sich in seiner persönlichen Entwicklung über die Begrenzungen seiner Individualität erhoben hat (8. Haus) und sein Bewusstsein in Einklang mit der allmächtigen, allwissenden kosmischen Intelligenz gebracht hat (9. Haus), die das Universum von Beginn an regiert - dies ist das vedische Ideal des erleuchteten Herrschers, das in der Geschichte in Perfektion von König Rama verkörpert wurde. Dies ist das Grundprinzip der vedischen Verwaltung auf allen Ebenen, d.h. es gilt für die Verwaltung einer Galaxie, eines Sonnensystems, eines Planeten, eines Staates, einer Provinz, einer Stadt, einer Firma usw. Das 10. Haus repräsentiert das Prinzip kosmischen Handelns auf der Grundlage von persönlicher Erfüllung.

Angelegenheiten des 10. Hauses: Wirken in Öffentlichkeit und Beruf. Der Mensch als Repräsentant von etwas Größerem. Berufserfolg, Karriere, gesellschaftliche Stellung. Pflicht, pflichtgemäßes Handeln, Dharma. Staat, Öffentlichkeit, für alle verbindliche Gesetze.

Das Kollektivbewusstsein und die eigene Beziehung zu ihm. Chefs, Machthaber. Leute, die das Sagen haben, deren Stimme, Ansichten und Anweisungen von vielen gehört werden (Karaka Buddha!). Journalisten. Medien. Mikrophone, Radio, Fernsehen, Zeitungen. Öffentliche Verlautbarungen. Reden. Politiker. Schriftsteller, Regisseure. Prominente, berühmte und erfolgreiche Persönlichkeiten. Schauspieler und Sänger. Öffentliche Auftritte. Versammlungen. Das Parlament (von franz. parler = sprechen). Wallfahrten an heilige Stätten. Megaphone. Demonstrationen, Aufmärsche, Paraden. Öffentliche Auftritte, Sehen und gesehen werden. Deklarationen. Massenveranstaltungen.

Ruhm und Ruf eines Menschen. Die Macht des Wortes und der Sprache, durch die Wirklichkeit interpretiert, geordnet und beherrscht wird. Werbung, Propaganda. Der Zustand der Welt insgesamt im Wechsel der Zeitalter.

Indem der Geborene sich im neunten Haus in Einklang mit den höheren geistigen Kräften gebracht hat, die für die Evolution des gesamten Universums zuständig sind, kann er nun erfolgreich Verantwortung in der Gesellschaft übernehmen und seine Rolle im göttlichen Plan spielen. Das zehnte Haus ist das Haus des Berufs, der Öffentlichkeit und vor allem auch des Ruhms und des Rufes, dessen man sich in der Welt erfreut.

Buddha, der Planet Merkur, der Organisation und Sprache repräsentiert und festlegt, wer das Sagen hat, ist der Karaka oder Organisator dieses Hauses.

Jeder Planet, der im zehnten Haus steht, erlangt große Macht. Das zehnte Haus ist auch ein verbesserndes Haus (Upachaya), denn indem man als Repräsentativ-Person handelt, muss man Vorbild sein und seine besten Eigenschaften kultivieren.

Die Grundstruktur des 10. Hauses: Karaka Buddha und Herr Surya Buddha/Merkur präsentiert das Angebot für das 10. Haus, während Surya/Sonne damit beauftragt ist, aus diesem Angebot im 10. Haus etwas zu machen.

Bedeutungsvoll ist hier, dass der Karaka sich ebenso wie der Herr des 10. Hauses im 8. Haus im Tierkreiszeichen Mithuna (Zwillinge) befindet. Das Wirken der Bewusstseinsdynamik von "Sprache, Kommunikation, Munterkeit, Intelligenz und Witz" (Zwillinge) im Lebensbereich "KATASTROPHE, Überforderung, Überlebenskampf, Loch, Opfer" (8. Haus) wird also auf besonders prägnante Weise ausschlaggebend für Hermann Hesses Ruhm, öffentliche Wirksamkeit usw. (10.Haus) sein.

Buddha

Hier aber zunächst der allgemeine Textbaustein zu Buddha (Merkur):

Buddha verkörpert Sprache, Intelligenz, Intellekt und Kommunikation.

Parashara beschreibt Buddha so: Buddha verleiht Sprache, ist im Regierungskabinett der Planeten der Kronprinz oder Prinzregent, von grasgrüner Farbe, vom Geschlecht her ein Neutrum, gehört zur Berufsgruppe der Kaufleute. Guna ist Rajas (spricht sich Radschas, bedeutet Aktivität und Leidenschaft).

Im Horoskop gibt die Stellung von Buddha Auskunft über die Fähigkeit eines Menschen, seine innere Wahrnehmungs-Welt und seine Umgebung vermittels Sprache zu interpretieren und zu organisieren. Merkur urteilt, er erstellt Konzepte und bestimmt damit, wie wir das sehen, was wir sehen - dies hat enorme Konsequenzen dafür, welchen Weg unsere Gefühle und unser Verhalten nehmen. Im menschlichen Körper entspricht Buddha dem Nervensystem.

Buddha ist der Herrscher des Tierkreiszeichens Zwillinge, welches die Bewusstseins-Qualitäten Sprache, Kommunikation, Munterkeit, Intelligenz und Witz zum Ausdruck bringt und des Zeichens Jungfrau, dessen geistige Qualitäten Organisation, Reinheit, Nüchternheit, Berechnung sowie Detailsinn sind.

Am hervorragendsten steht Buddha im Tierkreiszeichen Jungfrau, welches auch sein eigenes Zeichen ist, weil er dort seine besten Qualitäten: Präzision und Schärfe des Urteilens, sehr gefördert und auf praktische Ziele gerichtet werden.

Im Zeichen Fische, das durch eine Mentalität des Auflösens aller Begrenzungen gekennzeichnet ist, steht Buddha hingegen äußerst ungünstig - hier liefert der Intellekt nur vage Ahnungen und schwammige Formulierungen statt präziser Analysen und akkzentuierter Beschreibungen.

Buddha ist Karaka oder Organisator des 10. Hauses (öffentliche Geltung, Staat, Ruhm, gesellschaftliche Stellung, Beruf) und schafft die Vorraussetzungen dafür, dass der Geborene das Sagen hat, sein Wort Gewicht hat bzw. in welchem Umfang und auf welche Weise man über ihn spricht.

Buddha ist für sich allein ein Wohltäter-Planet, d.h. sein Wirken steht in Verbindung mit positiven, erfreulichen Erfahrungen und Ereignissen im Leben. Aber Buddha gilt als extrem sensible, veränderliche und beeinflussbare Kraft. Dies merken wir daran, dass unsere Interpretation von Situationen und unsere Wortwahl anderen gegenüber sehr leicht durch Wünsche oder Zwänge verändert werden. Jyotish-technisch gesehen ist es so, dass jeder Einfluss eines Übeltäter Planeten - durch Konjunktion oder Aspekt - Buddha sogleich in einen Übeltäter verwandelt.

Buddha steht mit Surya zusammen (Konjunktion); da Surya ein natürlicher Übeltäter ist, wird der extrem beeinflussbare Buddha hierdurch selbst zum Übeltäter. Der Aspekt von Rahu bewirkt dasselbe, auch wenn man den Aspekt eines Schattenplaneten nicht überbewerten sollte. Buddha erhält auch einen vollen Aspekt des Wohltäters Guru, was seine Wirkung hat, Buddha aber nicht zum Wohltäter macht.

Merkur in Zwillinge

MERKUR (BUDDHA) IN MITHUNA (ZWILLINGE):

Das, was der Planet MERKUR verkörpert: Sprache, Intelligenz, Verstand, Ordnung, Organisation - ist geprägt durch die Eigenschaften des Tierkreiszeichens Zwillinge: Sprache, Kommunikation, Munterkeit, Intelligenz, Witz.

Merkur steht hervorragend in seinem eigenen Zeichen. Sehr heitere, muntere, lebendige, witzige Art zu sprechen mit Vorliebe zur nicht so ernsthaften, unverbindlichen, oberflächlichen Konversation. Schnell arbeitender Verstand, der jede Anregung rasch aufnimmt und eine Vielzahl von Schlussfolgerungen zieht. Ausgezeichnete Auffassungsgabe, große geistige Flexibilität. Schlagfertigkeit. Gute Merkur-Stellung für Reporter, Journalisten, Redner, Verkäufer und Spaßmacher aller Art.

Sehr redegewandt, guter Erzähler. Zuweilen streitlustig. Gelehrt und ein Kunstkenner. Humorvoll. Führt ein glückliches und angenehmes Leben. Hat eventuell zwei Frauen oder Zwillings-Söhne. Kultiviert. Taktvoll. Erfinderisch. Sinn für Literatur, Kunst und Wissenschaft. Gewinnende Art. Fröhlich. Ist ein Dichter. Ist nicht immer glücklich, aber hochintelligent. Vielfältige berufliche Interessen. Erfolgreiche Karriere durch ausgeprägte Intelligenz.

Merkur im 8. Haus

BUDDHA IM 8. HAUS

Das, was der Planet MERKUR verkörpert: Sprache, Intelligenz, Verstand, Ordnung, Organisation - entfaltet sich in der Beschäftigung mit den Themen des 8. HAUSES: KATASTROPHE, Überforderung, Überlebenskampf, Loch, Opfer.

Wenn es ums nackte Überleben und um schwerste existentielle Probleme geht, hilft Reden oder vernünftiges Abwägen oft nicht viel. Merkur ist im 8. Haus in der Regel überfordert. Nervensystem unter schwerstem Dauerstress oder unter Schock. Schwierigste, sehr belastende Gespräche werden geführt. Berufstätigkeit hat mit Katastrophen oder Fragen des gefährdeten Überlebens zu tun. Sprachprobleme sind angesagt.

Unter sehr guten Begleit-Konstellationen bietet ein starker Merkur jedoch Möglichkeiten, schwer zu erlangendes Wissen zu erlangen oder "unlösbare Probleme" zu lösen - z.B. Atomphysik, Quantenphysik, sehr ernsthaftes spirituelles Wissen oder Informationen, die unter großen Gefahren beschafft werden, etwa in der Spionage.

Die "sehr guten Begleit-Konstellationen" sind hier gegeben, da Buddha stark im eigenen Zeichen Zwillinge steht. Durch die Stellung im 8. Haus tritt die locker-witzige Komponente von Merkur in Zwillinge allerdings in den Hintergrund, denn im 8. Haus geht es um ernste Dinge.

Die kombinierende Intelligenz und Sprach-Kraft richtet sich im 8. Haus auf Dinge, die schwer zu erkennen und schwer zu ertragen sind. Wenn man fragt "Was für Dinge sind das denn genauer?" so muss man den Planeten betrachten, der als Karaka das Szenario des 8. Hauses aufbaut. Dies ist Shani (Saturn), der sich im 4. Haus befindet - dies hat zur Folge, dass die schwer zu erkennenden und zu ertragenden Dinge, mit denen Merkur sich beschäftigt, mit dem inneren Seelenleben, dem Elternhaus usw. (4. Haus-Themen) zu tun haben. All das, was wir über das zentrale und wichtigste 4. Haus gesagt haben, wird hier von Buddha analysiert, erforscht, organisiert und sprachlich zum Ausdruck gebracht - eine schwere, belastende Aufgabe, durch die Buddha aber nicht deformiert werden oder zerbrechen wird, da er sehr stark im eigenen Zeichen steht und dadurch fähig ist, seine eigene Natur zu bewahren.

Ist ein Grübler und Pessimist. Leidet unter dem Anspruch, etwas Großes vollbringen zu müssen. Passende Stellung für Bestattungsunternehmer, Chirurgen, Krisenmanager, Psychiater, Pfarrer, Juristen oder Wissenschaftler, aber auch für Waffenhändler und Betrüger.

Merkur als Herr von 8 in 8

[Anmerkung: Hier sicherheitshalber noch einmal der Hinweis, dass der folgende allgemeine Textbaustein zum Herrn von 8 in 8 "nichts davon weiß", dass es sich bei dem Planeten, der sich als Herr des 8. Hauses im 8. Haus befindet, in unserem Horoskop um Merkur handelt, dass er dabei stark im eigenen Zeichen Zwillinge steht, zugleich auch Herr des 11. Hauses ist, mit Surya in Konjunktion steht usw.]

HERR DES 8. HAUSES IM 8. HAUS:

Der Planet beschäftigt sich mit den Themen des 8. Hauses: KATASTROPHE, Überforderung, Überlebenskampf, Loch, Opfer - und organisiert damit die Angelegenheiten des 8. Hauses: KATASTROPHE, Überforderung, Überlebenskampf, Loch, Opfer.

Der Herr von 8 steht stark in seinem eigenen Zeichen, aber andererseits ist jeder Planet im 8. Haus eine Quelle von schweren Problemen. Dies bedeutet, dass einerseits mit Katastrophen und extremen Belastungen erfolgreich umgegangen wird, dass es aber andererseits reichlich Katastrophen im Leben gibt, die Gelegenheit geben, dieses Talent unter Beweis zu stellen. Ausgeprägte Fähigkeit, die Härte und Konsequenz zu zeigen, die für das Überleben in schweren Krisen notwendig ist. Das Zusammenleben mit dem Geborenen ist nicht leicht.

Langes Leben. Viel Energie und Lebenskraft. Lebt sehr intensiv. Genießt den Reichtum des Ehepartners. Geld aus Erbschaften, Vermächtnissen oder Versicherungen. Sehr ernsthafte spirituelle Bestrebungen. Studiert Geheimwissenschaften, Esoterik oder Quantenphysik. Strebt nach Erleuchtung (Moksha). Starke Intuition. Psychische Kraft. Sexuelle Stärke und Attraktivität. Im ungünstigeren Fall weder viel Kummer noch viel Glück. Vater stirbt früh oder hat es schwer im Leben.

MAHARISHI PARASHARA: Hat ein langes Leben, ist ein Dieb, ist selbst tadelnswert und tadelt andere.

Merkur als Herr von 11 in 8

HERR DES 11. HAUSES IM 8. HAUS:

Der Planet beschäftigt sich mit den Themen des 8. Hauses: KATASTROPHE, Überforderung, Überlebenskampf, Loch, Opfer - und organisiert damit die Angelegenheiten des 11. Hauses: WUNSCHERFÜLLUNG, Einkommen, Erwerbstätigkeit, Förderung, Freunde.

Finanzielle Katastrophen, Entlassungen, Arbeitslosigkeit, Pleiten und Konkurse. Tragischer Verlust von Freunden oder älteren Geschwistern. Verdient seinen Lebensunterhalt in einer Beschäftigung mit problematischen Themen, z.B. als Bestattungsunternehmer, Konkursverwalter, Waffen- und Rauschgifthandel, Chirurgie oder als Soldat, Verbrecher, Spion, Polizist, Feuerwehrmann, Psychiater oder Naturwissenschaftler. Erfährt wenig Unterstützung. Lebt von Sozialhilfe oder als Bettler. Eheleben sehr belastend.

Viele finanzielle Verluste. Wenig gute Gelegenheiten. Wünsche bleiben unerfüllt. Kein Glück durch ältere Geschwister, die ein schweres Schicksal haben und eventuell früh sterben. Wenige und schlechte Freunde. Finanzielle Zuwendungen vom Partner, z.B. in Form von Unterhaltszahlungen. Gewinn aus Versicherungen und Erbschaften. Der Geborene erlebt viele Katastrophen und selbst, wenn er in einer reichen Familie aufwuchs, verliert er einen Großteil seines Vermögens. Verluste durch Diebe, Räuber und Betrüger.

MAHARISHI PARASHARA: Erlebt Rückschläge in seinen Unternehmungen, lebt lange und seine Frau stirbt vor ihm.

Zusammenfassung: Herr und Karaka des 10. Hauses Wenn der Herr und der Karaka des 10. Hauses im sehr problematischen 8. Haus stehen, bedeutet das, dass öffentlicher Erfolg, Ruhm, gesellschaftliche Stellung, die Beziehung zum kollektiven Bewusstsein usw. wenn überhaupt, dann nur unter großen Mühen und über schwere persönliche Opfer positiv gestaltet werden können.

Der Karaka des 10. Hauses, Merkur, steht im eigenen Zeichen stark im 8. Haus, Surya als Herr des 10. Hauses im Zeichen des Feindes (Merkur) im 8. Haus. Merkur macht also - den schwierigen Umständen des 8. Hauses entsprechend - ein gutes Angebot für das 10. Haus; Surya als Herr des 10. Hauses ist nicht fähig, dieses gute Angebot zum Wohle des 10. Hauses zu nutzen - das Angebot ist also weitaus besser, als das, was daraus gemacht wird. Gute Möglichkeiten für Ruhm usw., die schlecht genutzt werden.

Zudem ist Buddha ein Feind von Surya (übrigens auch ein Übeltäter für den Aszendenten Skorpion, für den Surya der Karaka ist!); Buddha kommandiert Surya auf eine Weise, die Surya leiden lässt und schwächt. Der starke Minister Buddha macht den König Surya zu einem sensiblen intellektuellen Grübler und schwächt ihn dadurch, so dass der König leidet, zweifelt und sich verzettelt, wenn er ums Überleben kämpfen muss (8. Haus). Surya wiederum ist neutral gegenüber Buddha, wehrt sich also nicht sehr gegen den Einfluss, der ihn schwächt. Eine konkrete Folge: die intellektuelle schriftstellerische Tätigkeit (Buddha) unter innerem seelischen Druck (8. Haus, Shani in 4) fördert den Ruhm (Buddha stark), schwächt aber die Gesundheit, das Nervensystem und das Selbstbewusstsein (Surya geschwächt), so dass der persönliche Nutzen des Ruhms gemindert ist.

Von Herr und Karaka des 10. Hauses ausgesehen, ist es um die Aussichten in Bezug auf Ruhm usw. nicht schlecht bestellt (Buddha stark), aber es muss ein hoher Preis dafür bezahlt werden (8. Haus, Surya leidet). Für sich allein gesehen lässt sich daraus noch keine enthusiastische Prognose für die öffentliche Geltung ableiten; noch negativer muss die Aussicht auf den persönlichen Nutzen beurteilt werden, der ja oft mit der Stellung eines Prominenten (V.I.P.) verbunden ist (Surya schwach, Buddha Feind des Aszendenten). Dazu passt, dass Hermann Hesse ja Zeit seines Lebens nicht so sehr persönlich von jubelnden Massen enthusiastischer Fans umlagert, er in großen Veranstaltungen und von den Massenmedien gefeiert wurde usw. - es ist eher sein literarisches Werk, das Berühmtheit erlangte.

Aber wir haben ja noch nicht alle Faktoren untersucht, die das 10. und auch das 8. Haus beeinflussen.

Der Schattenplanet Ketu befindet sich als Bewohner im 10. Haus. Hier die Textbausteine zu Ketu

Ketu, der absteigende Mondknoten (Drachenschwanz)

Ketu verkörpert äußerste Sensibilität, höchste Verfeinerung und einen extrem starken Wunsch nach Freiheit.

Die körperlosen "Schattenplaneten" Rahu und Ketu nehmen im Jyotish eine besondere Stellung ein, d.h. sie sind von anderer Natur als die sieben Grahas von Sonne bis Saturn, aber nichtsdestoweniger sehr einflussreich.

Die schattenhafte Natur von Ketu bringt es mit sich, dass sein Wirken im Leben sehr schwer einzuordnen ist.

Ketu ist laut Parashara im Regierungskabinett der Planeten, zusammen mit Rahu, ein Soldat der Armee. Sein Körper besitzt eine rauchige Farbe. Er ist vom Geschlecht her ein Neutrum und gehört zur Berufsgruppe der Arbeiter, d.h. er führt Befehle aus. Ketus Guna oder Natur ist Tamas (dumpfe Trägheit).

Im Horoskop gibt die Stellung von Ketu darüber Auskunft, in welchem Lebensbereich (Hausstellung von Ketu) und mit welcher Bewusstseinsdynamik verbunden (Zeichenstellung von Ketu) eine rätselhafte und das Alltagsbewusstsein irritierende Über-Sensibilität und höchst verfeinerte Wahrnehmung sich geltend macht, die auf absolute Befreiung von jeder materiellen Bindung oder Verunreinigung abzielt. Ketu ist Signifikator für Erleuchtung (Moksha, Nirvana).

Körperlich manifestiert sich Ketu oft in Gestalt von Allergien oder von körperlichen Störungen, deren Ursache durch Standard-Diagnosemethoden kaum herauszufinden sind.

Da Ketu ein Schattenplanet ist, wird seine Aktivität in hohem Grade von demjenigen Planeten bestimmt, in dessen Tierkreiszeichen Ketu steht.

Ketu ist Herrscher des Tierkreiszeichens Skorpion, welches die Bewusstseins-Qualitäten Durchsetzung, Vernichtungstrieb, Fanatismus, Befreiung und Ablehnung zum Ausdruck bringt und des Zeichens Fische, dessen geistige Qualitäten als Hingabe, Auflösung, Intuition, Rückkehr zur Einheit und Erlösungswissen beschrieben werden.

Auch für Ketu gilt, dass seine Herrschaft über die genannten Tierkreiszeichen nicht überbewertet werden sollte. Dass er der Herr der Zeichen Skorpion und Fische ist, bedeutet nicht, dass er Mangal (Mars) oder Guru (Jupiter) Konkurrenz macht in Bezug auf die Herrschaft über diese Zeichen und die ihnen im Horoskop zugeordneten Häuser, sondern gibt in erster Linie einen Hinweis darauf, dass Ketu in diesen Zeichen stark steht, d.h. dass seine das Alltagsbewusstsein irritierende und transzendierende Aktivität sich vergleichsweise gut in das "bürgerliche Leben" integrieren lässt und sich in relativ positiven Erlebnissen ausdrückt.

Am ausgezeichnetsten steht Ketu in Skorpion, weil die destruktive und alles Fremde und Unpassende abweisende Bewusseinsdynamik dieses Zeichens sehr gut zu Ketus Befreiungs-Impuls passt. Äußerst deplaziert ist hingegen Ketus Stellung in Stier, das materielle Verdichtung und Bindung beinhaltet. Der starke Widerspruch zwischen der Tendenz des Planeten und der Bewusstseinsdynamik des Tierkreiszeichens führt zu schweren Störungen im Leben, zumeist in Gestallt eines übersteigerten Strebens nach extrem verfeinerten Sinnenfreuden, das zu höchster Befriedigung führen soll, aber die Gesundheit schädigt und das normale Leben aus der Bahn wirft (z.B. im Extremfall Drogen).

Aufgrund seiner Sonderstellung als körperloser Planet wird Ketu keine Funktion als Karaka oder Organisator eines bestimmten Hauses zugewiesen.

Ketu gilt als Übeltäter-Planet, weil sein Wirken sich nur schwer mit den Erfordernissen des Alltagslebens vereinbaren lässt und er dadurch Störungen im normalen und erwarteten Ablauf der Dinge hervorruft.

Ketu in Löwe

Das, was der Schattenplanet KETU verkörpert: Loslösung, Verfeinerung, Verwirrung, ungewöhnlicher Zustand und Erleuchtung - ist von seiner Dynamik her geprägt durch die Eigenschaften des Tierkreiszeichens LöWE: Selbstbewusstsein, Macht, Souveränität, Herrschaftsanspruch und Geltungsdrang.

Bis hin zum Größenwahn übersteigertes Selbstbewusstsein. Verrückt anmutendes, extremes Streben nach Souveränität. Sich auserwählt und gottgleich fühlen. Macht als Droge. Im positivsten Fall repräsentiert diese Konstellation den erleuchteten Herrscher, Raja Ram sowie den Rig-Veda, die Verfassung und Regierung des höchsten Wissens und die Allmacht Gottes. Im ungünstigeren Fall Arroganz und eine völlig unrealistische Selbst-Beweihräucherung, anmaßender Ego-Wahn und peinliche Ausdrucksformen von Selbstsucht.

Lüge und Betrug der Herrschenden. Die propagandistisch überall verbreichte Droge der Fata-Morgana des "mündigen Bürgers", des vorgeblichen "höchsten Souveräns" in den demokratischen Staaten, dem die Politiker schmeicheln und dienen, ihn aber in Wirklichkeit in höchst adliger Manier verachten und konsequent betrügen. Die Illusion der Souveränität von Staaten und der Selbstbestimmung freier Bürger. Intrigen, Verschwörungen, Komplotte und Verrat im Spiel um die Macht.

Ketu steht in unserem Chart Löwe mittelmäßig stark, da Surya, der Herr des Zeichens Löwe, neutral gegenüber Ketu ist. Ketu ist gegenüber Surya umgekehrt ebenfalls neutral. Die positiven und negativen Aspekte dieser Stellung halten sich also in etwa die Waage.

Ketu im 10. Haus

Das, was der Schattenplanet Ketu verkörpert: Loslösung, Verfeinerung, Überirdisches, Befreiung, Erleuchtung - entfaltet sich in der Beschäftigung mit den Themen des 10. HAUSES: ÖFFENTLICHKEIT, Staat, Ruhm, gesellschaftliche Stellung, Beruf.

Günstige, aber sehr einflussreiche Stellung des Übeltäters Ketu. Viele seltsame Ereignisse im Leben. Je nach Stärke von Ketu in seinem Tierkreiszeichen, Aspekten usw. ist der Geborene ein Betrüger und Verführer der Massen, ein charismatischer Führer oder ein erleuchteter Lehrer. Sehr feine Antenne für die Bedürfnisse der Menschen.

Exzellente und erfolgreiche Karriere. Im ungünstigen Fall seltsame Schwierigkeiten in der Karriere. Wird Opfer von Täuschung, Intrigen, heimtückischen Machtkämpfen, Verrat oder eigenartiger, ungünstiger Umstände.

Großes Interesse an Spiritualität. Viele Pilgerfahrten zu heiligen Stätten. Asketische Tendenzen. Beliebt. Brillanter Geist. Hat Wissen um das Selbst und einen philosophischen Geist.

Nicht immer vorbildliches Verhalten. Begegnet vielen Widerständen, überwindet sie aber. Ist immer unterwegs. Begeht üble Taten und ist unrein in seinen Entschlüssen. In all seinen Unternehmungen trifft er auf Hindernisse. Sehr gewitzt und klug.

Zwischen dem Bewohner Ketu und Buddha, dem Karaka des 10. Hauses, besteht wechselseitige Freundschaft. Als Übeltäter ist Ketu zudem im "verbessernden" 10. Haus günstig gestellt - da Ketu in irgend einem Hausstehen muss, ist es nett, wenn er in einem verbessernden Haus steht, in dem seine Übeltäter-Natur weniger stark negativ ins Gewicht fällt. Da zudem Ketu im 10. Haus volle Richtungsstärke (20 von 20) hat, ist sein Einfluss hier groß.

Zusammenfassung zu Ketu im 10. Haus Wechselseitige Freundschaft zum Karaka Buddha, neutrale Haltung gegenüber dem Herrn Surya, günstig als Übeltäter im verbessernden 10. Haus, volle Digbala (Richtungsstärke) - die Stellung von Ketu ist in Hermann Hesses überwiegend positiv zu bewerten.

Da er von den Beziehungen her Buddha gegenüber favorisiert, unterstützt er im 10. Haus eher Prozesse, die Buddhas gutes Angebot für das Haus aktivieren als Aktivitäten, die Suryas "Verschlimmbesserung" dieses Angebotes beinhalten. Ebenfalls ein positiver Punkt.

HAUS  KETU  SHUKRA  SURYA CHANDR MANGAL  RAHU   GURU   SHANI BUDDHA
===================================================================
10    8.0•           5.2           2.3    3.0    4.4    4.5    5.2

In der Einflusstabelle für das 10. Haus sind überraschend hohe 8 Punkte zu sehen. Dies kommt daher, dass Ketu als zusätzlicher Herr der Zeichen Skorpion und Fische gilt, die in unserem Horoskop den Aszendenten und den Mond beherbergen - zwei der wichtigsten persönlichen Faktoren im Horoskop. 8 Punkte ist vielleicht etwas zu viel - die Zahlen in der Einflusstabelle sind aber ohnehin nicht zu präzise "wörtlich" zu nehmen; sie sollen eher auf Zusammenhänge und Betonungen hinweisen. Nichtsdestoweniger ist Ketu ein einflussreicher Faktor im 10. Haus.

Wenn man ernst nehmen würde, dass der Schattenplanet Ketu Herr der Zeichen Skorpion und Fische ist, dann wäre er damit in unserem Chart hier Herr der Häuser 1 und 5, somit Herr eines Kendra (Eckhauses) und eines Trikona (Trigonalhauses) und damit ein Raja-Yoga-Karaka, ein Graha, der außergewöhnlichen Erfolg verleiht - und das im 10. Haus, dem Haus des Ruhmes und der öffentlichen Geltung! Dann wäre die Stellung von Ketu für sich allein gesehen schon ein entscheidender Faktor für Hermann Hesses Berühmtheit. Darauf möchte ich später noch einmal zurückkommen, wenn wir über die Ketu-Mahadasha (1909-1916, im Alter von 32 bis 39) sprechen.

Aber untersuchen wir erst einmal genauer, was Ketu bewirkt.

Da Ketu im 10. Haus steht, steht er für eine Facette von Hermann Hesses Persönlichkeit, die dann zum Vorschein kommt, wenn er in der Öffentlichkeit in Erscheinung tritt - als Repräsentativperson oder Vorbild und nicht so sehr als Privatperson. Da Ketu stark von Surya geprägt ist und Surya im Zeichen Zwillinge im 8. Haus steht, kann man schlussfolgern, dass Hermann Hesse in der Öffentlichkeit als ungewöhnlich genialer, subtiler, magischer, sensibler, freier, erleuchteter, inspirierter (Ketu) Denker, Schriftsteller, Intellektueller (Sonne in Zwillinge) hervortritt, der diese Qualitäten auch oder gerade unter schwierigen, leidvollen Bedingungen (Surya im 8. Haus) unter Beweis stellt.

Gurus Einfluss auf das 10. und das 8. Haus Jupiter macht über einen vollen Aspekt vom 2. Haus aus seinen Einfluss auf das 10. Haus geltend und ebenso auf das 8. Haus mitsamt seinen Bewohnern Surya und Buddha, die ihrerseits Herr und Karaka des 10. Hauses sind. Unter diesem Gesichtspunkt müsste Gurus Wert von 4.4 für das 10. Haus in der Einflusstabelle höher angesetzt werden.

Jupiter im eigenen Zeichen Schütze steht für Erfolg, Großartigkeit, Pracht, Wissen und höhere Werte. Im 2. Haus wird er u.a. über die Themen Sprache und Wissen aktiviert. Sein voller Einfluss auf sämtliche Faktoren, die das 10. Haus konstituieren, bringt dem 10. Haus Erfolg.

Guru ist Herr des 5. Hauses und damit ein Wohltäter für den Aszendenten. Er inspiriert den Mond im 5. Haus und verleiht ihm großen Einfluss, der über Guru dann allerdings indirekt das 10. Haus erreicht.

All dies zusammen macht Jupiter zu einem mächtigen Erfolgsfaktor für das 10. Haus.

Andererseits ist Guru aber mit dem Karaka des 10. Hauses, Buddha und mit Ketu, dem Bewohner des 10. Hauses, verfeindet; die Beziehung zu Surya, dem Herrn des 10. Hauses, ist neutral. Wenn Guru also für das 10. Haus etwas tut, wird er damit auch einiges von dem rückgängig machen, was er dort als Auswirkungen der Tätigkeit von Buddha und Ketu vorfindet und die Wirkung von Surya zumindest teilweise modifizieren. Dies bewirkt Turbulenzen und Umstrukturierungen im 10. Haus.

Für den Ruhm und Erfolg als Schriftsteller scheint mir das Zusammenwirken von Guru und Buddha und Ketu entscheidend zu sein, wobei die bedeutsamen Faktoren sind:

(1) Guru und Buddha-Surya aspektieren sich gegenseitig

(2) Guru aspektiert somit das 10. Haus sowie den Herrn und den Karaka des 10. Hauses

(3) Guru ist Feind von Buddha, Buddha sogar Todfeind von Guru

(4) Ketu ist ein sehr starker Faktor als Bewohner des 10. Hauses

(5) Ketu ist Freund von Buddha, neutral zu Surya und Feind von Guru; Ketu favorisiert als Buddha

der Haupt-"Schriftsteller-Faktor" ist Buddha in Zwillinge. buddha verkörpert Worte und Sprache, besonders in seinem eigenen Luft-Zeichen Zwillinge. Das 8. Haus, in dem Buddha sich befindet, wird von Shani im Luft-Zeichen Wassermann (Luft = geistige/gedankliche Ebene) als Karaka aufgebaut. Shani verdichtet die flüchtigen Worte zu Schrift und hilft so, den Dichter und Schrift-Steller hervorzubringen. Buddha aspektiert auch das 2. Haus, das Haus der Sprache, in dem Guru sich befindet.

Guru selbst im Haus der Sprache verkörpert in Schütze eher den Priester/Prediger/Philosophen/Moralprediger - ein Faktor, der von dem eher wertneutralen, neugierigen und für alles offenen Buddha nicht geschätzt wird. Auch der Buddha-Guru-Konflikt trägt aber letztlich zum schriftstellerischen Erfolg (10. Haus) bei, wobei die Genialität (Ketu) eher den Schriftsteller (Buddha) als den Moralapostel (Guru) unterstützt.

Aspekte von Mangal, Shani und Rahu auf das 10. Haus Vom 4. Haus aus nehmen auch dessen Bewohner Mangal, Shani und Rahu vollen Einfluss auf das 10. Haus. Die Beziehung dieser drei Grahas zu den Grahas, die das 10. Haus unmittelbar konstituieren - Karaka Buddha, Herr Surya und Bewohner Ketu - ist jedoch nicht positiv und ihre Einwirkung ist daher im 10. Haus nicht willkommen.
Zusammenfassung 10. Haus Durch die vielen Aspekte nehmen insgesamt eine große Zahl von Grahas starken Einfluss auf das 10. Haus, die hier teils positiv, teils negativ, teils zusammen-, teils gegeneinander wirken. Es ist sicherlich nicht leicht, sich aus diesen vielen Einflüssen ein Gesamturteil über das 10. Haus zu bilden.

Andererseits kann man feststellen, dass Hermann Hesses Bild in der Öffentlichkeit, sein Ruf und sein Ruhm, genau diese Vielfalt und Gegensätzlichkeit der Kräfte widerspiegelt: vom schwer-erziehbaren Rebellen, Selbstmord-Gefährdeten und (beinahe) Geistesgestörten in der Jugend, über einen wachsenden guten Ruf in intellektuellen Kreisen und andererseits den offiziellen Status als "Vaterlandsverräter" in der NS-Zeit bis zum gefeierten und bewunderten Schriftsteller im späteren Leben und nach seinem Tode.

Ohnehin ist es im Jyotish oft so, dass man die Frage "Welcher der Planetenfaktoren wird sich durchsetzen?" so allgemein garnicht endgültig beantworten kann, sondern die richtige Antwort die ist, dass jeder der Faktoren in der Zeit seiner verstärkten Aktivierung (Dasha + Transit) seine Wirkung entfalten wird.

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